Basler Jugendliche spielen mit Asylsuchenden und finden so den Weg zu sich selbst

Am Jugendtheatertreffen «Spiilplätz» bekommt man von Mittwoch bis Samstag zwölf Inszenierungen zu sehen. Auf der Bühne spielen auch junge Asylsuchende mit Basler Jugendlichen – es geht ums Erwachsenwerden und das Jungsein.

Eine neue Rolle ausprobieren, wenigstens einmal für ein Stück: Selbstfindung ist für Jugendliche ein zentrales Thema, ein Theaterkurs eine wunderbare Spielwiese dafür.

(Bild: Junges Theater Basel)

Am Jugendtheatertreffen «Spiilplätz» kriegt man zwölf Inszenierungen zu sehen. Auf der Bühne spielen auch junge Asylsuchende mit Basler Jugendlichen – es geht ums Erwachsenwerden und das Jungsein.

Für den Theaterkurs sind sie jede Woche zusammengekommen: Basler Jugendliche und minderjährige Asylsuchende des Wohnheims für unbegleitete minderjährige Asylsuchende (Wuma). Sie improvisierten, spielten zusammen «Theater-Games», wie Theaterpädagoge Patrick Oes dies nennt, und schafften es so gemeinsam, Sprachgrenzen zu überwinden.

«Ich wollte mit diesem Theaterkurs Leute zusammenbringen, die sich sonst nie getroffen hätten», sagt Oes. Das sei das zentrale Anliegen seines Projekts. Die Inszenierung, die am Treffpunkt entstand, ist diese Woche am Jungendtheatertreffen «Spiilplätz» zu sehen. 

Das Stück «A meeting point», das die Gruppe gemeinsam erarbeitet hat, führt Schauspieler wie Zuschauer per Raumschiff in eine nahe Zukunft, verrät Oes. Dort begegnen sich alle in einer Art Utopie. Die Themen Flucht und Migration würden im Stück nicht behandelt, vielmehr fühle sich dieses «sehr nach Zukunft an, nach Jungsein hier in Basel, im gemeinsamen Lebensraum aller Kursteilnehmer».

Es gibt kein «bestes Theater»

Begegnungen und Auseinandersetzungen zwischen Menschen und Bühnen – das ist laut Theaterpädagoge Uwe Heinrich vom Jungen Theater Basel der Kern der Sache beim Theatertreffen «Spiilplätz». Dieses beginnt am Mittwochabend in Basel und zeigt während vier Tagen zwölf Deutschschweizer Inszenierungen mit ihren jugendlichen Darstellern.

Die jungen Theaterbegeisterten sollen dabei merken, dass es Gleichgesinnte gibt, die auch Lust auf Bühne und Spielen haben. Und einen Ort haben, um sich kennen zu lernen. Deshalb heisse die Veranstaltung auch explizit «Treffen» und nicht Festival, so Heinrich. Worum es nicht geht, ist Leistung: «Jeder macht einfach das beste Theater, das er kann. Und alle hoffen, dass die andern das eigene Stück genauso cool finden.»

Kein Festival mit Siegertreppchen also, sondern Theaterspielen mit Resonanz. Diese kommt von den anderen Ensembles und ist ebenso Bestandteil des Treffens wie die Aufführungen.

Der Austausch über die Darbietungen findet in Gesprächsrunden statt, an denen alle Ensembles teilnehmen. Tagsüber finden für alle Teilnehmenden Theater-Workshops statt, abends werden die mitgebrachten Inszenierungen gezeigt – auch für das öffentliche Publikum.

Ich und die Anderen

Uwe Heinrich ist seit vielen Jahren Leiter des Jungen Theaters Basel. Haben sich die Themen der Jugendlichen in den vergangenen 15 Jahren eigentlich verändert? Heftiges Kopfschütteln: «Die Selbstfindung ist und bleibt das grosse Thema der jungen Menschen», sagt er.

Den Fragen, die damit einhergehen, gebe das Theaterspielen und das Treffen einen Rahmen, in dem auch mal eine neue Rollen ausprobiert, eine Grenzerfahrung gemacht werden könne. «Da kommt etwa eine junge Frau aus gutem, gebildetem Elternhaus nach der Probe zu mir und gesteht, dass sie noch nie so übel rumgeflucht hat wie in ihrer Rolle», erzählt Heinrich. Den üblichen Rahmen habe so jemand überschritten – «aber: es ist ja immer noch Theater.»

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Die zwölf Inszenierungen werden von Mittwoch, 8. Juni, bis Samstag, 11. Juni, auf diversen Basler Bühnen gezeigt. Das ganze Programm finden Sie hier.

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