Bye bye, Adam!

Man hatte lange Zeit, sich auf diesen Abschied einzustellen: Fast ein Jahr, nachdem er zum künstlerischen Direktor der documenta berufen wurde, wurde Adam Szymczyk gestern Abend in der Kunsthalle offiziell verabschiedet.

Es ist soweit: Adam Szymczyk sagt Basel auf Wiedersehen. (Bild: © Nils Klinger)

Man hatte lange Zeit, sich auf diesen Abschied einzustellen: Fast ein Jahr, nachdem er zum künstlerischen Direktor der documenta berufen wurde, wurde Adam Szymczyk in der Kunsthalle offiziell verabschiedet.

Er war ein relativ unbeschriebenes Blatt, als er seinen Posten als Direktor der Basler Kunsthalle antrat. Elf Jahre später steht Adam Szymczyk auf Platz 21 der Liste der wichtigsten Personen der Kunstwelt. Eine Platzierung, die er seinem neuen Job als künstlerischer Direktor der documenta verdankt, ja – aber auch eine Platzierung, die er sich während seiner Amtszeit in Basel erarbeitet hat.

Adam Szymczyk hat in Basel vor allem etwas gelernt: Ausdauer. Auszuharren, auch wenn man auf der Beliebtheitsskala nicht gerade zuoberst steht. Doch er hat durchgezogen, wofür er angetreten war, und der Kunsthalle seine Handschrift aufgedrückt.

Manche legten ihm das als Sturheit aus. Doch eigentlich war es nur konsequent. Und doch dürfte es in Basel niemanden überrascht haben, dass der Pole es auch in Kassel bereits geschafft hat, Unmut auf sich zu ziehen: Indem er kurzerhand verkündete, «seine» documenta werde auch in Athen stattfinden. Nein, er scheut ihn nicht, den Konflikt.

Herausfordernde Kunst

Vielleicht haben manche ihn auch unterschätzt. Den grossen, schlaksigen Mann mit den blonden Haaren, der den Blick meist leicht gesenkt hielt, wenn man mit ihm sprach. Der gerne lächelte, den man aber kaum je laut lachen hörte. Der auch die Abschiedsgrüsse und Laudatien, die am Donnerstagabend auf ihn einprasselten, fast ohne Regung entgegennahm. Er wirkte dadurch scheu und wenig zugänglich – ein bisschen wie die Ausstellungen, die er kuratierte.

Wie beurteilt die Basler Kunstszene die Ära Szymczyk? Wir haben ein paar ausgewählte Exponenten gefragt. Ihre Antworten lesen Sie hier:
«Stimmen zu Szymczyks Abschied»

Es war ein intellektuelles Programm, das Szymczyk in der Kunsthalle prägte. Weg von der Malerei, die sein Vorgänger Peter Pakesch so liebte. Hin zu Leere, zu Reduktion, zu installativen Arbeiten, zu Interventionen. Wenige der internationalen Künstler, die er präsentierte, kannte man vorher schon am Rheinknie. Seine Ausstellungen waren immer eine Herausforderung, auch für Kunstgewohnte. Aber eine Herausforderung, die man gerne annahm: Er öffnete den Blick auf eine Kunst, die aktuell war, politisch oft und gesellschaftlich relevant.

Nicht selten musste er sich den Vorwurf anhören, zu wenig für die lokalen Kunstschaffenden zu tun. So lange, bis er den Vorwurf nicht mehr hören konnte und auch mal ausrief, wenn es danach verlangte. Und seine Kritiker Lügen strafte mit der Neukonzeptionierung der Regionale-Ausstellungen in seinem Haus oder dem Einbezug der Hochschule für Gestaltung und Kunst und des Kunstkredits ins Jahresprogramm.

Stetes Hinterfragen

Er regte – auch dadurch – dazu an, sich Gedanken zu machen über die Institution, der er vorstand. Fragen, die man nie abschliessend beantworten kann und auch nicht sollte. Weil die Kunstinstitution wie auch die Kunst selber dem steten Hinterfragen, der steten Veränderung unterstellt sein muss, um aktuell zu bleiben.

Auf die Kunsthalle Basel kommt nun eine Veränderung zu, nach einer längeren Phase der Konstanz. Am 1. November tritt Elena Filipovic die Nachfolge Adam Szymczyks an. Eine Amerikanerin, die kein Blatt vor den Mund nimmt, wie sie schon bei ihrer Vorstellung im Frühling deutlich machte. Die ebenso klare Vorstellungen hat, was sie hier in Basel vollbringen will, wie man hört.

Eine erste Veränderung in der Struktur hat sie bereits vorgenommen: Sie hat sich Renate Wagner, die sie von ihrer Tätigkeit bei der 5. Berlin Biennale her kennt, als Exhibition Manager an die Seite geholt. Keine Kuratorin im eigentlichen Sinne. Da mit Szymczyk auch Kurator Fabian Schöneich geht (an den Portikus in Frankfurt) und Ruth Kissling im Mutterschaftsurlaub weilt, wird sich Filipovic als alleinige Kuratorin verantwortlich fürs Programm zeigen. Wie ihre Handschrift aussieht, werden wir bald sehen.

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Philippe Bischof, Leiter Abteilung Kultur Basel-Stadt, hielt die offizielle Laudatio auf Adam Szymczyk. Die Rede im Wortlaut gibt es auf artinside.ch nachzulesen.

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