Der älteste Basler Fussballfilm – die Städte-Auswahl 1921 in Berlin

Neben den Clubs und dem Nationalteam gab es lange Zeit eine weitere Einheit: die Stadtauswahl. Jene aus Basel tritt 1921 in Berlin an. Von diesem Spiel existieren spektakuläre Filmaufnahmen. Es ist der vermutlich älteste Basler Fussballfilm.

Die Spielführer der Basler (weiss) und der Berliner Städteauswahl. Links Ernst Kaltenbacher, einer der Basler Fussballpioniere, rechts der Berliner Karl Tewes. (Bild: Archiv Sportmuseum Schweiz)

Neben den Clubs und dem Nationalteam gab es lange Zeit eine weitere Einheit: die Stadtauswahl. Jene aus Basel tritt 1921 in Berlin an. Von diesem Spiel existieren spektakuläre Filmaufnahmen. Es ist der vermutlich älteste Basler Fussballfilm.

Europa erholt sich noch von den Schrecken des 1. Weltkriegs, als sich 1921 eine Auswahl der besten Basler Fussballer auf den Weg nach Berlin macht. Solche Reisen sind aufwändig, Europa erholt sich noch vom grossen Krieg, die Aviatik boomt. Die Basler aber unternehmen eine 19-stündige Zugreise in die deutsche Hauptstadt.

Die Stadtauswahl als Einheit zwischen Clubs und Nationalteam hat im Fussball eine lange Tradition. Die Basler setzt sich jeweils vor allem aus FCB-Spielern zusammen, ergänzt durch Spieler der anderen Traditionsvereine: Old Boys, Nordstern, Concordia.

Die Fotoreporter im Strafraum

Der Stummfilm befindet sich in jener Zeit bereits in seiner Hochphase, in Deutschland wird das heimische Filmschaffen gefördert, die Gründung des Filmunternehmens UFA nahe Berlin soll Hollywood die Stirn bieten.

Fussballgeschichten aus der Region

Zum 75. Geburtstag des Fussballverbandes Nordwestschweiz kommt es zu einer ­Kooperation mit der Tages­Woche. Das Ziel: Online entsteht eine interaktive Geschichte des Fussballs in der Region, auf der die wichtigsten Ereignisse des regionalen Fussballs, Anekdoten und Erinnerungen auf einer Zeitleiste dargestellt werden. ­

Die Ankunft der Basler Fussballer am Bahnhof wird filmisch dokumentiert. Der Stummfilm vermittelt seinem Publikum die Informationen in schriftlichen Einblendungen. Und behauptet am Ende des rund achtminütigen Films zum Städtespiel, die Abreise der Basler Mannschaft zu zeigen. Ein früher Special-Effect. Denn offensichtlich handelt es sich um die exakt gleiche Szene, die zu Beginn als Ankunft der Basler Mannschaft gezeigt wird.

Das Spiel im Grunewaldstadion wird neben den Filmenden von einer beachtlichen Reportermeute verfolgt. Die Fotografen schrecken nicht davor zurück, auch während des laufenden Spiels das Feld zu betreten, um möglichst gute Bilder schiessen zu können.

Kino mit Pfupf

Noch am Tag der Anreise betreten die Stadt-Basler das Grunewald-Stadion in Berlin, um vor über 35’000 Zuschauern gegen die Auswahl der Gastgeberstadt anzutreten. Auf der Filmtafel heisst es «Fussball-Städte-Wettkampf Berlin-Basel im Stadion ab 24. April 1921» (sic!). Das Spiel endet 3:3 unentschieden.

Der Basler Captain Dr. Ernst «Pfupf» Kaltenbach erwischt «einen Glanztag und ist der beste Mann Basels. In unerwartet brillanter Form ist die Stürmerreihe, die ein rasches, energisches Zusammenspiel zeigt» und drei Tore erzielt.



Vor dem Anpfiff: Der Basler Captain Ernst Kaltenbacher (l.), einer der Basler Fussballpioniere, rechts der Berliner Spielführer Karl Tewes.

Vor dem Anpfiff: Der Basler Captain Ernst Kaltenbacher (l.), einer der Basler Fussballpioniere, rechts der Berliner Spielführer Karl Tewes. (Bild: Archiv Sportmuseum Schweiz)

Zu Hause in Basel ist Kaltenbach Lehrer, für die Schweiz macht er bis 1922 13 Länderspiele und schreibt später als Fussballjournalist unter anderem für den «Kicker». Die Reisestrapazen scheinen aber ihre Spuren zu hinterlassen: Der FCB und «Pupf» Kaltenbach steigen 1921 fast aus der höchsten Spielklasse ab.

Berufungen in die Stadtauswahl sind eine Ehre. FCB-Legende Kurt Thalmann verteilt heute noch Erinnerungskarten vom Städtespiel 1953 gegen London. Auf dem Bild schüttelt der junge Flügelspieler Thalmann («Sehe ich nicht aus wie Valentin Stocker?») sichtlich stolz die Hand eines britischen Adligen.



Eine Erinnerungskarte von Kurt Thalmann an ein Spiel der Basler Städteauswahl 1953 gegen London. Auf dem Bild schüttelt Thalmann die Hand eines englischen Adligen.

Eine Erinnerungskarte von Kurt Thalmann an ein Spiel der Basler Städteauswahl 1953 gegen London. Auf dem Bild schüttelt Thalmann die Hand eines englischen Adligen. (Bild: Privatbesitz Thilo Mangold)

Konversation

  1. Das erinnert mich an die 4.-Liga-Spiele in den Siebzigerjahren auf den alten Sportanlagen St. Jakob.

    Die Felder nicht ganz so gut, die Torpfosten viereckig, die Netze im Goal aus Drahtgeflecht.

    Angeschliffene Rugby-Stollen, keine Schienbeinschoner, Blutgrätschen von hinten, Ellbogenduelle, und die Schiedsrichter waren dazu da, um die Tore zu pfeifen. Ein richtiger Männersport eben.

    Auf der Behind-Linie standen die Alten und wollten sehen, wie es die Jungen machen.

    Die Zuschauermassen haben wir uns gedacht, und manchmal haben die Alten sogar geklatscht.

    Tempi passati.

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  2. Wenn es sich um Tonaufnahmen handelte, müsste man vermuten dass da eine 33-RPM-LP auf 45 RPM abgespielt wird. Gibt es vielleicht irgendwo eine Version dieser Aufnahmen, die in ‚Echtzeit‘ abgespielt wird? Bei diesem wuseligen Herumgehüpfe von Spielern und Ball sieht man ja vor lauter Dynamik die Spielzüge nicht…

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