Der Greenpeace Slam

Ist Poetry Slam noch so frei wie in seinen Anfängen? Darüber lässt sich streiten. Am besten hört man sich die vielversprechenden Slammer selber an, die am «Battle for Nature» antreten, das am 28. Februar im SUD stattfindet.

(Bild: Stefanie Lamm)

Ist Poetry Slam noch so frei wie in seinen Anfängen? Darüber lässt sich streiten. Am besten hört man sich die vielversprechenden Slammer selber an, die am «Battle for Nature» antreten, das am 28. Februar im SUD stattfindet.

Vor einem Vierteljahrhundert entstand in Chicago die Slam Poetry. Man erzählt von rauchigen Kellern und von Leuten, die aus der Lyrik kommen und beginnen, ihre Texte in Performances vorzutragen. Die Grenze zwischen Literatur und Show verfliesst, nach einer Weile kommt der Wettbewerb hinzu, in welchem Slammer gegeneinander antreten und um die nächste Runde kämpfen. Der Mythos lebt!

Hört man hingegen auf Boris Preckwitz, Schriftsteller und Poetryslammer der ersten Stunde im deutschsprachigen Raum, ist man geneigt, von den guten alten Zeiten sprechen. Vielleicht verklärt Preckwitz sie auch? In einem monumentalen Artikel beschreibt er die früheren Phasen des Poetry Slams als Kunstform, während er heutzutage zu Kommerz und Comedy verkommen sei. «Der Gemeinschaftssinn der Ausrichter und Autoren ist zwar beeindruckend, aber über die Jahre verflachte die kollektive Geschmacksbildung, indem sie sich eine konventionelle Sprachkleinkunst zum Vorbild nahm,» sagt der Autor mit scharfen Tönen. Ist Poetry Slam heutzutage ein Ort, um in klischierten Formen ein Publikum zu erheitern, das so breit ist, dass es über alles lacht, was eingängig ist?

Keine Comedy

Der Poetry Slam, der am 28.2. im SUD stattfindet, wird von Greenpeace anlässlich der Naturmesse veranstaltet: Die Soundanlage wird aus Solarstrom gespeist (gute Sache), Drinks gibts an der «Atombar» und desweiteren soll man sich überraschen lassen. Und dazu gibts eben einen Poetry Slam zu ökologischen Themen – das klingt nach Wasser auf Preckwitz’ Mühlen.

Volker Strübing, der für den Abend im SUD ganz oben auf dem Line-up steht, hat dazu allerdings keine Bedenken. Die Veranstalter hätten das Thema vorgegeben, aber keine Haltung, die dazu einzunehmen wäre. «Ich habe zum Beispiel Texte zu Bioprodukten. Die sind aber nicht gerade auf der Linie von Greenpeace,» sagt er im Gespräch mit der TagesWoche. Das kann bestätigen, wer es sich anhört. Genervt vom Biohype, beschliesst Strübing in seinem Text, sich nur noch von Fleisch zu ernähern, das aus Massentierhaltung stammt. Preckwitz stempelt diese Art der Ironie zwar als ein Klischee der heutigen Slampoetry, worin sie sich ausserdem erschöpfe. Doch selbst wenn man dem recht geben will: Volker Strübing ist schon virtuos darin, sich zu Trends, Beziehungsgesprächen oder Zugreisen zu äussern. Und meistens eine Pointe voraus. «Es hilft», sagt er, «nicht verrückt zu werden, wenn man ab und zu über den ganzen Krempel lacht.»

Wer es etwas abstrakter mag, kann sich ausserdem auf Ivo Engeler freuen, der ebenfalls im gutbesetzten Line-Up steht. Das ist mal sicher, Comedyhumor wird man von Engeler nicht hören. Und Greenpeacewerbung schon gar nicht.

 

  • «Battle for Nature», Poetry Slam und Party, 28.2., Türöffnung 20 Uhr, SUD.

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