Die beiden Basel zeichnen «gute Bauten» aus: Gewinner sind Herzog & de Meuron und Basel-Stadt

Vom Garten bis zum Industriehochhaus: Die beiden Basel haben 35 Bauvorhaben mit dem Prädikat «gute Bauten» ausgezeichnet.

Die Baudirektoren Sabine Pegoraro (BL) und Hans-Peter Wessels (BS) bei der Preisübergabe.

Der Lichthof des Basler Bau- und Verkehrsdepartements war zum Bersten voll, als die beiden Basler Regierungen die «Auszeichnungen Guter Bauten 2018» verliehen. Kein Wunder, denn bei dieser alle fünf Jahre anberaumten Prämierung gab es 35 Preisträger – jeweils im Doppel, denn neben den Architekten werden auch die Bauherren gewürdigt. Eingereicht worden waren 185 Bauten.

Um genau zu sein, handelt es sich nicht um 35 Preisträger, sondern um 35 ausgezeichnete Bauvorhaben. Denn in der Region hinterlassen gewisse Bauherren und Architekten zahlreiche Spuren. Ein Mitglied der unabhängigen Fachjury beschreibt es als «etwas schade, aber offenbar nicht zu vermeiden, dass die ‹üblichen Verdächtigen›, also die bekannten Meister ihres Faches, die Auszeichnungen dominieren».

Herzog & de Meuron räumen ab

Und wer in Basel von den «bekannten Meistern ihres Faches» spricht, kommt natürlich rasch auf Herzog & de Meuron. Das Grossbüro konnte gleich fünf Auszeichnungen einheimsen – für höchst unterschiedliche Bauten oder Anlagen. Die beiden namensgebenden Meister waren übrigens nicht anwesend.

Die Villa Hammer von Herzog & de Meuron und Sauter von Moos.

Überraschenderweise befindet sich der höchste Bau der Schweiz, der Roche-Turm, nicht unter den prämierten Werken. Dafür das Hochhaus «Asklepios 8» auf dem Campus der Roche-Konkurrenz Novartis. Weiter dürfen sich das Ricola Kräuterzentrum in Laufen, das Helsinki-Dreispitz-Wohnhaus, das Naturbad Riehen und die Villa Hammer an der Hammerstrasse mit der Plakette «Gute Bauten» schmücken.

Die Villa Hammer darf mit Fug und Recht als aussergewöhnlicher Bau bezeichnet werden. Denn Herzog & de Meuron haben in Zusammenarbeit mit Sauter von Moos ein beinahe schwebendes Haus aus Holz entworfen, das Elemente der benachbarten alten klassizistischen Villa Hammer aufnimmt. Es ist ein Bau, der herausragt aus der langen Liste der ausgezeichneten Projekte, die teils etwas uniform wirken.

Basel-Stadt zeichnete sich sieben Mal selber aus

Mit fünf Auszeichnungen liegen Herzog & de Meuron allerdings nicht an der Spitze der Preissammler-Rangliste. Den ersten Rang nimmt der Kanton Basel-Stadt beziehungsweise Immobilien Basel-Stadt mit insgesamt acht Auszeichnungen als Bauherr ein. Darunter befindet sich, wenig überraschend, der Erweiterungsbau des Kunstmuseums von Christ & Gantenbein, das Primarschulhaus Erlenmatt von Luca Selva und, etwas überraschender, der Klybeckquai von Fontana Landschaftsarchitektur.

Jazz-Campus an der Utengasse.

Luca Selva und Fontana Landschaftsarchitektur gehören ebenfalls zu den mehrfach Ausgezeichneten. Wie auch die Stiftung Habitat, die drei Auszeichnungen entgegennehmen konnte: nicht überraschend für den Jazz Campus, für den neuen Stiftungssitz und für den Pilotbau Baustein 1 auf dem stiftungseigenen Areal Erlenmatt Ost.

Weil der Kanton Basel-Stadt so viele Auszeichnungen erhielt und Jurypräsident Andreas Ruby nicht anwesend sein konnte, kam es zur etwas seltsamen Situation, dass Baudirektor Hans-Peter Wessels im eigenen Haus wieder und wieder die eigenen Leute auszeichnen musste (oder durfte).

Seine Baselbieter Amtskollegin Sabine Pegoraro wurde nicht so oft in diese peinliche Situation gebracht. Denn der Kanton Basel-Landschaft muss sich als Bauherr des FHNW-Campus in Muttenz mit nur einer Auszeichnung zufriedengeben.

Auszeichnung Guter Bauten 2018. Ausstellung auf dem kleinen Theaterplatz in Basel und vor dem Regierungsgebäude in Liestal. Bis 12. November 2018.

Konversation

  1. Der Dachlattenpavillon der alten Universität ist ja direkt eine Nachbauidee für den nächsten Frühling im Garten. Wann den wohl Ikea oder Obi als Bausatz anbietet?

    Das Hochhaus im Neglige der Novartis dürfte einen ordentlichen Wiederverkaufswert behalten für später……

    Bei manchen der Häuser hat man allerdings den Eindruck, dass die früher vom EMD gebaut wurden als „falsche Chalets“, dh.als gut getarnte Verteidigungsbunker, – oder zumindest solche „Chalets“ als Vorlage dienten.

    Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins scheint den Schweizern irgendwie nie in die Wiege gelegt worden zu sein.
    Daher wäre wohl ein Eifelturm in der Schweiz unmöglich.

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  2. Na ja, über die Erweiterung der Villa Hammer kann man sich sicher streiten! Die historisierenden Elemente über dem Fenster im ersten Stock sind echt gewöhnungsbedürftig! Zudem ist die „Urheberschaft“ ein bisschen komisch: ist es HdM oder Sauter von Moos?

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