Die Lobby der Kreativen tourt durchs Kleinbasel

Grafiker, Architekten, Autoren, Designer und andere Kreative haben im Januar kreaB, den Verband der Kreativwirtschaft Basel, gegründet. An diesem Donnerstag lädt er zu einem Abend der offenen Ateliers.

Grafiker, Architekten, Autoren, Designer und andere Kreative haben im Januar kreaB, den Verband der Kreativwirtschaft Basel, gegründet. An diesem Donnerstag lädt er zu einem Abend der offenen Ateliers.

Wer heute gegen Abend von der Bärenfelser- zur Mörsbergerstrasse spaziert, sollte sich nicht wundern, wenn plötzlich ein paar Lastenvelos mit Musikern und Instrumenten auf der Ladefläche vorbeifahren. Die Musiker werden von Atelier zu Atelier transportiert, um für musikalische Unterhaltung zu sorgen. 15 Kreativwirtschaftler öffnen ihre Türen und laden zu Speis und Trank.  

Hinter dieser sogenannten «Tour de Création» steckt kreaB, der Verband der Kreativwirtschaft Basel. Grafiker, Designer, Architekten, Autoren und andere Kreativ-Schaffende haben sich im Januar 2016 zusammengeschlossen mit dem Ziel, als branchenübergreifende Interessenvertretung die Kreativwirtschaft in Basel zu stärken. 

Theoretisch, theoretisch

Das lautet auf der eigenen Website dann so: «Wir vernetzen aktiv die Teilmärkte der Kreativwirtschaft Basel.» Oder: «Wir vertreten ihre Interessen solidarisch.» Oder: «Wir informieren teilmarktübergreifend.» Oder: «Wir machen kreative Leistung sichtbar.»

Das klingt ziemlich theoretisch. «Wir stecken auch erst in unseren Anfängen», sagt Elias Schäfer, Vorstandsmitglied und Geschäftsführer der Fluxdock AG, fast schon entschuldigend. Erreichen wollen sie ihre Ziele längerfristig durch Branchenevents, Netzwerkanlässe und aktive Kontaktpflege.

Auch das klingt theoretisch. Aber Schäfer sagt eben auch: «Während der letzten Monate haben wir mit vielen Wirtschafts- und Branchenvertretern Kaffee getrunken.» Erste Kontakte sind also bereits geknüpft, und es gibt noch eine Reihe weiterer Ideen, wie sie die Wahrnehmung und Wertschätzung der Kreativwirtschaft verbessern könnten.

Kontakte zur Wirtschaft schaffen

Eine davon ist die heutige «Tour de Création», mit welcher der Verband nun ein erstes Mal an die Öffentlichkeit tritt. In Zukunft sollen die Ateliers zwei Mal jährlich ihre Türen öffnen. Dadurch erhoffen sich die Kreativwirtschaftler mehr Aufträge. So sagt Susanne Hartmann, Vorstandsmitglied und Geschäftsführerin von Suan Conceptual Design: «Wir möchten zum Beispiel, dass die hier ansässigen Firmen mit lokalen Innenarchitekten, Gamedesignern oder Grafikern zusammenarbeiten.» 

Ein weiteres Ziel ist, dass die Öffentlichkeit die Kreativwirtschaft als «wichtigen Wirtschaftszweig» wahrnimmt. «Schweizweit gibt es über 70’000 Unternehmen und mehr als 250’000 Beschäftigte in der Kreativwirtschaft», sagt Hartmann und verweist auf eine aktuelle Erhebung von Christoph Weckerle, Professor an der Zürcher Hochschule der Künste. Gemäss der Studie erzielten die Kreativwirtschaftler im Jahr 2013 22 Milliarden Franken Wertschöpfung, das sind 4 Prozent der Gesamtwertschöpfung im Land. 

Einzelkämpfer erreichen weniger

Weshalb braucht es dann einen branchenübergreifenden Verband? Fast die Hälfte der Kreativwirtschaftler sei Einzelkämpfer, sagt Hartmann. «Um etwas zu erreichen, müssen wir uns zusammenschliessen.» Etwa, indem Mitglieder einander unterstützen und Berufsanfängern den Einstieg erleichtern.

Bislang wurde kreaB von der Christoph Merian Stiftung mit 30’000 Franken unterstützt. Laut Sprecher Toni Schürmann ist Basel ein attraktiver Ort für die Kreativwirtschaft, allerdings fehle es den Akteuren an Vernetzung, Sichtbarkeit und Förderung. Der Verein kreaB will diese Lobbying-Lücke schliessen. 

Artikelgeschichte

In der ersten Fassung fehlten die Zahlen zur Wertschöpfung der Kreativwirtschaft.

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