Die Musikauswahl wirft Fragen auf

Altbekannte Namen und Bands, bei denen man sich fragt: Die gibts noch? Floss-Kapitän Tino Krattiger jedenfalls ist überzeugt vom diesjährigen Programm seines Festivals am Rheinbord.

Das Programm des Festivals «Im Fluss» gibt zu reden. Hoffentlich auch während des Festivals.

Die 19. Ausgabe des Festivals «Im Fluss» wirft im Vorfeld keine grossen Wellen: Die Geldsorgen löste ein neuer Hauptsponsor und Hochwasser ist auch keines in Sicht. Darum kann man also die wichtigste Nebensache von Basels längstem Sommerabendfest besprechen: die Musik.

Dabei werfen die grössten Namen Fragen auf:

2raumwohnung – gibt es die noch?

Ja, die Eröffnungsband des 19. Floss-Jahrganges existiert sogar gleich lang wie das Floss und pflegt ihren wohltemperierten Stil mit smoothen Synthie-Sounds und dem süffigem Säusel-Gesang unbeirrt weiter. Letztes Jahr hat das Deutsch-Pop-Duo mit «Nacht und Tag» sogar ein neues Album herausgebracht. Die Beats sind etwas moderner geworden. Von den Vorgängern unterscheidet es sich aber vor allem, weil es das erste Doppelalbum von Inga Humpe und Tommi Eckart ist.

Anstelle des neusten Schlagers hier ihr grösster Hit, weil er thematisch einfach bestens zu Sommerabenden am Rheinbord passt.

The Blues Brothers – DIE leben noch?

Von den Band-Brüdern am Mikrofon starb John Belushi bereits 1982, relativ kurz nach Erscheinen des Kult-Filmes. Leider folgen ihm immer mehr Mitglieder der ursprünglichen Band. Erst vor einem Monat starb Matt «Guitar» Murphy. Doch mit Weltklasse Gitarrist Steve «The Colonel» Cropper und Saxofonist Lou «Blue Lou» Marini geben noch zwei Original-Mitglieder den Ton an, die bereits vor und auch abseits der Kult-Band die Musikgeschichte mitprägten.

Letztes Jahr haben sie mit «The Last Shade Of Blue Before Black» sogar ein neues Album veröffentlicht. Mit vielen Klassikern und ein paar neuen Songs. Mit dieser Mischung werden sie am Floss sichere Unterhaltung bieten. Und am Ufer darf man auch nach Sonnenuntergang dunkle Gläser tragen. Weiteres zu den neuen Musikern und viel Geschichte zu der Band hier:

Stiller Has – waren die nicht schon mal hier?

Doch, doch, öfter als jede andere Band. Aber eine Naturgewalt wie Endo Anaconda ist jedesmal ein eindrückliches Spektakel, und die neue Band vom letzten Album «Endosaurusrex» stand auch noch nicht auf dem Rhein. Mit etwas mehr Schmus denn Blues, aber gewohnt grantig und kantig – so wie man den Endo mag.

War es das schon an grossen Namen?

Ja. Naturally 7 sind mit ihrer Unterhaltungsshow über die A-cappella-Szene hinaus bekannt, Fischer-Z geniessen in der New-Wave-Szene Kultstatus und das 20-Jahre-Jubiläum von Dada Ante Portas wurde in Luzern wohl gefeiert wie hier 25 Jahre Lovebugs. Aber wirklich zwingend oder kribbelnd …?

«Diese Analyse teile ich überhaupt nicht», wehrt sich Kapitän Tino Krattiger. Auch habe er seinem Booker Gaetano Florio nach dem gelungenen Einstand letztes Jahr das Band-Budget heuer nicht gekürzt. «Das Gagenbudget ist mit rund 120’000 Franken plus 20’000 Nebenkosten auf derselben Höhe wie letztes Jahr.»

«Die Sponsoren wollen Wachstum. Doch noch grösser zu werden, würde das Festival grundsätzlich gefährden.»

Tino Krattiger, «Im Fluss»-Kapitän

Die derzeitige Qualität der Bands sei gerade richtig. «Zu viele grosse Namen bringen ein Festival in eine ökonomische Abhängigkeit von Sponsoren: einmal grosse Namen, immer grosse Namen.»

Lieber vertraut Krattiger auf die Unterstützung der Swisslos-Fonds beider Basel. Die Kantone verknüpften ihre gemeinsam beigesteuerten 160’000 Franken mit der Auflage, mindestens drei lokale Bands auf das Floss zu bringen. Vier sind es geworden: Pink Pedrazzi, Anna Aaron, James Gruntz und Roli Frei – alle haben auch schon das Rheinbord beglückt.

«Festivals für Nachwuchsbands gibt es in Basel schon genug», beantwortet Krattiger die Frage: Warum wieder diese vier? Eine überzeugende Antwort liefert Anna Aarons neuster Song:

Krattiger glaubt jedenfalls, sein Festival habe die passende Mischung gefunden: «Die Sponsoren wollen Wachstum. Doch noch grösser zu werden, würde das Festival grundsätzlich gefährden.»

Darum spricht er lieber davon, in Bewegung zu bleiben. Und dass es kaum ein zweites Festival gibt, das mit 500’000 Franken Budget 50’000 Besucher beglückt. Würde jede und jeder, der sich während der Konzerte am Ufer tummelt, zehn Franken in das Sammelnetz werfen …

Aber gut, es soll um die Musik am Floss gehen. Hoffentlich auch bei den Gesprächen am Rheinbord oberhalb der Mittleren Brücke, wenn sich tout Bâle hier ab dem 23. Juli zum Feierabendbier trifft.

«Im Fluss»: Oberhalb der Mittleren Brücke, 23. Juli bis 11. August.

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