Die Villa Renata ändert ihr Ausstellungskonzept

In der Villa Renata können Kunstschaffende seit 2012 selber Ausstellungen einrichten. Nun hat das Kunstfieber auch die Besitzerin der Villa, die sich bislang im Hintergrund hielt, gepackt – ab 2016 will sie selber auch kuratierend eingreifen.

Die Räume der Villa Renata sind nicht immer einfach zu bespielen – hier der Blick auf ein Werk von Katharina Anna Wieser.

(Bild: Karen N. Gerig / ©)

In der Villa Renata können Kunstschaffende seit 2012 selber Ausstellungen einrichten. Nun hat das Kunstfieber auch die Besitzerin der Villa, die sich bislang im Hintergrund hielt, gepackt – ab 2016 will sie selber auch kuratierend eingreifen.

Seit dem Herbst 2011 existiert an der Basler Socinstrasse ein Kunstraum. Fast ein ganzes Haus, um genau zu sein, eine Villa gar. Villa Renata heisst das Haus, und seine Besitzerin Franziska Stern. Eine Zeitlang noch hing neben der Tür ein Schild, das auf die früheren Nutzer der Villa wies: «F. Preisig Bauingenieure und Planer» stand darauf zu lesen. 2010 war die Firma von Franziska Sterns Vater jedoch aus ihrer Basler Filiale ausgezogen und die neue Besitzerin wurde vor die Frage gestellt, was mit der Villa geschehen soll.

Franziska Stern fragte eine befreundete Künstlerin an, ob sie eine Ausstellung realisieren wolle, darauf folgte die nächste, dann eine weitere – und es sprach sich in der Basler Kunstszene rum, dass man in der schönen Villa mit den nicht so ganz einfach zu bespielenden Räumen selber Ausstellungen kreieren durfte. Von A bis Z. Besitzerin Stern fungierte dabei nur als Gastgeberin.

Der Wunsch, es selber zu versuchen

Vier Jahre später nun denkt sie darüber nach, dieses Konzept ein wenig abzuändern. Auch wenn sie weiss, dass die Künstler das schätzen, dass ihnen keiner reinredet und ihnen komplett freie Hand gelassen wird. Doch Franziska Stern ist neugierig geworden. Beziehungsweise sie war es vorher schon, und weil sie immer nachschaute und nachfragte, wenn Ausstellungen eingerichtet wurden, kam irgendwann der Wunsch, es auch selber mal zu versuchen und kuratorisch tätig zu werden.

Einfach nur hobbymässig will sie es jedoch nicht tun, weshalb sie sich kurzentschlossen an der Zürcher Hochschule der Künste fürs Postgraduate-Studium Curating eingeschrieben hat. Ende 2016 wird ihre Ausbildung beendet sein, und bis dahin soll an der Socinstrasse noch alles so verlaufen wie bisher – meistens jedenfalls.

Die Pflicht der Bewilligung

Die stärkere Beschäftigung mit der Villa Renata hat für Franziska Stern aber auch andere Hintergründe. Im Herbst 2012 nämlich wurde sie vom Kanton dazu aufgefordert, den Antrag für eine Bewilligung zu platzieren. Zwar hatte die Villa zuvor die Firma des Vaters beherbergt – doch lange vor deren Auszug war die Socinstrasse zum reinen Wohngebiet umgezont worden. Der Kanton stufte nun die Villa Renata als gewerblichen Betrieb ein, einer Galerie gleich.

Es brauchte einige Überzeugungskraft, deutlich zu machen, dass aus dem Kunstraum kein Kapital geschlagen werden soll. Im Gegenteil. Künstlern und Künstlerinnen, die in der Villa Renata ausstellen, werden heute und auch in Zukunft Raum und Infrastruktur kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Ausstellungen werden von der Besitzerin privat mitunterstützt.

Im September 2014 erst war die leidige Sache mit dem Kanton schliesslich geklärt. Auch mithilfe der Unterstützung durch die Kulturabteilung der Stadt Basel, die dem Projekt eine hohe Relevanz für die hiesige Kunstszene attestiert. Eine Brandmeldeanlage musste eingebaut werden, ansonsten durfte die Villa Renata weiterbestehen. Und darf das auch weiter tun.

Das Konzept will Franziska Stern nun auf kuratorischer Seite schleichend anpassen. Sie möchte vermehrt interdisziplinär arbeiten und die Zusammenarbeit mit anderen Kuratoren und Kuratorinnen erweitern. So wird nun zum Beispiel im November auf Initiative des Basler Kollektivs Dr. Kuckucks Labrador eine Gemeinschaftsausstellung aller interessierten Offspaces in Basel an der Socinstrasse stattfinden. Und im kommenden Jahr plant Franziska Stern dann unter anderem ein Projekt mit zwei Masterstudierenden des Londoner Goldsmith College gemeinsam mit Künstlern aus Basel und Zürich. Dazwischen werden wieder einzelne Künstler und Künstlergrüppchen Platz finden.

Die vier Künstlerinnen Wieser, Kühne, Hotz und Schuh

So wie jetzt gerade Katharina Anna Wieser, Sandra Kühne, Katrin Hotz und Karin Schuh. Für die vier Künstlerinnen, die sich von einem Atelieraufenthalt im bündnerischen Nairs kennen, ist es nicht die erste gemeinsame Schau: Zuletzt präsentierten sie ihre Arbeiten vor einem Jahr zusammen in der Kunsthalle Wil.

Für die Künstlerinnen ging es deshalb vor allem auch darum zu sehen, wo sie mit ihren Arbeiten stehen – und wie die neu entstandenen Werke zusammenpassen. Ob sie sich überhaupt noch in eine gemeinsame Ausstellung integrieren lassen. Die unterschiedlich grossen und ausgestalteten Räume der ehemaligen Bürgervilla stellten sich dabei als Herausforderung heraus, und auch als Glück: Denn in der Tat lassen sich nicht alle Werkgruppen vereinen. Die Installation von Sandra Kühne beispielsweise, bei der sich diverse Materialien vom Radiergummi über Papier bis zu Nüssen auf orangen Tischen zu einer Art Ateliersituation gruppieren, ist als alleiniges Werk in einem Raum sehr gut aufgehoben.



Künstlerisches Chaos? Installation von Sandra Kühne.

Künstlerisches Chaos? Installation von Sandra Kühne. (Bild: Karen N. Gerig / ©ProLitteris)

Katharina Anna Wiesers grosse Rauten wiederum brauchen Raum. Drei Stück sind es, eine davon liegt quer im Eingangsbereich und verbindet von Spitze zu Spitze gleich drei Räume miteinander. Und auch Katrin Hotz‘ Kunst kann raumgreifend sein: So behängt sie eine ganze Wand mit knallgrünen Papierbahnen. Es ist ein Spiel mit Farbe und dem Material, das die Künstlerin bemalt, schichtet, auseinanderreisst oder faltet. Und das in diesem Fall den ganzen Raum miteinbezieht durch das Strahlen der Farbe.

Am meisten Verbindungspunkte zwischen den Künstlerinnen schaffen die Arbeiten von Karin Schuh: Kleinformatige Malereien auf Papier finden immer wieder einen Platz in einem Zimmer. Und ein Raum im Obergeschoss gehört ganz ihr. Dort hängen Satinstoffe an der Wand, die sie mit zweifarbiger Aluminiumfolie kombiniert. Und hier ist auch der einzige Ort, an dem die Ausstellung scheitert: Zu unruhig ist dieser Raum, die Arbeiten können sich darin nicht entfalten. Doch auch das ist eine Erfahrung. Eine, die man in der Villa Renata machen kann. Und das wohl noch für längere Zeit.

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Villa Renata, Socinstr. 16, Basel
Ausstellung «Der Brief – Katharina Anna Wieser, Sandra Kühne, Katrin Hotz, Karin Schuh», noch bis 27. September 2015.

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