Diese zwei DJs haben einen Draht zu Tieren

Garçon und Agonis gehören zu einer aufstrebenden DJ-Generation, die beweist, dass die Basler Szene auch von den ganz Grossen im House- und Techno-Business wahrgenommen und respektiert wird. Am Samstag bitten sie mit dem Weimarer Erfolgslabel Giegling zum Tanz.

Agonis (links) und Garçon geniessen weit über die Stadtgrenzen hinaus Respekt in der DJ-Gemeinde. 

(Bild: Nils Fisch)

Normalerweise macht das Weimarer Label Giegling nur in Metropolen Halt. Die Basler DJs Garçon und Agonis holen es für eine Nacht nach Basel. Ein Besuch im Reich der Lieblinge der hiesigen DJ- und Club-Szene: einem umgebauten Stall inklusive Tiere.

Wenn man zum Besuch bei zwei jungen DJs verabredet ist, erwartet man vielleicht einen dunklen Probekeller, etwas verqualmt und vollgestopft mit Platten. Doch um zum Lieblingsaufenthaltsort der Basler DJs und Labelbetreiber Garçon und Agonis zu gelangen, fährt man erst lange mit dem Tram und muss dann noch ein ländliches Dorf durchqueren.

Wo sich ihr Proberaum genau befindet, wollen Garçon und Agonis nicht verraten. Denn es sei ihr privater Rückzugsort – ein Platz, an den nur sie und ihre Freunde hindürfen. Trotzdem laden Agonis und Garçon uns zum Interview in ihr Reich: einen umgebauten Stall. 

Hier planten sie auch für die Party, die am Samstag, 25. März 2017, im «Hinterhof» stattfindet und die sie mitorganisiert haben. Zu Gast ist das deutsche Erfolgslabel Giegling, mit dem die beiden Basler mittlerweile eine echte Freundschaft verbindet.

Die beiden Ziegen geniessen den Besuch der DJs.

Agonis und Garçon gehören zu einer DJ-Generation, die das Auflegen von Platten bereits im jüngsten Teenie-Alter erlernte. Den Weg vom Hobby zur Berufung fanden beide über das Schlagzeug, das sie im frühen Kindesalter lernten. Ab 13 Jahren gab es aber für Agonis nur noch eines: House-Musik.

Für Clubs und das Nachtleben war er damals noch zu jung. «Vor Publikum zu spielen war da kein Thema», sagt Agonis. Das galt auch für Garçon, der über seine ältere Schwester zur elektronischen Musik kam. «Sie hat Mixes von DJs wie Sven Väth oder Ellen Allien gehört. Das hat mir gefallen», sagt der 26-Jährige.

Der noch junge Pfau Esteban ist das Maskottchen des Amenthia-Plattenlabels.

Mit den ersten Gigs in Jugendhäusern und den ersten Gagen wurden die ersten grösseren Plattenkäufe getätigt. Agonis war damals 15. Zehn Jahre später ist seine Sammlung an Vinylscheiben beachtlich gewachsen. «Ein Grossteil meines Wohnzimmers ist mit Platten belegt», sagt Agonis, «aber Garçons Sammlung ist noch viel grösser, die wächst und wächst wie ein Pilz.»

Entsprechend sind auch die Kosten für die Leidenschaft: «Im Monat gebe ich mehr Geld für Musik aus als für meine Wohnungsmiete», bestätigt der gelernte Hair-Stylist Garçon.

Garçon und Agonis sind nicht nur hinter den Plattentellern Komplizen. 

Agonis hat neben dem Auflegen von Platten auch das Produzieren früh erlernt: «Ich habe meine ersten Tracks mit 16 produziert. Wenn man selbst komponiert und produziert, entwickelt man ein anderes Gehör für Musik. Das hilft einem auch als DJ.» Für ihre Inspiration sei es auch wichtig, regelmässig bei anderen DJs genauer hinzuschauen, respektive hinzuhören.

«So habe ich am meisten gelernt», sagt Garçon. Eine seiner grössten DJ-Inspirationen sei der Amerikaner DVS1. Der schaffe es regelmässig, das Publikum auf dem Dancefloor mit seinen Sets und seiner sprühenden Energie in Ekstase zu versetzen. «Die Connection zwischen Tänzer und DJ im Club ist eine enorm wichtige Komponente an einer Party», sagt Garçon.

Amenthia-Recordings pflegt eine ganz eigene Ästhetik. 

Wahrscheinlich ist es gerade auch diese bodenständige Authentizität, die die zwei Basler mit dem Weimarer Label Giegling verbindet, das im Rahmen seiner Welttournee nur in Basel Halt macht. «Wir haben DJ Dustin und Konstantin von Giegling bereits vor ein paar Jahren kennengelernt. Heute stehen wir in regelmässigem Austausch.» Giegling habe ihnen auch beim Aufbau ihres Labels unter die Arme gegriffen. «Aus der Bekanntschaft wurde so etwas wie eine Freundschaft», sagt Garçon.

An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass Giegling zu den momentan erfolgreichsten Labels im elektronischen Musikgeschäft gehört. Wobei es mehr als nur ein Plattenlabel ist. Giegling funktioniert – ähnlich wie Amenthia Recordings wie eine Familie. Aus ehemaligen WG-Bewohnern und Uni-Kommilitonen wurden enge Freunde, die zusammen auflegen (unter dem Kollektiv-Namen Syc), Kunst machen und das Label betreiben.

Tokio, Peking, Los Angeles und Basel – das «ist ziemlich beachtlich».

Mit ihrem familiären und doch ambitiösen Projekt feiern sie heute weltweit Erfolge. So führt ihre momentane Planet-Giegling-Tour in Metropolen wie Tokio, Peking und Los Angeles. Ein Stopp in Basel musste trotz des strengen Zeitplans Platz finden. «Weil es den Giegling-Jungs in all den Jahren immer so gut gefallen hat, war es ihnen wichtig, im Rahmen der Tour hier aufzutreten», sagt Agonis, «das ist ziemlich beachtlich, wenn man bedenkt, dass sie sonst nur Grossstädte auf dem Tourplan haben.»

Dass die Weimarer ihre Basler Kumpels beauftragt haben, den grossen Auftritt hier zu planen und zu organisieren, sehen Agonis und Garçon als Zeichen gegenseitigen Vertrauens. Vielleicht ist es aber auch ein Zeichen dafür, dass Basel eine ernst zu nehmende DJ-Szene besitzt, die auch im Ausland wahrgenommen wird. Eine Szene, die den ganz persönlichen Draht zur internationalen Club- und DJ-Szene pflegt. 

Sicher ist: Sowohl Garçon und Agonis wie auch die Giegling-Jungs wollen gemeinsam eine rauschende Nacht erleben. Zuerst mit einem experimentellen Live-Act-Konzert samt Kunstausstellung in eher intimerem Rahmen im Untergeschoss einer Bank an der Klybeckstrasse 70, danach an einer grossen Party im «Hinterhof».

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Planet Giegling in Basel: Samstag, 25. März 2017, ab 20 Uhr an der Klybeckstrasse 70 und ab 23 Uhr in der Hinterhof Bar mit Konstatin, Dustin, Kettenkarussell, Ateq und anderen.

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