Direktor Georges Delnon geht nach Hamburg

Der Basler Theaterdirektor Georges Delnon wird ab 2015, ein Jahr vor Ablauf seines laufenden Vertrags, neuer Intendant der Hamburgischen Staatsoper. Ende der laufenden Spielzeit wird sich auch der Verwaltungsrat des Theater Basel mehrheitlich neu konstitueren.

Georges Delnon, Direktor des Theaters Basel, geht. (Bild: Keystone)

Fast alles wird neu am Theater Basel: Direktor Georges Delnon wechselt 2015, ein Jahr vor Ablauf seines Vertrags, an die Hamburgischen Staatsoper. Und auf Sommer 2013 hat der Verwaltungsratspräsident des Dreispartenhauses, Martin Batzer, seinen Rücktritt erklärt.

Die Hauptperson glänzte an der kurzfristig anberaumten Medienkonferenz des Theater Basel durch Abwesenheit: Georges Delnon, der auf Ende der Spielzeit 2014/2015 als Intendant an die Hamburgische Staatsoper wechselt, weilte an seiner neuen Spielstätte, die zur selben Zeit zu einer Medienkonferenz geladen hatte. Verwaltungsratspräsident Martin Batzer, der zusammen mit dem baselstädtischen Ressortleiter Kultur, Philippe Bischof, über die Neuerungen Rede und Antwort stand, hatte Verständnis für die Tatsache, dass der künftige Staatsopernintendant für seinen persönlichen Auftritt seinen künftigen Arbeitsort wählte. Von dort aus lässt er sich in einer Medienmitteilung des Hamburger Senats mit folgenden Worten zitieren: «Hamburg ist für mich eine schöne und grosse Herausforderung. Es ist eine vitale, ungemein spannende und zukunftsorientierte Stadt; entsprechend sollen Staatsoper und Philharmonisches Staatsorchester international ausstrahlen. Es ist mir auch eine Ehre und Freude, diese bedeutende Aufgabe gemeinsam mit Kent Nagano anzugehen.» 

Zu den Fakten: Georges Delnon, seit 2006 Direktor des Theater Basel, verlässt das Dreispartenhaus ein Jahr vor Ende seiner Vertragsdauer. Die Findungskommission zur Neubesetzung der Direktorenstelle am Theater Basel ab 2015/2016 wird sich unter Vorsitz von Rudolf Grüninger, dem Vizepräsidenten des Verwaltungsrates, neu konstituieren. Sie wird sich aus drei Verwaltungsratsmitgliedern, drei Experten und den Kulturverantwortlichen der beiden Basel zusammensetzen (Namen wurden noch keine bekanntgegeben). Läuft alles rund, soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2014 die Nachfolgerin oder der Nachfolger bestimmt und durch den Regierungsrat bestätigt werden. Bis zum Rücktritt von Delnon solle die Kontinuität am Theater Basel gewahrt bleiben, sagte Batzer. Dies betrifft auch die ursprünglich nur für ein Jahr gewählte neue dreiköpfige Schauspielleitung. «Natürlich liegt das im Entscheidungsbereich von Georges Delnon, aber ich wüsste keinen Grund, warum man hier etwas ändern sollte.»

Rochade im Verwaltungsrat

Per 31. Juli 2013 ebenfalls zurücktreten wird Martin Batzer, Präsident des Verwaltungsrates der Theatergenossenschaft. Der Verwaltungsrat wird sich in seiner Zusammensetzung ab dem 1. August 2013 neu zusammensetzen. Ziemlich radikal neu, wie an der Medienkonferenz zu erfahren war. Fünf oder sechs Sitze des neunköpfigen Verwatungsrats – so genau wusste es Verwaltungsratspräsident Batzer spontan nicht zu sagen – werden neu besetzt. «Wir wollen den Verwaltungsrat vor allem verjüngen», sagte Batzer. Ebenfalls neu besetzt wird der Stiftungsrat der Stiftung zur Förderung des Theaters Basel, die bis heute bereits fünf Millionen Franken zusammengetragen hat. Tom Koechlin wird das Präsidium mit Wirkung per Februar 2013 übernehmen. Er wird neben dem Verwaltungsrats­aus­schuss und der Direktion des Theaters Basel neu auch durch Peter Lenz und Bertrand Jungo unterstützt.

Dieser neu konstituierte Verwaltungsrat wird eine ganze Menge an Hausaufgaben zu erledigen haben. Gleichzeitig mit der Neubesetzung der Direktorenstelle stehen ab 2013 nämlich auch noch die Verhandlungen über den neuen Subventionsvertrag an, der ab 2015/16 laufen wird. Das ist ein kleiner Schönheitsfehler für die Neubesetzung der Direktorenstelle. Georges Delnon sah sich nämlich vor sechs Jahren mit der Tatsache konfrontiert, dass der Kanton Basel-Stadt die Subventionen just bei seiner Wahl zum Direktor spürbar gekürzt hatte. Philippe Bischof gibt sich in Bezug auf den künftigen Subventionsvertrag aber zuversichtlich: «Natürlich kann immer etwas passieren, aber es gibt keinerlei Signale, dass sich etwas massgeblich ändern wird.»

Gemischte Stimmen aus Hamburg

In Hamburg gibt man sich erfreut über die Wahl von Georges Delnon, der die traditionsreiche Staatsoper ab 2015/16 zusammen mit dem ebenfalls neugewählten Generalmusikdirektor Kent Nagano leiten wird. Die grossen Tage der Hamburgischen Staatsoper sind übrigens fest mit einer Persönlichkeit aus der Schweiz verbunden: mit dem Komponisten Rolf Liebermann, der ab 1959 vierzehn Jahre lang und von 1985 bis 1988 nochmals als Intendant dem Opernhaus der Hansestadt zu Weltruhm verholfen hat. Das «Hamburger Abendblatt» berichtete bereits Anfang Juni über eine mögliche Berufung von Georges Delnon zum neuen Intendanten der Hamburgischen Staatsoper und fand lobende Worte für den Kandidaten, der «behutsam neue Wege» suche und dabei künstlerisch eine «Ästhetik der Reduktion und der klaren Bilder» verfolge. Mit einem Querverweis auf die Schauspielsparte wertet das Blatt die Achse Basel-Hamburg als gutes Omen: «Mit Theaterleitern vom Theater Basel hat Hamburg schon einmal glückhafte Erfahrungen sammeln können: 1991 kam Frank Baumbauer aus Basel ans Deutsche Schauspielhaus, das er in neun Jahren zum meist beachteten deutschen Theater machte.» Ganz anderer Meinung ist «Die Welt», die ihr Bedauern darüber ausdrückt, dass sich Hamburg «mit dem braven Georges Delnon aus Basel bescheiden» müsse, «dessen dortiger Erfolg als ‚Opernhaus des Jahres‘ hauptsächlich auf dem Wirken seines Operndirektors Dietmar Schwarz basierte, der jetzt als neuer Intendant hoffentlich der Deutsche Oper Berlin zu frischer, dringend benötigter Politur verhilft.»

Heute bereits zu spekulieren, wer ab 2015/16 die Nachfolge von Georges Delnon antreten wird, dürfte verfrüht sein. Auch wollte sich Martin Batzer noch nicht über das Wunschprofil der Nachfolgeperson äussern. Blickt man aber zurück auf die Geschichte des Theater Basel, dann fällt auf, dass die Direktorenposten mit ziemlicher Regelmässigkeit abwechselnd durch Opern- oder Schauspielspezialisten (Spezialistinnen kamen bislang noch nicht zum Zug) besetzt wurden. Georges Delnon war und ist Opernspezialist, also … 

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