Ein Allrounder von Deep Soul bis Funk

Mit Lee Fields tritt am Samstag am Open Air Basel eine Soul-Legende auf. Erfolgreich war der heute 63-Jährige allerdings nicht immer – erst die Soul-Retrowelle hat ihn wieder ins Rampenlicht gebracht.

Lee Fields: Der Look von James Brown, aber eine eigene Stimme. (Bild: © Davi Russo)

Mit Lee Fields tritt am Samstag am Open Air Basel eine Soul-Legende auf. Erfolgreich war der heute 63-Jährige allerdings nicht immer – erst die Soul-Retrowelle hat ihn wieder ins Rampenlicht gebracht.

Die Retrowelle des Soul hat alte, vergessene Helden wieder ins Rampenlicht geholt, so manchem sogar erstmals die Aufmerksamkeit gegeben, die ihm über Jahrzehnte versagt blieb. Das Genre ist voll von solchen «Unsung Heroes», und das Team der Kaserne hat es sich auf die Fahnen geschrieben, einige von ihnen nach Basel zu holen. So konnte man am Rheinufer bereits Sharon Jones und Charles Bradley hören.

Lee Fields setzt die Reihe von Soulrecken im dritten Frühling nun fort. Der Mann aus North Carolina darf auf ein grosses Publikum hoffen, denn er ist am Samstag Gast beim Open Air Basel.



Fields unterscheidet sich von den gleichaltrigen Zunftkollegen insofern, dass seine Karriere keinen totalen Unterbruch aufzuweisen hat. Der 63-Jährige war immer – zumindest leidlich – erfolgreich. Geboren ist er auf dem Land: «Ich bin ein Country Boy, und ich habe früh gemerkt, dass es in der Country-Musik und im Rhythm’n’Blues um das Gleiche geht: Sie erzählen Geschichten über das Leben», sagte er dem Internetportal Soul Express.

Mit 17 allerdings verlässt er das Land und geht nach New York, wo er 1969 seine erste Platte aufnimmt, ein Cover des James Brown-Songs «Bewildered». Er selbst sucht sich das nicht aus: Die stimmliche und physiognomische Nähe zum Godfather lässt seinen Plattenboss den Erfolg riechen – er versucht Fields als «Little J.B.» zu vermarkten. «Ich war wegen dieser Ähnlichkeiten in einem richtigen Dilemma. Es hat mich viel Zeit gekostet, herauszufinden, wer Lee wirklich ist.» 
 


Nicht nur das Kolorit von James Brown

Wichtig für seinen weiteren Karriereverlauf wird ein Gastspiel bei den sehr jungen Kool & The Gang, die ihn für ihre Tourneen als Leadsänger vepflichten, wohingegen er auf den ersten Studioalben der Gang nicht zu hören ist. 1973 darf er dann seine wahren Talente zeigen: Mit dem Titel «Let’s Talk It Over» erweist sich Fields als begnadeter Balladen-Shouter, der nicht nur das Kolorit von James Brown in der Stimme trägt, sondern auch von Otis Redding, Solomon Burke und Sam Cooke – und der aus diesem Mix eine glühende Leidenschaft, eine intensive Schmerzlichkeit entwickelt. Es gelingt ihm in der Folgezeit, sowohl seine Deep Soul-Seite zu pflegen als auch weiterhin ein Funkpublikum zu bedienen. Sein ganzes Spektrum wird 1979 endlich auf einer ersten LP zusammengefasst, die viele seiner früheren Singles bündelt.



In den beiden folgenden Dekaden läuft es für Lee Fields nicht mehr so rund: Zunächst hat er noch einige moderate Erfolge mit Disco-angetupften Nummern, dann nimmt er – denn seine Bandkollegen haben ihn verlassen – in Eigenregie im heimischen Keller neue Songs auf. Die Bänder, unter ihnen das bezwingende «Meet Me Tonight», werden so erfolgreich, dass er schliesslich vom Mississippi-Label Ace unter Vertrag genommen wird. Und Anfang des neuen Millenniums landet er schliesslich beim Zugpferd des sich anbahnenden Soulrevivals, bei Dap-Tone in Brooklyn, erlaubt sich aber, parallel dazu im eigenen Verlag CDs herauszubringen.



Der grosse internationale Durchbruch bei der Retrosoul-Gemeinde gelingt ihm schliesslich 2009 mit der Scheibe «My World» beim Label «Truth & Soul», ein Name, der auch für sein künstlerisches Credo stehen könnte. «Selbst bei Dap-Tone wollten sie immer noch, dass ich wie James Brown singe», erinnert er sich. «Bei Truth & Soul lassen sie mich Lee sein.» Und er findet im neuen Zuhause auch seine aktuelle Band, The Expressions, die sich aus Musikern rekrutiert, die auch bei Aloe Blacc, Adele und Jay-Z in Diensten stehen. Es sind junge Weisse, wie so oft im Retrosoul, mit denen der nun 63-Jährige auch sein aktuelles Werk «Faithful Man» eingespielt hat. Sie liefern dem Altmeister entspannte Grooves mit herumkletterndem E-Bass, klackernder Rhythmusgitarre und ein paar schwülen Blechblasakzenten – und so kommt die gereifte, immer noch zielsichere Deep Soul-Stimme von Fields nun zu der Geltung, die ihr früher oftmals versagt blieb.

  • Konzert am Open Air Basel, Kasernenareal, Samstag 10. August, 19 Uhr.

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