Ein anthroposophischer Neubau fürs Gundeli

Im Frühling verlegt die anthroposophische «Freie Gemeinschaftsbank» ihren Hauptsitz ins Gundeli. Der Neubau fällt durch eine spezielle Architektur auf.

Auffällige Architektur für ein diskretes Gewerbe: Hier zieht die Freie Gemeinschaftsbank ein.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Im Frühling verlegt die anthroposophische «Freie Gemeinschaftsbank» ihren Hauptsitz ins Gundeli. Der Neubau fällt durch eine spezielle Architektur auf.

Das Gundeldinger Quartier hat architektonischen Zuwachs bekommen. An der Meret Oppenheim-Strasse 10 ist im vergangenen Jahr ein Gebäude entstanden, das auffällt. Die Fassade, die Fenster, der Eingangsbereich: Alles wurde vom Architekt Walter Känel im anthroposophischen Stil entworfen.

Was wie ein Ableger des Goetheanums aussieht, wird eine Bank. Wenn auch eine mit klarem ideologischen Auftrag. Voraussichtlich Mitte April verlege die Freie Gemeinschaftsbank ihren Hauptsitz vom Unternehmen Mitte ins Gundeli, sagt Verwaltungsrätin Margrit Bühler. Die Bank wolle dort ihre «äussere Hülle in der Welt» beziehen, wie es die Kundenzeitung «Transparenz» beschreibt. 

Organische Architektur

Für die spezielle Bauweise habe man sich entschieden, um die an der Anthroposophie ausgerichteten Werte der Bank auch äusserlich zu zeigen, erklärt Bühler. «Diese sogenannt organische Architektur orientiert sich an Formen, wie sie in der Natur auftreten. So wie auch für unsere Arbeit das Wohl des Menschen höchste Priorität hat.»

Dennoch habe die Gemeinschaftsbank sich bewusst dazu entschieden, «nicht eine Art zweites Goetheanum zu bauen». Denn man wolle trotz klarer Ausrichtung keine exklusiv anthroposophische Bank sein. «Jeder der sich für unsere Arbeit interessiert, soll unseren neuen Hauptsitz betreten dürfen», sagt Bühler. 

Die Freie Gemeinschaftsbank hat den neuen Sitz nicht auf eigenem Land gebaut, sondern im Baurecht. Dies liegt daran, dass die Grundeigentümerin neben wirtschaftlichen ebenfalls ideologische Interessen verfolgt. Das Land befindet sich im Besitz der Stiftung für Nutzungseigentum am Boden (NEB). Die NEB hat es sich zum Ziel gemacht, die Ressource Boden dauerhaft aus dem durch Spekulation aufgeheizten Immobilienmarkt herauszulösen.

Boden der Spekulation entziehen

Dazu ersteht die NEB Grundstücke und gewährt den Nutzern (meist die vormaligen Besitzer) gegen Entgelt ein sogenanntes Nutzungsrecht. Da sich diese Nutzungsabgabe am Kaufpreis bemisst und die Abschreibung der Immobilie über eine Generation einschliesst, fällt diese im Vergleich zum Markt zunehmend tiefer aus. Nach 25 Jahren müssen die Nutzer lediglich noch eine Art Verwaltungsgebühr entrichten, wie der NEB-Geschäftsführer Daniel Maeder erklärt.

«Dies ist das erste NEB-Projekt in der Region Basel, wir waren bisher erst in den Kantonen Aargau, Bern und Solothurn aktiv», sagt Maeder. Die NEB wurde 1993 gegründet, sie wird unterstützt von einer Reihe anderer Stiftungen aus dem anthroposophischen Umfeld, etwa die Stiftung Edith Maryon.

Artikelgeschichte

16.01.17, 10 Uhr: Der Name des gestaltenden Architekten wurde korrigiert. In einer früheren Version wurde der Neubau fälschlicherweise den Vischer Architekten zugeschrieben.

Konversation

  1. wäre es von Calatrava od. Herzog und würde sich immer verzögern… wär’s ein Wunderwerk, weil jedes Fenster einzigartig ist (zB. Philharmonie)… aber eben, dass Spezial Betton und viele ökologische Aspekte berücksichtigt wurden gibt halt weniger „Futter“ für Journalisten – leider unterdessen auch für die Weltwoche.. Ich finds cool! – auch dass es solche Banken gibt.

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    1. was hat denn die weltwoche mit goethe zu tun? das grenzt ja an alchemie – da herrscht viel eher ems-vielhormonie.

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  2. Wenn Reiche ihr ehrlich und sauer erworbenes Kapital rechtschaffen am Fiskus vorbei schleusen ist das edel, gut und hilfreich. Aber ein hämpfeli Geld für Obdachlose und ein paar Betten für Mittellose wo sie ihr Haupt über Nacht zum ausruhen hinlegen dürfen schlägt hohe Wellen der Empörung und rote Köpfe… Welche Wonne und Freude.

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  3. Ach so! Ich hatte mich schon über dieses Haus gewundert. Mich erinnert es an die Bilder von M. C. Escher – man kann nicht lange hinschauen, ohne den Verstand zu verlieren. Bei den Bildern ist das ja eine interessante Sache, aber dieses Haus ist einfach nur hässlich.

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  4. Achtung!
    Wenn das dort gewechselte Geld dann auch entsprechende organische Formen hat, könnte es schwierig werden, es ausserhalb der anthrposophischen Szene umzsetzen.
    Banknoten mit einer schrägen Seite oder ovale Fünffränkler dürften dafür aber Seltenheitswert haben.

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  5. Ich habe die Entstehung dieses Gebäudes von Beginn an miterlebt, weil ich täglich von der Viaduktstrasse her kommend über die Margarethenbrücke zu den Bahngeleisen gehe. Im Gegensatz zu den geplanten und bestehenden Neubauten im Gundeli, ist dieser Bau für mich ein Juwel. Die Frage, wer wohl der Architekt und der Bauherr sein könnten, beschäftigte mich schon lange. Danke Herr Oppliger für ihren sehr informativen Bericht. Leider kommen die Konstruktionen und Räumlichkeiten der Dachgestaltung auf dem Bild nicht zum Ausdruck. Sie sind jedoch prägend und ein wesentlicher Bestandteil der Dynamik dieser Architektur.

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    1. Auch ich habe mich gefragt, wer wohl Bauherr und Architekt sein könnten, nach dem das Baugerüst entfernt worden war und das Gebäude erstmals visuell in Erscheinung trat. Der anthroposophische Stil grenzte die in frage Kommenden etwas ein.
      Der Bericht ist informativ, danke, dem Foto gelingt es aber tatsächlich nicht das Wesen dieses Gebäudes den Lesern zu vermitteln.

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  6. Dieselben Steuerumgehungsvehikel mit x verschachtelten Stiftungen wie bei ganz gewöhnlichen Kapitalisten.

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