Ein psychisch Kranker performt seinen Alltag

Der englische Künstler «The Vacuum Cleaner» ist zu Gast an den Basler Dokumentartagen und gibt mit seiner autobiographischen Performance «Mental» Einblick in das Leben eines psychisch Kranken.

The Vacuum Cleaner in seiner Performance «Mental» (Bild: unbekannt)

Der englische Künstler «The Vacuum Cleaner» ist zu Gast an den Basler Dokumentartagen und gibt mit seiner autobiographischen Performance «Mental» Einblick in das Leben eines psychisch Kranken.

Bei dem Namen «The Vacuum Cleaner» (der Staubsauger) denkt man als erstes an einen sich selbst inszenierenden Künstler. Wenn man dann noch die Website des Engländers anschaut, entsteht ein klares Image: ein exzentrischer Hipster.

In Wahrheit jedoch ist James Leadbitter alles andere als ein cooler Draufgänger. Bei einem Treffen im Roxy in Birsfelden spricht er offen über Depressionen, Selbstmordversuche und zahlreiche Aufenthalte in der Psychiatrie. Dabei bezeichnet sich der bescheidene Engländer immer wieder als wahnsinnig und gestört.

In seiner autobiographischen One-Man-Show «Mental» teilt er nun seine persönlichsten Erlebnisse mit der Öffentlichkeit. «Mental ist die Geschichte meines Lebens als psychisch Kranker», erzählt Leadbitter. Dabei geht es ihm nicht um eine konkrete Handlung, sondern um das Vermitteln eines Gefühls. «Es ist zum einen die intime Auseinandersetzung mit dem, was in mir vorgeht, zum anderen eine Kritik am gesellschaftlichen Umgang mit diesem Thema.»

Beeindruckende Ehrlichkeit

Psychische Krankheiten sind nach wie vor ein Tabu-Thema, und genau darum beeindruckt Leadbitters Ehrlichkeit. «Wenn es um psychisch Kranke geht, porträtieren die Medien zwei Typen: Den brutalen Mörder oder das ultimative Genie», erklärt Leadbitter. «Dass viele gewöhnliche Menschen betroffen sind, wird selten wahrgenommen. Mit ‹Mental› möchte ich zu einer intensiveren Beschäftigung mit diesem Thema auffordern.»

«‹Mental› ist zum einen die intime Auseinandersetzung mit dem, was in mir vorgeht, zum anderen eine Kritik am gesellschaftlichen Umgang mit diesem Thema.»

Die Performance spielt in Leadbitters eigenem Schlafzimmer, was dem Geschehen zusätzlich Authentizität verleiht. Diese Nähe ist dem Künstler wichtig, denn er hält wenig vom traditionellen Theater. «In einer Welt, in der alles so echt und detailliert wie möglich dargestellt wird, empfinde ich die künstliche Inszenierung eines Ereignisses als sinnlos. Ausserdem ist es merkwürdig, wenn einer versucht, den Wahnsinnigen zu spielen, wenn man es selbst wirklich ist.»

«The Vacuum Cleaner»

Eigentlich ist Leadbitter nicht Schauspieler, sondern Künstler. Von einem seiner früheren Projekte stammt das Pseudonym «The Vacuum Cleaner». Zusammen mit seinem Staubsauger zog er durch die Strassen der Städte, mit dem Ziel, den Kapitalismus aufzusaugen. «Ich habe vor dem Londoner Buckingham Palace gesaugt, in Banken, Läden und auf der New Yorker Wall Street.»

Für das Material von «Mental» hat sich Leadbitter lange überlegt, welche künstlerische Form sich am besten für die Präsentation eigenen würde. «Ich habe mich letztlich für eine Live-Performance entschieden, auch wenn jede Vorstellung schwierig für mich ist.»

Das Faszinierende an der künstlerischen Arbeit des «The Vacuum Cleaners» ist, dass er es geschafft hat, sein grösstes Problem zu seinem grössten Erfolg zu machen. Für ihn ist seine Krankheit gleichzeitig Inspiration und Belastung, wobei er einen Grossteil der Belastung in seinem Umfeld sieht. «Ja, wir Gestörten haben viele Probleme. Das grösste ist, dass man uns permanent daran erinnert.»

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Basler Dokumentartage 2015, Theater Roxy, Muttenzerstrasse 6, Birsfelden. Auftritte: 16. April, 19 Uhr; 17. April, 18 & 20.30 Uhr; 18. April, 17 & 20 Uhr. 

Ein Video-Interview mit dem Künstler:

Interview: the vacuum cleaner talks about Mental from SMHAFF on Vimeo.

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