Fehlende Besucher, schlechte Umsätze: Das läuft schief im Kunstmuseum

Das Kunstmuseum hat Budgetprobleme: Die Besucherzahlen und die Umsätze in den Museumsshops enttäuschen.

Zu wenig Besucher und fehlende Umsätze im Buchladen: Die finanzielle Situation des Kunstmuseums verdüstert sich.

(Bild: Nils Fisch)

Das Kunstmuseum hat Budgetprobleme: Die Besucherzahlen und die Umsätze in den Museumsshops enttäuschen.

Dank dem neuen Prestigebau hatte die Führung des Kunstmuseums für 2016 eine stattliche Besucherzahl budgetiert. 300’000 Personen sollten durch die drei Gebäude pilgern und die ausgestellte Kunst geniessen. In die Nähe dieser Zahl kam das Kunstmuseum zuletzt 2013, als mit der Ausstellung «Die Picassos sind da!» ein Publikumsmagnet auf dem Programm stand. Üblicherweise bewegte sich die Besucherzahl im Bereich von 200’000.

Eine Steigerung um die Hälfte, nur dank Neubau? Eine steile Vorgabe.

Nun zeigt sich, dass die Messlatte deutlich zu hoch gelegt wurde. Museumssprecher Gerrit Terstiege bestätigt eine entsprechende Information der TagesWoche. Statt 300’000 Besuchern fanden nur knapp 260’000 den Weg ins Kunstmuseum. «2016 war für unser Museum in vielfacher Hinsicht ein besonderes Jahr: In den Monaten bis zur Eröffnung von Neubau und Hauptbau (Mitte April) hatte ja nur das Museum für Gegenwart bei freiem Eintritt geöffnet», fügt Terstiege an.

Fehlbudgetierung mit finanziellen Folgen

Diese «Besonderheiten» des vergangenen Jahres waren absehbar. Weshalb wurden sie bei der Budgetplanung dennoch nicht berücksichtigt? Terstiege: «Es war im voraus gewiss schwer einzuschätzen, inwieweit die Eröffnung eines neuen Gebäudes die Monate der Schliessung wieder wettmachen würde.» 

Weitere Fragen wollte der Museumssprecher mit Hinweis auf den «noch nicht bereinigt vorliegenden Jahresabschluss» nicht beantworten. Es sei aber absehbar, dass der Abschluss trotz dieser Fehlbudgetierung nicht negativ ausfallen werde.

Damit spitzt sich für das Kunstmuseum eine ungute Situation zu. Denn mit dem Neubau halste sich die Museumsführung auch zusätzliche Betriebskosten von 4,8 Millionen Franken jährlich auf. Diese werden bloss zur Hälfte vom Kanton getragen, der Rest muss über die sogenannten Drittmittel (Sponsoring, Spenden, Schenkungen) gedeckt werden.

Umsatzschwäche in der Buchhandlung

Dazu kommt, dass neben den Eintritten auch eine weitere Einnahmequelle nicht so stark sprudelt, wie erhofft: Der Umsatz der beiden Buchläden ging auch 2016 zurück. Das geht aus einem Budget-Bericht der grossrätlichen Bildungs- und Kulturkommission (BKK) zuhanden der Finanzkommission hervor.

Die BKK stellt in dem Papier fest: «Die Buchhandlung […] erwirtschaftet bei Weitem nicht die erwarteten Umsätze.» Und weiter: «Der neue Standort der Buchhandlung und der Shops lässt eine weitere Steigerung der Umsätze vorläufig nicht erwarten.»

Das alles bedeutet, dass die Museumsführung bei der Akquise von Drittmitteln deutlich zulegen muss, um all diese Löcher stopfen zu können. Ein schwieriges Unterfangen, wie etwa der Kassier des Fördervereins «Freunde des Kunstmuseums Basel», Hans Furer einräumt. «Welcher Spender will schon Geld geben, nur um ein Defizit auszugleichen. Es ist viel attraktiver, mit seiner Spende ein konkretes Projekt, eine Ausstellung oder eine Anschaffung zu unterstützen», sagt Furer.

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Am Mittwoch teilte das Präsidialdepartement überdies die Besucherzahlen aller Basler Museen mit. Laut diesen haben die 29 öffentlichen und privaten Museen im vergangenen Jahr mit rund 1,3 Millionen Besuchern eine Steigerung von 2,2 Prozent erzielt.

Museumssprecher Gerrit Terstiege liess der TagesWoche am Donnerstag folgende Richtigstellung zukommen:

«Anders als von der TagesWoche am 22. Februar 2017 dargestellt, befindet sich das Kunstmuseum keineswegs in einer finanziellen Schieflage. Wenn auch der Jahresabschluss 2016 noch nicht bereinigt vorliegt, ist absehbar, dass dieser nicht negativ ausfällt.»

Artikelgeschichte

22.02.2017, 14:45 Uhr: In Teaser, Lead und Lauftext wurde eine Passage angepasst. Die angepeilte Zunahme von 200’000 auf 300’000 Besucher/Jahr stellt natürlich eine Steigerung um 50 Prozent dar. In einer früheren Version war von einem «Drittel» die Rede.

22.02.2017, 16:00 Uhr: Der Artikel wurde um einige Abschnitte ergänzt, die das Ausmass der finanziellen Schieflage im Kunstmuseum ausführen.

23.02.2017, 15:00 Uhr: Der Artikel wurde um eine Richtigstellung des Kunstmuseums ergänzt, derzufolge im Museum keine «finanzielle Schieflage» bestünde.

Konversation

  1. Die Buchhandlung ist ja wahrlich sehr versteckt. Als sie ehedem noch in der Eingangshalle war, da hatte der gut assortierte Buchladen Freude gemacht. Aber jetzige neudeutsch gesprochene Shop ist so langweilig, dass man ihn sich ganz schenken kann. Leid tun kann es einem um diejenigen, die entlassen wurden. Fazit: Eigentlich erstaunt das nicht. Eingang Altbau vermurkst wie der Neubau auch. Nochmals von vorne beginnen geht leider nicht, wäre aber wohl das beste.

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  2. Die budgetierte Steigerung war wirklich steil. Und daher die Frage, die sich anschliesst: Gab es denn bis jetzt Ausstellungen, die man unbedingt sehen musste? Für mich: eher nein. Die Skulpturenausstellung war sicher interessant, aber für die neuen Räume m.E. nicht gerade passend. Ich habe sie zwar nur während der Gratis-Eröffnungstage gesehen, hatte dann aber doch keine Lust, später noch einmal hinzugehen. Da war mir schlicht zuviel altbekanntes dabei, und, eben, nicht richtig zur Geltung gebracht: Auf kleinem Raum zuviele Objekte – auf gut schweizerdeutsch: „Es Gschtungg“. Später folgte der figurative Pollock. Denn habe ich verpasst, oder besser ausgelassen. Und wenn ich jetzt sage, dass mich das zuwenig interessiert, dann kann man mir vorwerfen, ich sei anspruchsvoll, oder „verschläggt“. Es war aber auch in der näheren Umgebung (Riehen, Zürich, Bern) so viel los, das mich mehr anzog.
    Schon während der Eröffnung hat mich der Altbau mit den vielen neuen Hängungen mehr interessiert als die eigentliche Attraktion. Ich habe dann später die Ausstellung „Archäologie des Heils“ besucht. Und damit meinen persönlichen Besucherschnitt weit übertroffen!
    Was den Shop betrifft: Warum meinen alle Marketingleute, ein umgebauter oder neu plazierter Shop müsse mehr Umsatz bringen? Es ist doch offensichtlich, dass der neue Shop wesentlich weniger Verkaufsfläche aufweist und folglich ein kleineres Sortiment hat. Warum soll er dann mehr abwerfen? Weil er so neu ist?

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  3. tschuld ist das rigide parkregime dieser roten socken – es braucht unterm kreisel minimal noch einen schnuggeligen yachthafen und auf dem dach ein 8heli-jetset.

    (man hätte ja auch 40’000 stark reduzierte pauschaleintritte anbieten können … war wohl nicht das avisierte zielpublikum)

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    1. Liebes chröttli

      Du hast vergessen zu erwähnen, dass die nicht mehr kommenden BesucherInnen eben nicht mehr durch die Rheingasse zur Wettsteinbrücke fahren können oder auch nicht mehr über die Mittlere Brücke und die gemeinerweise schon lange aufwärts nicht mehr befahrbare Freie Strasse zum Kunstmuseum fahren und dort ihre Karossen parkieren können!! Ein Skandal:-))

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  4. Eine kleine Anmerkung zum Museumsshop im Kunstmuseum:
    Einst ein schöner Laden zum Schmöckern, seit dem Neubau findet man den Shop kaum, kein Hinweis darauf, wenn man im akten KuMu in der Haupthalle steht. Man muss nach hinten in deinen Schlauch laufen. Zwar hell, aber eng und ungemütlich. Da nützt auch die sehr kompetente Betreuung des Personals nichts.

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