Gespenstische Präsenzen

Klänge und Bilder führen den Besucher in der Fondation Beyeler durch die Ausstellung von Philippe Parreno. Ein mystisches Erlebnis.

Marilyn Monroe, in preparation for a spiritist session, 2012 (Bild: Adam Reich)

Klänge und Bilder führen den Besucher in der Fondation Beyeler durch die Ausstellung von Philippe Parreno. Ein mystisches Erlebnis.

Geduld ist etwas, was man aufbringen muss angesichts einer Ausstellung mit Videoarbeiten. Nicht jedem liegt das, zu gern nur setzt sich manch einer während des Filmes hin, nur um zwei Minuten später, nach einem ersten Eindruck, weiterzugehen und sich ein Häppchen des nächsten Filmes zu genehmigen. Bei Philippe Parreno in der Fondation Beyeler ist selber schuld, wer sich so verhält. Ätsch, mag sich der Künstler gedacht haben, meine Filme seht ihr nur hintereinander.

So bleibt also die eine Leinwand weiss angestrahlt, während auf der anderen der Film läuft. Manch einen Zuschauer verwirrt das, und er geht wieder weg, ohne etwas gesehen zu haben. Immerhin hat er aber etwas gehört, denn leise ist es nie im Untergeschoss der Fondation Beyeler. Immer klingt dem Besucher etwas in den Ohren, sei es Wasserplätschern, ein Telefon, dass klingelt oder nur ein Rauschen. Selbst wenn kein Film läuft, bellt ein Hund.

Richtiggehend eingelullt vom Parrenoschen Universum ist man, wenn man die Stufen zum Erdgeschoss hin wieder erklimmt. Zwei Filme hat man dann gesehen, und beide haben etwas Mystisches. Da ist zuerst «Marilyn», das Porträt eines Geistes, wenn man so will. Eine Kamera fährt durch eine Suite des Waldorf Astoria Hotels in New York, in der die Monroe in den 50er Jahren gerne wohnte. Die Kamera imitiert dabei ihren Blick, der über das Mobiliar schweift, das ihre Stimme beschreibt. Ihre vermeintliche Stimme, denn in Wirklichkeit ist es ein Computer, der ihre Sprachmelodie rekonstruiert. Auch der Füller, der einen Brief schreibt, liegt nicht in Marilyns Hand, sondern wird von einem Roboter geführt. Die gespenstische Präsenz, die man beim Betrachten zu spüren glaubt, löst sich zum Schluss auf – so, als würde ein Zauberkünstler seinen Trick verraten.

Zu einem Trick greift Parreno auch in seinem zweiten Film, «Continuously Habitable Zones aka C.H.Z.». Er gaukelt uns eine Welt vor, die von zwei Sonnen beschienen wird. Schwarz ist diese Welt, und es ist nicht ganz klar, ob die Vegetation diesen Ort noch nicht eingenommen oder bereits wieder verlassen hat. Eine Geisterwelt, wie geschaffen für Feen und Kobolde, die der in Paris lebende Argentinier hier geschaffen hat. Eine, aus der man trotz all der Schwärze nur ungern wieder auftaucht. Geduld braucht man hier keine. Nur den Willen, sich darauf einzulassen.

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