Häppchenlos in der kleinsten Kunsthalle der Schweiz

Schon mal was von der kunsthallekleinbasel gehört? Ist auch nicht besonders einfach: Sie pfeift auf herkömmliche Ausstellungsformate und öffnet ihre Türen nur einmal im Monat für 10 Stunden.

Beim chilenischen Gastkünstler Carlos Arredondo gabs eine Intervention im öffentlichen Raum – direkt vor der Kunsthalle. (Bild: Jan Chudozilov)

Schon mal was von der kunsthallekleinbasel gehört? Ist auch nicht besonders einfach: Sie pfeift auf herkömmliche Ausstellungsformate und öffnet ihre Türen nur einmal im Monat für 10 Stunden.

Das Haus in der Sperrstrasse 7 sieht auf den ersten Blick aus wie fast jedes Haus in diesem Stadtteil: Liebenswert heruntergekommen, die Fassade von dunklen Schlieren überzogen, die Fenster verstaubt und das Klingelschild mit Unmengen von Namen zugepflastert.

Hinter den grauen Wänden versteckt sich jedoch ein Kunstraum, der alles andere als gewöhnlich ist: Die «kunsthallekleinbasel», ein Ausstellungsraum, der wahlweise als Wohnzimmer, Atelier, Konzerthalle, Meditationsstudio, Partykeller, Bücherhöhle oder alles zusammen genutzt wird. 

Der Name hinter der unkonventionellen Kunsthalle liest sich zuunterst auf dem chaotischen Klingelschild: Jasmin Glaab, freie Kuratorin und Künstlerin, hat sich die Kunst ins Wohnzimmer geholt. Im wahrsten Sinne des Wortes: kunsthallekleinbasel ist nicht nur von ihr ins Leben gerufen worden, sondern sie hat sie aus Mangel an verfügbaren Räumen auch gleich in ihrem Wohnzimmer angesiedelt.

«Nach meinem Einzug hatte ich immer wieder Leute zu Besuch und mit ihnen kleine Sachen ausgestellt. So hat sich das dann langsam daraus entwickelt.»

Weg von weissen Sockeln und Bilderrahmen

Glaab versah den Ort mit einem aufgeladenen Prädikat: Kunsthalle. Doch wer an weisse Sockel und Bilderrahmen denkt, hat weit gefehlt. Die kunsthallekleinbasel ist so nonkonform wie ihr Standort.

Sie funktioniert selbsttragend und geniesst so auch grösstmögliche Freiheit, was das Format angeht. In der kleinen Kunsthalle sucht man vergebens nach Häppchen und Weisswein – viel wahrscheinlicher ist es, dass man sich beim Reinkommen erstmal selber in der Küche einen Rotwein einschenken geht.

Das Konzept ist ganz simpel: Jasmin Glaab sucht sich Künstler aus, die ihr gefallen («Diese ganze Pseudo-Objektivität grosser Institutionen finde ich schwierig. Qualität ist auch im institutionalisierten Ausstellungsbetrieb immer nur eines vieler Kriterien. Ich bin nicht objektiv – aber gebe das auch offen zu.») und gibt ihnen ein Veranstaltungsfenster von zehn Stunden: So lange hat die kunsthallekleinbasel für eine Ausstellung geöffnet.

10 Stunden lang in Künstlerhand

Dabei ist der Begriff «Ausstellung» für das, was in den zehn Stunden in der kleinen Kunsthalle abläuft, viel zu eng. Denn die ausstellenden KünstlerInnen geniessen grösste Freiheit und dürfen mit dem Raum machen, was sie wollen.

Wer es lieber laut und verrückt hat, holt sich ein paar Plattenteller und DJs ins Haus (Wie Dominik Wullimann im September), wer Lust auf Konzert hat, lädt Musiker ein (wie Lysann König im Juni) und wer sich den weltlichen Gelüsten lieber entsagt, der macht es wie Léandre Thiévent und verwandelt den Kunstraum in einer performativen Installation in einen Meditationsraum.

«Die Künstler sollen hier zusammen mit ihrer Kunst etwas erleben», meint Glaab. Ihr geht es dabei nicht nur um die Kunst, sondern auch um die verschiedenen Lebensentwürfe, die die KünstlerInnen mitbringen. Sie gibt ihnen 10 Stunden Zeit, sich in möglichst freier Form zu ihrem Werk zu verhalten und es einer Öffentlichkeit preiszugeben.

Die Präsentation von Kunstwerken steht nicht im Vordergrund, es gehe vielmehr darum, eine Atmosphäre zu gestalten: «Ich finde es wichtig, dass die Ausstellungen hier nicht ins herkömmliche Schema von Präsentieren und Anschauen reinpassen müssen. So werden Erlebnisräume geschaffen, die diesen Namen auch verdient haben.»


Teil des Konzepts ist auch die Zusammenarbeit mit freischaffenden Publizierenden, welche die Ausstellungssonntage in kurzen Texten reflektieren, wie zuletzt die Basler Kunsthistorikerin Ana Vujic.

Möglich ist diese Art des Ausstellens nur dank der Eigenständigkeit des Projekts: «Die kunsthallekleinbasel soll unabhängig funktionieren und ihre Qualität nicht mit einem Förder-Stempel bestimmt werden.»

Zu oft habe sie Projekte eingereicht, die sich durch die Zusammenarbeit mit Institutionen verändert haben. Das sei nicht unbedingt negativ aber habe durchaus einen Einfluss, den sie umgehen wolle.

Also tragen Glaab und die Künstler die Kosten selbst und stellen bei Ausstellungen eine Kollekte auf. Aber wenn es jemand eine tolle Sache fände und ihr 1000 Franken in die Hand drücken würde, meint Glaab augenzwinkernd, dann würde sie nicht nein sagen.

Entartete Kunst und vorweihnachtlicher Kleinkunstmarkt

Mit Christian Mueller (ehemaliger Regierungsratskandidat, Gründer der Partei «freistaat unteres kleinbasel» und dabei beim neulich eröffneten Offcut-Materialmarkt) findet diesen Sonntag die 5. Ausstellung statt und wird kunstpolitischer Natur sein: Mueller will die Kunsthalle in einen Diskussionsraum verwandeln, wo es um Sinn und Zweck entarteter Kunst gehen soll. Wobei die «entartete» Kunst von Mueller selbst zu solcher erklärt wird.

Diese Vielseitigkeit von Ausstellenden ist Glaab wichtig. Sie will Menschen aus vielen verschiedenen, lose zusammenhängenden Szenen an einen Tisch bringen und den Austausch untereinander fördern. Dazu gehören auch Projekte wie der Kleinkunstmarkt, den sie am 23. November in der kunsthallekleinbasel veranstaltet (Wer gerne mit einem Kunsthandwerk-Stand dabei sein möchte, kann sich bei ihr unter +41 79 502 01 53 melden).

Und wenn Glaab zwischen all diesen Veranstaltungen noch Zeit hat für einen Blick in die Zukunft, dann wünscht sie sich nicht Vergrösserung, sondern Erweiterung: «Ich will mit der kunsthallekleinbasel nicht wachsen, das könnte ich auch gar nicht bewältigen. Aber das Projekt an vielen anderen Orten aufziehen und durchführen können, das wärs!»

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