Hinter den Kulissen

Die Künstler Pawel Ferus und Piotr Jaros entwerfen im Ausstellungsraum Klingental mögliche Szenarien für Dinge, die man sonst nicht sieht.

 

Pjotr Jaros' Kameras erinnern an Klassiker der Filmgeschichte... (Bild: Karen N. Gerig)

Die Künstler Pawel Ferus und Piotr Jaros entwerfen im Ausstellungsraum Klingental mögliche Szenarien für Dinge, die man sonst nicht sieht.

Jedes Kind kennt Tom und Jerry. Zumindest hierzulande. In Polen kennt jedes Kind den Wolf und den Hasen. Die Trickfilmserie ist die sovjetische Travestie des US-amerikanischen Vorbilds. In jeder Folge versucht der Wolf den Hasen zu erwischen, erfolglos. Und jede Folge endet mit einem wütenden Ausruf des Wolfes. «Warts ab!», ruft er dem Hasen hinterher, oder – im Original – «Nu Pagadi!»

Das westliche Vorbild jedoch wurde der östlichen Kultur angepasst, die Motive verschoben. Diese Anverwandlung wirft einen Blick auf das Verhältnis zweier Länder, Systeme und Kulturen. Die Manipulation gegebener Rollenbilder sowie Verschiebungen von Motiven und Themen interessiert auch Pawel Ferus und Piotr Jaros in ihrer Ausstellung im Ausstellungsraum Klingental (ARK), und so nennen sie diese denn schlicht «Nu Pagadi».

Beide Künstler sind mit dem Wolf und dem Hasen aufgewachsen, Jaros in Polen, Ferus in seiner polnischen Familie in der Schweiz. Sie teilen sich in ihrem Oeuvre zudem das Interesse an Travestie und Paraphrase, und so lag die Zusammenarbeit nahe. Zu nahe am Trickfilmvorbild wollte man allerdings nicht agieren, aber um Film geht es in der Ausstellung augenscheinlich.

Kameras und ein Löwenhintern

Der ARK ist erfüllt von hängenden Kameras. Die Skulpturen von Piotr Jaros sind aus einfachen Materialien wie Karton und Stoff gearbeitet. Jede Kamera steht für ein Vorbild aus der Filmgeschichte, von «Star Trek» über «Gone with the wind» bis hin zu Bollywood. Die sonst so distanzierten Betrachter stehen für einmal selbst im Mittelpunkt.

Auch Ferus lenkt den Blick auf ansonsten Verborgenes: Unzählige Male schon brüllte der Löwe von Metro Goldwyn Mayer den Kinosbesuchern von der Leinwand entgegen. Ferus zeigt uns für einmal sein (mögliches) Hinterteil. Und wer durch ein in Hartschaumplatten gebohrtes und mit Zähnen versehenes Loch blickt, der sieht nicht nur wie durch eine Kameralinse den vor sich liegenden Ausstellungsraum, sondern auch gleich das Innere des vermeintlichen Tieres.

Über eine Spiegelwand macht Ferus ausserdem auch gleich noch in Ausstellungen Unsichtbares sichtbar: Die Besucher selbst nämlich. Wenn auch nur verschwommen. Ein bisschen Geheimnis darf ja noch bleiben.

  • Ausstellungsraum Klingental, bis 31. August.

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