«Ich bin kein Wunderkind»

Er ist 21 Jahre alt, Autor mehrerer Bestseller und Komponist der Musik zu seinen Buchtrailern. Stefan Bachmann, Jungstar der Literaturszene. Auf der BuchBasel liest er aus seinen Büchern – auch wenn ihm das Rampenlicht nicht behagt, wie er im Interview verrät.

(Bild: Foto: Ben Koechlin)

Er ist 21 Jahre alt, Autor mehrerer Bestseller und Komponist der Musik zu seinen Buchtrailern. Stefan Bachmann, Jungstar der Literaturszene. Auf der BuchBasel liest er aus seinen Büchern – auch wenn ihm das Rampenlicht nicht behagt, wie er im Interview verrät.

Stefan Bachmann hat mit seinen beiden Romanen «Die Seltsamen» und «Die Wedernoch» in den USA und Europa auf Anhieb grosse Erfolge gefeiert. Dabei war er gerade mal 16 Jahre alt, als er den ersten Band in Angriff nahm. Grund genug für viele Rezensenten, ihn mit der grossen Fantasy Autorin der Harry Potter Serie J. K. Rowling zu vergleichen. 

Sein Erfolg hat Stefan Bachmann nun auch in die BuchBasel gespült, wo er Auszüge aus seinem Buch las, um sich dann den kritischen Fragen des vorwiegend jungen Publikums zu stellen. Nach der Veranstaltung gab Bachmann Autogramme. Freundlich und frei von jeglichen Star-Allüren.

Mittlerweile sind sie auch in Europa ein steter Gast auf internationalen Buchmessen. Lesen sie gerne vor Publikum?

Ich stehe nicht gerne im Mittelpunkt, diese Auftritte sind also nicht sehr angenehm für mich. Aber diese Lesungen gehören nun mal dazu, es sind gute Übungen, um Auftrittsängste abzubauen.

Ihre Bücher sind zuerst auf Englisch erschienen und stürmten in den USA die Bestsellerlisten. Ist das amerikanische Publikum besonders empfänglich für Fantasy-Literatur?

Der Markt ist auf jeden Fall grösser als in Europa, die Leute kennen sich darum vielleicht besser aus. In den USA ist Fantasy salonfähig, das Genre wird dort als «echte» Literatur akzeptiert. In Europa kennt man natürlich Fantasy-Schwergewichte wie die Harry Potter-Serie. Aber Fantasy als Genre erhält sonst nicht so viel Beachtung.

Waren Sie an der Übersetzung ihrer Bücher auf Deutsch beteiligt?

Ich durfte die Übersetzungen vor der Publikation natürlich lesen. Aber ich konnte dazu nicht viel sagen, ich verstehe viele Begriffe gar nicht. Ich denke auf Englisch, und in dieser Sprache sind meine Bücher auch entstanden. Für die Übersetzung auf Deutsch fehlt mir der Wortschatz.

Die Kritik überschlug sich vor Lob, Sie wurden oft als «Wunderkind» bezeichnet. Wie begegnen Sie dieser Bezeichnung?

Mich nervt das, denn ich bin kein Wunderkind. Wunderkinder sind Menschen, die intuitiv etwas machen und darin sehr gut sind. Mozart zum Beispiel war ein Wunderkind. Bei mir ist Schreiben nichts Intuitives, in meinen Büchern steckt vor allem Übung und Arbeit. Viele denken sofort, man sei ein Wunderkind, nur weil man jung ist und etwas gut kann. Ich halte das für eine Fehlbezeichnung.

Der Name impliziert es bereits: Fantasy ist ein Genre der Kreativität und Fantasie. Ist es einfacher Fantasyromane zu schreiben, als Geschichten, die die Realität abbilden wollen?

Nein, das kann man so nicht sagen. Realliteratur wird lediglich als bedeutender eingestuft, wahrscheinlich denkt man darum, sie sei schwieriger zu schreiben. Aber realistisch geschriebene Bücher sind ja nicht wahrer, nur weil sie die Wirklichkeit abbilden. Sie enthalten ebenfalls Bilder, die sich der Autor ausgedacht hat und in diesem Sinn «unwahr» sind. Wahrheit ist ein relativer Begriff, auch Fantasy kann wahr sein, wenn die beschriebene Welt in sich stimmt. Das Fantasy Genre verlangt nach anderen Regeln als realistische Literatur, das mag sein. Aber ohne Regeln geht es nicht.

«Die Seltsamen» und «Die Wedernoch» sind beide inhaltlich sehr düster. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?

Das liegt wohl am Viktorianischen Zeitalter, das für viele Gesellschaftsschichten keine rosige Zeit war. Viele Bücher, die ich zu diesem Thema gelesen habe, haben mir diese Stimmung vermittelt. Ausserdem habe ich beim Schreiben einen Hang zur Düsterkeit, das werde ich aber in Zukunft versuchen auszubalancieren.

Sie werden immer wieder mit J.K. Rowling verglichen und als deren Nachfolger gehandelt. In Interviews betonten sie aber stets, dass Sie Harry Potter nie gelesen haben. Ein absichtliches Statement?

Nein, mittlerweile habe ich die drei ersten Bände auch gelesen. Ich wollte damit lediglich sagen, dass ich nicht von Harry Potter inspiriert war. Ich mag diese Bücher wirklich, aber sie hatten auf mich keinen Einfluss.

Mit Ihren Büchern erschaffen sie eine Welt, die förmlich nach einer filmischen Umsetzung schreien. Wann sehen wir «Die Seltsamen» auf der Leinwand?

Zu diesem Thema werden Gespräche geführt, aber das ist ein sehr langer Prozess. Ich kann noch nicht sagen, was dabei herauskommt.

Sie studieren Komposition am Konservatorium in Zürich. Das Studium an einem Literaturinstitut war für Sie kein Thema?

Bei der Musik ist es wie beim Schreiben. Die grösste Arbeit macht man zu hause und nicht unter der Anleitung von Lehrern. Ich hätte auch an einem Literaturinstitut studieren können, aber mir schien es einfacher, mich beim Schreiben selber weiterzubilden. In der Musik bin ich eher auf Lehrer angewiesen, die mich technisch weiterbringen und mir helfen, Blockaden zu überwinden.


Der Buchtrailer zu «Die Seltsamen» mit Musik von Stefan Bachmann

Sie arbeiten zur Zeit an einem neuen Buch. Bleibn Sie dem Fantasygenre treu?

Nein, diese Buch wird etwas Anderes. Ich möchte etwas in Richtung Science Fiction machen, aber so, dass man es nicht merkt. Realistische Science Fiktion sozusagen.

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Stefan Bachmann liest am Samstag, den 8. November, noch einmal an der BuchBasel aus «Die Wedernoch». Um 12.30 Uhr im Galeriesaal im Volkshaus.

Konversation

  1. Gut. Wir lassen mal den «Herr der Ringe» beiseite. Ha, all die anderen auch. Spielt auch keine Rolle: War eh vor meiner Zeit und ich bin kein Wunderkind, Mozart war eins.

    Der sagt mir was, dieser Maler.

    Ich werd‘ ihn dann mal über mein Management engagieren lassen: Er darf für mein drittes Buch das Cover gestalten.

    Musik mach dann ich. Who else?

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