Jakob Probst – der Meister des Rauen

Der Baselbieter Bildhauer Jakob Probst (1880–1966) schuf viele Skulpturen. Einige stehen auch in Basel.

Worüber sinnt sie wohl nach?

(Bild: Martin Stohler)

Das Heroische an Jakob Probsts Werken wirkt heute antiquiert. Ihre Oberflächen faszinieren aber noch immer.

Der Reigoldswiler Bildhauer Jakob Probst (1880–1966) war seinerzeit ein weit über die Baselbieter Kantonsgrenzen hinaus bekannter Künstler, der auch internationale Beachtung fand. An der Schweizer Landesausstellung von 1939 war er mit einem Werk vertreten, das von der Begleitpublikation «Das goldene Buch der LA» als «wundervolle Frauengruppe» bezeichnet wurde. Für Genf schuf er das Henri-Dunant-Denkmal, in Dornach erinnert ein monumentales Steinrelief an die Schlacht von 1499.

In seinem Heimatkanton Baselland ist Probst mit mehreren Werken öffentlich präsent, in Liestal etwa mit dem Wehrmannsdenkmal und dem Heini-Strübin-Brunnen beim alten Zeughaus, in Sissach im Park des Schlosses Ebenrain mit einem «Schwörenden» und einem stämmigen Pferd.

Geschenk an die Universität Basel

Auch in Basel, wo Probst von 1913 bis 1932 sein Atelier hatte, war er ein geschätzter Künstler. Hier findet man im öffentlichen Raum unter anderem an einem Kapitell des Kunstmuseums seinen «Vater Rhein», beim Bernoullianum seine «Ruhende» und im Innenhof des Kollegiengebäudes der Universität seine «Diana». Letztere ist ein Geschenk der Nitoba aus Anlass der 500-Jahr-Feier der Universität im Jahr 1960.

Trotz der Präsenz seiner Werke ist ihr Schöpfer heute in Basel weitgehend vergessen. Das mag damit zu tun haben, dass Probst 1932 zunächst nach Genf zog und 1963 schliesslich nach Vira im Tessin. Es hat aber auch damit zu tun, dass Probsts Plastiken heute oft antiquiert wirken.



Worüber sinnt sie wohl nach?

Kopf der «Ruhenden» beim Bernoullianum in Basel. (Bild: Martin Stohler)

Jakob Probsts Werke sind in einer Zeit entstanden, die durch zwei Weltkriege und die geistige Landesverteidigung geprägt war. Sie haben oft einen Zug ins übersteigert Heroische, der uns fremd geworden ist. Eher noch zugänglich sind uns der Gestus, mit dem Probst seine Skulpturen ausgearbeitet, und sein Umgang mit dem Material, aus dem er die Werke geschaffen hat.

Ein Rüffel statt Lob

Dazu passt eine Anekdote, die sein Baselbieter Bildhauerkollege Fritz Bürgin (1917–2003) gerne erzählte. Als junger Mann ging Bürgin dem etablierten Kollegen gelegentlich im Atelier zur Hand. Einmal sollte Bürgin nach den Anweisungen des Meisters die Umrisse einer Figur aus einem Steinblock meisseln. Bürgin gab sich Mühe, dies besonders «schön» und sorgfältig zu tun. Statt des erhofften Lobes fing er sich damit aber einen Rüffel ein. Als Probst sah, wie Bürgin vorgegangen war, sagte er ihm, er solle vorwärtsmachen und dafür sorgen, dass man auch an der Menge des abgeschlagenen Materials am Boden sehe, dass er gearbeitet habe.

Jakob Probst liebte raue, schroffe, nicht bis ins Letzte geglättete Oberflächen. Diese können auch heute noch faszinieren, wenn man sich Zeit nimmt und sich auf sie einlässt.

 

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