Jeff Mills – ein Grenzgänger zwischen den Sparten

Ein DJ, der Grenzen zwischen verschiedenen Kunstformen schmelzen lässt – Jeff Mills hat begriffen, dass Stillstand in der Kunst der Untergang einer Bewegung sein kann. Wir sprechen mit ihm über die Entwicklung im Techno und im Wettbewerb gibt es Tickets für seinen Basler Auftritt am Freitag zu gewinnen.

Jeff Mills (Bild: Axis Records)

Ein DJ, der Techno mit klassischen Instrumenten kombiniert und Grenzen zwischen verschiedenen Kunstformen schmelzen lässt – Jeff Mills hat begriffen, dass Stillstand in der Kunst der Untergang einer Bewegung sein kann.

Man sieht dem hageren Mann, der als DJ gerne mal mit drei bis vier Plattenspielern gleichzeitig arbeitet, seine 52 Jahre kaum an. Irgendwie hat er etwas Altersloses. Dabei ist Jeff Mills in seinem Genre bereits eine Legende.

Gratis zu Jeff Mills!

Für die Partynacht mit Jeff Mills in der Hinterhof Bar verlosen wir 1×2 Tickets. Wer teilnehmen möchte, beantwortet folgend Frage und betet die Glücksfee an: Wie heisst Jeff Mills Techno-Hymne aus dem Jahr 1997? Wir melden uns bei der Gewinnerin, dem Gewinner direkt per Mail.

Der Mann gehört nach Juan Atkins, Kevin Saunderson und Derrick May zu den wichtigsten Protagonisten des sogenannten Detroit Techno. Den Beinamen «The Wizard» (der Zauberer) trug er damals nicht zu Unrecht. Schon sehr früh nutzte er Plattenspieler und Mischpult wie Musikinstrumente, die er über die Jahre immer virtuoser bediente. Gemeinsam mit Mike Banks und Robert Hood gründete er Ende der 1980er-Jahre das Label «Underground Resistance», eine Bewegung, die sich bis heute kämpferisch gegen den Mainstream im Musikbusiness einsetzt. 

«Carte Blanche» im Louvre  

Jeff Mills gehört schon lange nicht mehr zum Untergrund. Doch seine Vorliebe, immer wieder Neues zu entdecken und auszuprobieren, hat der mittlerweile in Paris lebende DJ nicht verloren. Eines seiner bekanntesten Projekte der letzten Jahre ist die Zusammenarbeit mit dem Montpellier Philharmonic Orchestra, bei der er seine Techno-Tracks mit klassischen Instrumenten interpretieren liess. Im Pariser Louvre wird er demnächst im Rahmen des Projekts «Carte Blanche» mit einem klassischen Pianisten auftreten.

Eine seiner neuesten Veröffentlichungen ist der Soundrack zu Fritz Langs Film «Woman In The Moon». Der Film kam 1929 in die Kinos – also zu einer völlig anderen Zeit. Wir wollten wissen, wie das geht.

Was mussten Sie beim Komponieren der Musik zum Film beachten?

Oh, da gibt es viele Aspekte, die ich berücksichtigen musste. Die Welt war 1929 noch eine ganz andere, als der Film gedreht und veröffentlicht wurde. Lang hatte für den Film mit verschiedenen Wissenschaftlern und Astro-Physikern geredet, um herauszufinden, wie denn ein Raumfahrzeug aussehen müsste, um es auf den Mond zu schaffen. Er sprach auch mit Armee-Leuten. Deshalb konnten einige brisante Informationen als Ideen für den Film gar nicht umgesetzt werden, da sie streng geheim waren für die Öffentlichkeit. Andere Ideen, die man im Film sieht, waren wiederum sowohl für das Publikum wie auch für die Raumfahrt absolut neu. Wie zum Beispiel die Einführung des berühmten Contdowns vor dem Start einer Rakete.

 

«Woman In The Moon» ist nicht der einzige Fritz-Lang-Film, zu dem Sie einen Soundtrack gemacht haben. Da war auch «Metropolis», der aus der gleichen Zeit stammt. Was fasziniert an dieser Film-Epoche?

Ich bewundere diese Ära, weil Science-Fiction im Film damals noch sehr neu war. Die Vorfreude auf einen Film wurde somit mit neuen Erkenntnissen ergänzt, die zeigen sollten, wie es im All aussehen könnte. Für das damalige Filmpublikum war das also alles sehr aufregend. Die Leute waren 1929 unglaublich neugierig und bereit, zu erfahren, was ausserhalb der Erde geschieht – anders als heute, wo wir praktisch alles schon kennen. 

Wie die Raumfahrt in den 1930er-Jahren war die elektronischen Musik in den 1980ern etwas komplett Neues. Was war Ihrer Meinung nach die wichtigste Entwicklung im Laufe der letzten Jahre?

Eine der wichtigsten Entwicklungen in unserer Branche war die Erfindung der DJ-Software war. Software, die quasi das Mischen von Tracks für den DJ übernimmt. Das hat das DJ-Handwerk massgeblich verändert, denn es hat dazu geführt, dass neue Geräte aufgekommen sind, die für Leute gedacht sind, die es nicht nötig finden, von der Picke auf zu lernen, wie man selber einen guten Übergang im Mix macht. Heute kann man einfach behaupten, man könne mixen. Sehen Sie sich zum Beispiel Paris Hilton oder andere selbsternannte DJs an …

Die DJs in den 1970ern hätten Downloads und USB-Sticks als Geschenke des Himmels betrachtet.

Was halten Sie vom Aufkommen von digitalen Downloads anstelle von Vinyl und CDs?

Das ist definitiv ein weiterer Meilenstein in diesem Business. Manchem mag das vielleicht nicht so offensichtlich erscheinen, aber weil ein DJ heute die Möglichkeit hat, ganz einfach Tracks auf einen USB-Stick zu laden, hat er sofort Zugang zuTausenden von neuen Stücken. Die Auswahl geht viel schneller, als wenn man sich Platten bestellt. Auch das Reisen wird so unkomplizierter für den DJ. Das erleichtert den Job als DJ enorm. Die DJs in den 1970ern oder 1980ern hätten dies damals als Geschenk des Himmels betrachtet. Auch wenn ich praktisch keinen DJ kenne, der konsequent nur mit USB-Sticks auflegt.

Lassen Sie uns über Ihre Vorliebe reden, Techno mit Klassik zu verbinden. Wo sehen Sie die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Genres?

Ich habe festgestellt, dass die Unterschiede viel kleiner sind als angenommen. Der gemeinsame Nenner bei den verschiedenen Musikstils ist die Emotion – der Versuch, mit der Musik etwas auszusagen, was mit Worten manchmal einfach nicht zu beschreiben ist. Und so gesehen ist es für mich einfacher geworden, mich mit anderen Genres oder Kunstformen auseinanderzusetzen, mit den entsprechenden Künstlern zu kommunizieren.

Empfinden Sie es als Privileg, so viel Verschiedenes machen zu können?

Es geht darum, dass man auch mal über die Grenze hinaus geht. Dass man Dinge ausprobiert, die das Publikum vielleicht nicht unbedingt von einem erwartet. Es steht ja nirgends geschrieben, dass ein DJ nur Platten auflegen soll. Ich probiere neue Kunstformen aus, weil ich überzeugt bin, dass ich so sehr viel Neues entdecke und lerne. Und dass vielleicht auch andere dabei etwas Neues entdecken. Durch diesen Prozess kann sich eine Kunstform weiterentwickeln. Und nicht dadurch, dass man als Künstler immer beim Gleichen bleibt und es so weit kommt, dass das Publikum schlussendlich nichts mehr anderes von einem erwartet.


Jeff Mills spielt diesen Freitag in der Hinterhof Bar, Basel.
Mehr Infos zur Party: «Club der 200 with Jeff Mills» 
Für die, die Jeff Mills ganz genau auf die Finger schauen möchten, gibt es die neue DVD «Exhibitionist II». Hier ein Ausschnitt aus dem ersten Teil (2005):

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