«Jetzt kommt die Euphorie auf»

Mit einer Eröffnungsgala wird am Donnerstag die Poetry-Slam-Schweizermeisterschaft lanciert, am Freitag und Samstag stehen dann die talentiertesten Slammer der Deutschschweiz im Wettbewerb. Wir haben mit Co-Organisatorin Daniela Dill über die Premiere in Basel und die grössten Favoritinnen und Favoriten gesprochen.

Auf dem Sprung, für den Slam: Daniela Dill, Mitorganisatorin der 5. Schweizermeisterschaften. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Mit einer Eröffnungsgala wird am Donnerstag die Poetry-Slam-Schweizermeisterschaft lanciert, am Freitag und Samstag stehen dann die talentiertesten Slammer der Deutschschweiz im Wettbewerb. Wir haben mit Co-Organisatorin Daniela Dill über die Premiere in Basel und die grössten Favoritinnen und Favoriten gesprochen.

Daniela Dill, was hat es gebraucht, damit die Poetry-Slam-Schweizermeisterschaft 2014 in Basel stattfinden kann?

Einen grösseren regelmässigen Slam, also eine stärkere Verankerung in der Stadt und im ganzen Land.

Daniela Dill

Daniela Dill (32) hat Ende 2006 erstmals an einem Slam teilgenommen, seit 2007 tritt sie regelmässig mit ihren Texten auf. Für ihre Arbeit wurde sie 2010 mit dem Kulturförderpreis des Kantons Baselland ausgezeichnet. Dill ist Co-Veranstalterin der Reihe Slam Basel und hat nun gemeinsam mit Marc Stöckli und Petra Dokic erstmals die Schweizermeisterschaften nach Basel geholt.

Diese finden am Freitag und Samstag, 12./13. September auf vier verschiedenen Bühnen statt: Junges Theater, Parterre, Sud und Volkshaus. Einige Qualifikationsrunden sind bereits ausverkauft, der Vorverkauf (Starticket) wird empfohlen. 

Aber es gab doch schon vor dem Slam Basel, der im Sud durchgeführt wird, Poetry Slams. Früher etwa im Kulturpavillon?

Ja, das stimmt. Aber diese waren noch nicht zu vergleichen mit der Situation in anderen Städten, etwa in Zürich mit dem Slam im Schiffbau oder der St. Galler Grabenhalle. Die Schweizer Slam-Master hätten die Schweizermeisterschaft vor zwei, drei Jahren noch nicht an uns vergeben. Sie teilten uns deutlich mit, dass wir zuerst eine regelmässige Plattform etablieren müssten, ehe Basel den Zuschlag erhalten würde.

Die bitte schön was? Die Schweizer Slam-Master?

Ja, das sind die regionalen Szenevertreter, eine Art Dachverband.

Dachverband, Regionalvertreter … Ausdrücke wie diese kennen wir von der Fifa oder vom Schwingen!

(lacht) So streng organisiert sind wir schon noch nicht. Jeder, der einen Slam organisiert, gilt als Slam-Master. Und einmal jährlich trifft man sich in der Roten Fabrik, um die nächsten Schweizermeisterschaften zu vergeben. Nachdem Marc Stöckli diese hierher holen wollte, wurde uns beschieden, dass wir erst einen Slam auf die Reihe kriegen und ein Konzept abliefern sollten.

Basel hat den Slam erst spät entdeckt. Die Ostschweiz etwa war da schneller. Wie erklären Sie sich das?

Der Slam kam über den Bodensee in die Schweiz, nach St. Gallen, Schaffhausen, Zürich – und erst viel später so richtig in Basel an. Verzettelt wurden zwar immer wieder kleinere Slam-Veranstaltungen durchgeführt, doch erst im Kulturpavillon fand mit ungefähr 100 Plätzen regelmässig ein Basler Slam statt. Seit 2012 findet mit dem Slam Basel jeden zweiten Monat im Sud ein grösserer Anlass statt, der meistens 400 Besucherinnen und Besucher zählt. Seither hat der Slam in der Region nochmals zusätzlich einen Aufschwung erlebt.

Sie sind seit knapp acht Jahren dabei, also eine Vorreiterin dieser wachsenden Basler Szene. Fuchst es Sie, dass Sie beim Heimspiel nicht selber auf der Bühne stehen werden?

Ein bisschen. Jetzt kommt die Euphorie auf, man spürt, wie die Medien und die Slamszene das Fieber befeuern, man spürt das Kribbeln. Doch ich kam in den letzten zwei Jahren sehr wenig zum Schreiben, weil ich phasenweise die Seite gewechselt habe und hinter den Kulissen tätig war, als Veranstalterin in Basel und Liestal.

Da Sie ausser Konkurrenz sind heuer: Wen zählen Sie zum engsten Favoritenkreis?

Hazel Brugger und Christoph Simon gehören zu meinen persönlichen Favoriten. Es wäre aber auch an der Zeit, dass Kilian Ziegler mal den Preis holt. Und Lara Stoll und Renato Kaiser sind auch immer für eine Überraschung gut.

Hazel Brugger war Vorjahressiegerin. Ihr Sieg wäre eine Bestätigung für den schwarzen Humor. Christoph Simon wäre ein Votum für die poetische Seite des Slams …

…was mich auch wahnsinnig freuen würde …

… und Kilian Ziegler verkörpert eher den Komikertypus. Richtig?

Ja. Er ist pointiert und bringt einen Saal zum Brodeln mit überbordenden Wortspielen. Das kann durchaus ein Vorteil sein, da man mit Humor wenig falsch machen kann. Hazel Brugger polarisiert da eher.

Noch länger als die Schweizermeisterschaft gibt es ja den U20-Titel – seit 2006. Wer wird der nächste Laurin Buser, die nächste Hazel Brugger?

Ich würde June Stone aus Sissach den Titel zutrauen. Sie hat vor zwei Wochen die Basler Ausscheidung gewonnen und hat einen absoluten Exotinnenbonus: Sie hat mit einem englischsprachigen Text abgeräumt, ist erst 17 Jahre alt, aber schon unglaublich tough. Ich bin sehr gespannt, wie die Slamily, die sie noch nicht kennt, auf sie reagieren wird. Ich glaube, sie könnte einschlagen wie eine Bombe. Sie ist sehr emotional und auch stark als Performerin.

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