Junge Väter übernehmen das Floss

Alles andere als väterlich und langweilig: Das Hip-Hop-Trio Young Fathers heizte am 6. August dem Publikum vor der Flossbühne ein.

Die Young Fathers: Momentan Schottlands erfolgreichster Hip-Hop-Export.

(Bild: ALEXANDER PREOBRAJENSKI)

Alles andere als väterlich und langweilig: Das Hip-Hop-Trio Young Fathers heizte am 6. August dem Publikum vor der Flossbühne ein.

Die Young Fathers füllten am Mittwochabend die Plätze vor der Flossbühne, trotz Heimspiel des FCB. Und das will in der Fussballstadt Basel etwas heissen. Das Trio aus Edinburgh, Schottland, schaffte es, die Leute an den Rhein zu locken. Erst letztes Jahr erschien ihr Debütalbum «Dead», für das sie den Mercury Prize erhielten. Dieses Jahr legten sie bereits mit einer zweiten Platte nach.

Bei einem Feierabendbier warten die Leute auf die Band und geniessen die letzten Sonnenstrahlen. Einige gelangen kurz vor dem Konzert schwimmend zum Kulturfloss. Schlag neun gehen die Scheinwerfer auf der Bühne an und der Bass beginnt zu wummern. Ohne Umschweife schmettern die Young Fathers den Zuhörern ihre wuchtigen Beats entgegen. Kein «Hallo!», keine Nettigkeiten, dafür kraftvolle, ehrliche Musik. 

Pop klingt anders

Ihr Sound ist oft eigensinnig und unbequem, ein musikgewordenes Symbol dafür, wie es sich anfühlt, aus der eigenen Komfortzone herausgestossen zu werden. Die Young Fathers selbst bezeichnen sich als Popband. Ihre Musik spricht eine andere Sprache. Basslastiger Hip-Hop, roh, bisweilen düster. Doch die drei Männer aus Edinburgh wollen die Schubladen, in die sie gesteckt werden, gerne selbst aussuchen. Und sie möchten etwas bewegen im Popbusiness.

Für viele sei Musik bloss ein Hintergrundgeräusch beim Autofahren, sagen sie in einem Interview vom Frühling 2015. Im Radio werde einem immer dasselbe vorgesetzt, ewig gleichklingende Musik aus der Retorte, sodass kaum noch jemand aufmerksam zuhöre. Zu solcher Popmusik möchten die Young Fathers einen Kontrast setzen, mit Pop. Und wenn sie nur lange genug behaupten, solchen zu produzieren, dann lasse man sie hoffentlich auch mitmachen.

Im Fluss nehmen die Young Fathers schnell Fahrt auf. Kaum hat man sich an ein Stück gewöhnt, ist es auch schon wieder vorbei. Und wie beim Auftakt des Konzerts geht die Band weiterhin völlig unzeremoniell zur nächsten Nummer über. Was gäbe es auch weiter zu sagen, was die Young Fathers nicht schon mit ihren Texten ausdrücken?

Schon der Name des Aktuellen Albums «White Men Are Black Men Too» lässt erahnen: Da will jemand provozieren, stören, die Leute dazu bringen, auf Probleme zu achten, über die man gerne hinwegsieht. Stille ist Teil des Konzepts, die Songs reihen sich wie ein Block aneinander und stehen am Schluss als eine Einheit da.

Gegen Ende des Konzerts richten die Young Fathers dann doch noch einige Worte ans Publikum. Genauer gesagt, an die wenigen Tanzenden. «I saw you dancing back there. I liked how you just enjoyed yourselves and didn’t care.» Der feine Wink mit dem Zaunpfahl wurde verstanden: Die Band hatte wohl ein tanzfreudigeres Publikum erwartet. Für das letzte Lied erhebt sich die Masse, bevor der Gondoliere das Trio wieder an Land schifft. Dort geben sie a cappella das wirklich letzte Ständchen – fast wie in Venedig, nur wehmütiger.




Die Young Fathers bitten zum letzten Tanz des Abends. (Bild: ALEXANDER PREOBRAJENSKI)

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Weiter geht’s auf dem Floss am heutigen Donnerstagabend mit The Sonics. Olivier Joliat hat die Pioniere des Garagenrocks vor dem Konzert zum Gespräch getroffen. Das Interview lesen Sie hier: «Früher ging es ums Tanzen, nicht um die Show».

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