Kampf der Klassiker: Sinfonieorchester vs. AMG

Das Sinfonieorchester Basel geht eigene Wege und trennt sich von der Konzertveranstalterin AMG. Diese wird ihre Sinfoniekonzerte künftig mit anderen Orchestern durchführen. Ob der Basler Markt für einen weiteren Player im Veranstaltungsgeschäft genügend gross ist, wird sich zeigen müssen.

Das Sinfonieorchester wird seine Konzerte im Stadtcasino künftig selber durchführen – und hofft dabei auf volle Ränge. (Bild: Andreas Hidber)

Das Sinfonieorchester Basel geht eigene Wege und trennt sich von der Konzertveranstalterin AMG. Diese wird ihre Sinfoniekonzerte künftig mit anderen Orchestern durchführen. Ob der Basler Markt für einen weiteren Player im Veranstaltungsgeschäft genügend gross ist, wird sich zeigen müssen.

Eine lange Ehe geht zu Ende: Das Sinfonieorchester trennt sich von der Konzertveranstalterin, der Allgemeinen Musikgesellschaft Basel, um fortan die Zügel selbst in die Hand zu nehmen. Ab Saison 2012 will das Orchester die bisher von der AMG veranstalteten Haupt-Konzertreihen in Eigenverantwortung durchführen. «Die Erfahrungen der letzten Jahre hätten gezeigt, dass die Entwicklung einer starken Identität nach aussen hin nur möglich ist, wenn die künstlerische und operative Verantwortung für die Konzerte beim Orchester selber liegt», heisst es in einem Communiqué. «Unter externen Veranstaltern ist es trotz des hohen künstlerischen Niveaus des Orchesters und einem renommierten Chefdirigenten nicht gelungen, die negative Entwicklung der Publikumszahlen zu stoppen.»

Sinfonieorchester rechnet mit mehr Besuchern

Bereits in der laufenden Saison hat das Orchester das Marketing übernommen und ist aufgrund dieser Erfahrungen zuversichtlich, dass die Auslastung der Konzertreihen künftig gesteigert werden kann. «Wir haben ein PR- und Marketingkonzept, das wir intensiv promoten. Damit wollen wir den Publikumsschwund stoppen, ja, künftig sogar wieder zulegen», sagt Geschäftsleiter Franziskus Theurillat auf Nachfrage der TagesWoche. Dieser Schritt in die Eigenverantwortung sei fällig gewesen. «Dass ein Fremdveranstalter über das Orchester verfügt so wie das in Basel der Fall ist, gibt es anderswo nicht mehr.»

Für die Besucher ändere sich nichts: Die Abonnementsreihen mit dem Sinfonieorchester Basel werden wie gewohnt mit 8 Mittwochskonzerten und 6 Donnerstagskonzerten weitergeführt.

Auch die AMG hofft auf eine Win-Situation 

Und was sagt die AMG zu diesem Entscheid? Auch sie führt ihre Konzertreihen weiter, künftig mit anderen Orchestern. «Eigentlich hätte die AMG das Anrecht, das Sinfonieorchester Basel weiterhin an sich zu binden», erklärt Thomas Jung, der Geschäftsführer der AMG. Doch könne die AMG dieser Trennung auch positive Seiten abgewinnen: «Die Konzerte mit dem Sinfonieorchester Basel produzierten grosse Defizite, 300000 bis 400000 Franken pro Jahr», sagt Jung. Kosten, die der private Verein tragen musste.

Die Kooperation mit neuen Orchestern dürfte für die AMG kostengünstiger werden, fallen doch beispielsweise Saalmieten für Proben weg. Jung gibt sich optimistisch: «Wir bleiben der grösste Veranstalter auf dem Platz Basel», sagt er und verweist zuversichtlich auf das Programm der AMG-Sinfoniekonzerte der nächsten Saison: So wird das Kammerorchester Basel den Pianisten Jean-Yves Thibaudet begleiten, Thomas Hengelbrock das Weihnachtskonzert des Balthasar Neumann Chors und Ensembles leiten und Mikhail Pletnev die Kremerata Baltica nicht nur leiten, sondern dabei auch ein Comeback als Pianist geben. «Unsere Abonnenten werden auch in der neuen Saison voll auf ihre Kosten kommen», sagt Jung.

Ob der Standort Basel für diese Reihen – nebst weiteren bestehenden wie etwa den Coop- und Volkssinfoniekonzerten – gross genug ist? Die Zukunft wird es weisen.

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