Künstlerisches Spiel mit der Romantik im Schlafzimmer

In ihrem Projekt «Our Bedroom» zeigen Flurina Badel und Jérémie Sarbach einmal im Monat neue gemeinsame Werke. Das Paar reflektiert die Liebe in allen Facetten. Ihr Schlafzimmer wird jeweils für einen Abend zum Ausstellungsraum.

Ein rotes Herz nach dem anderen – Flurina Badel schickt Jérémie Sarbach Liebesbotschaften. Das dazugehörige Tippen wurde bis in das Treppenhaus hinausgetragen.

In ihrem Projekt «Our Bedroom» zeigen Flurina Badel und Jérémie Sarbach einmal im Monat neue gemeinsame Werke. Das Paar reflektiert die Liebe in allen Facetten. Ihr Schlafzimmer wird jeweils für einen Abend zum Ausstellungsraum.

Wir treffen uns an der Bärschwilerstrasse 26 in Basel. Am Sonntagabend wird hier eine kleine Ausstellung eröffnet – nicht in einer Galerie, sondern in einem gewöhnlichen Gundeldinger Wohnhaus. Wir gehen vorbei am Zimmer des Jazz studierenden Mitbewohners in das Schlafzimmer, das eigentlich gar kein Schlafzimmer mehr ist. Momentan ist es das Atelier, in dem die Kunststudierenden Flurina Badel und Jérémie Sarbach die Werke für ihre Ausstellungsreihe «Our Bedroom» entwerfen und gleich bauen. 

Hier steht eine grosse Skulptur: eine Art Fernrohr auf einem Betonsockel, der von Erde und Blumen umgeben ist. Das Fernrohr dreht sich um die eigene Achse und projiziert eine mehrstündige Videoanimation auf die Wände des kleinen Zimmers. Wir sehen zunächst fliessendes Wasser, dann schlägt die Projektion um und lässt Herzen und Pfeile umherschwirren.

Die Wechselwirkungen seien wie in einer Beziehung: Sie können launisch sein, weiss das Paar. Daher der Titel der Ausstellung «The Capricious Upcurrents» innerhalb der Reihe. Zusätzlich zur Installation wird der Raum von den Stimmen des Sängerduos Thomas Reck und Dina Jost umgeben sein.



Die neue Ausstellung wird vorbereitet.

Die neue Ausstellung wird vorbereitet. (Bild: Katharina Good)

Wir sind diesmal in Sarbachs WG in Basel, das Projekt ist aber nicht geografisch eingeschränkt. Einzelne der monatlichen Etappen könnten auch im bündnerischen Guarda oder in einer walliser Jagdhütte stattfinden. Immer dort, wo in diesem Jahr eines ihrer Schlafzimmer sein wird.

Das erste öffentliche Schlafzimmer befand sich in Brooklyn, New York. Da zeigten Badel und Sarbach im Dezember vier Werke. Darunter war eine Arbeit mit zwei ineinander verflochtenen Fotostreifen aus einem Automaten: Fotos einer neuen, gemeinsamen Identität des Künstler- und Liebespaares.

Sarbach hatte ein Semester lang in den USA studiert, gleich nachdem sich Badel und er ineinander verliebt hatten. «Die Distanz zwischen uns war sehr hilfreich», sagt er und fügt rasch hinzu: «Für unsere Kunst.» Die Sehnsucht und die medialen Möglichkeiten, diese zu überbrücken, hallen auch in den Arbeiten weiterer Ausstellungen wider.

Romantik für die Kaninchen

Badel und Sarbach spielen mit den Vorstellungen von Romantik und dem oft damit verbundenen Kitsch. Für die Januar-Ausstellung «In the Shadow of the Rainbow» ersetzten sie das Bett durch ein Kaninchengehege. Ein männliches und ein weibliches Kaninchen lagen auf einem Regenbogen aus gefärbten Holzspänen, neben ihnen brannten karottenförmige Kerzen.

Das Gehege haben Badel und Sarbach wie all ihre Werke gemeinsam gebaut. Weder in ihrer Arbeit noch im Alltag machen sie Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Für «Our Bedroom» hätten auch beide gelernt zu programmieren.



Kaninchen im Bett – die Januar-Ausstellung.

Kaninchen im Bett – die Januar-Ausstellung.

In der bisher letzten Ausstellung, mit dem ebenso langen wie zungenbrecherischen Titel «Talepumpingbeatmachine», führten Badel und Sarbach eine dreistündige Performance durch. Auf hohen Sitzen sassen sie einander gegenüber und schrieben sich abwechselnd Liebesbotschaften auf der Schreibmaschine: Herzen aus Nullen, die sie rot ausmalten und sich gegenseitig durch das Drehen der Walze schickten. Auf den Hochsitzen waren sie selbst ausgestellt und befanden sich gleichzeitig erhöht, wie im siebten Himmel. Auf den Schreibmaschinen waren je ein Mikrofon und eine Webcam befestigt, die die Liebesnachrichten abstrakt wiedergaben.

Für die weiteren Etappen von «Our Bedroom» seien viele Ideen vorhanden. Die Umsetzung lassen die beiden aber noch offen. «Wir reden frühestens am Tag der Ausstellung über die nächsten Arbeiten», erklärt Badel. Bis dahin konzentrieren sie sich auf die aktuelle Etappe. «Es ist uns wichtig, dass beide hinter allen Entscheidungen stehen können», sagt Sarbach. «Wir machen keine Kompromisse.» Wenn sie keine Einigung finden, schlagen sie eine komplett neue Richtung ein. Ähnlich wie die Herzen im Video der kommenden Ausstellung immer wieder ihre Richtung ändern.

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Die Ausstellung mit dem Titel «The Capricious Upcurrents» an der Bärschwilerstrasse 26 ist am Sonntag, 22. März von 18 bis 21 Uhr geöffnet. Alle Etappen des Projekts «Our Bedroom» werden auf der Facebook-Seite kommuniziert.

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