Kunst- und Wunderkammer mit Zugaben

Der letzte Event des dreiteiligen Projektes «Stadt(t)räume» von supe aka Susanne Schär und Peter Spillmann im Kleinen Markgräflerhof an der Augustinergasse ist ein Augenschmaus, mit Schokolade fürs Gemüt.

The Lore, Ben Weinblum 2013 (Bild: zVg)

Der letzte Event des dreiteiligen Projektes «Stadt(t)räume» von supe aka Susanne Schär und Peter Spillmann im Kleinen Markgräflerhof an der Augustinergasse ist ein Augenschmaus, mit Schokolade fürs Gemüt.

In einem kleinen intimen Raum sind die Leihgaben von über 90 Kunstschaffenden aus Basel aufgestellt und gehängt. Als zeitgenössische Artificialia, Naturalia, Scientifica, Exotica und Mirabilia könnten sie bezeichnet werden, die Dinge also, welche in den Kunst- und Wunderkammern seit der Renaissance ihren Platz gefunden hatten. Ob diese nun die heutige Weltanschauung und den aktuellen Wissensstand widergeben, sei mit einem Augenzwinkern dahingestellt.

Jedenfalls sind es Raritäten und Kuriositäten – und sie geben darüber Auskunft, wie die Kunstschaffenden auf die Einladung reagiert haben, Dinge zu bringen, «die normalerweise im Versteckten bleiben, die nicht unbedingt bewusst geplant und auch nicht als Kunst gemeint sind. Stille Wegbegleiter, die so etwas wie eine sinnliche Präsenz oder magische Aura ausstrahlen und die vielleicht in direkter oder indirekter Form als Inspirationsquelle dienen». Vorgabe war weiter, dass die Gaben maximal 25 x 25 x 25 cm messen.

Natürlich haben einige sich nicht an diese Einschränkung gehalten, viel Winziges und Filigranes ist aber auch zu sehen. Ein Sammelsurium von Objekten blättert sich in drei kompakten Installationen auf, die auch die Frage danach aufwerfen, ab wann denn nun etwas ein Kunst-Objekt ist.

Die Liste der teilnehmenden Kunstschaffenden liest sich ein bisschen wie das Who-is-Who der regionalen Kunstszene. Kennt man die Arbeiten derselben, so merkt man, dass ein paar von ihnen gar nicht aus der Künstler-Haut können, andere wiederum zeigen Untypisches, Witziges, Provozierendes, auch im Bezug zum eigenen Werk.

Grashalme wie Zinnsoldaten

Während dem ersten Wochenende der Ausstellung waren die Besuchenden eingeladen, einen Grashalm aus Balsenholz zu schnitzen. Wie kleine Zinnsoldaten, in Reih und Glied eingesteckt, stehen nun die «Basler-Halme» als grasgrüne Grashalmskulpturen, jede mit einer Nummer versehen, im Rasenbeet. Diese hübsche Akribie spiegelt das «Milchbüchlein» des Künstlers Thomas May, in welches er fein säuberlich einträgt, wer welchen Grashalm wann geschnitzt hat.

May realisiert seit 2001 das «GrashalmProjekt» in verschiedenen Ländern weltweit, und 2004 wurde das GrashalmInstitut gegründet. Seine Sammlung ist unterdessen auf 14’000 Halme angewachsen und das Spriessen hat kein Ende!

Die zweite «Geschichte» wird von Ben Wineblum erzählt. Er ruft in seiner Installation «The Lore of Tatarî Oğuz Effendi» mit Video, Skulptur und Praliné den Basler Aufenhalt 1861 vom osmanischen Gelehrten Tatarî Oğuz Effendi in Erinnerung. Dessen Schokoladen-Rezept wurde vom Staatsarchiv ausgegraben und die magische Schokolade in Zusammenarbeit mit Beschle Chocolatier Suisse nachproduziert. Zur Finissage am Sonntag, 10. März, ab 17 Uhr, kann degustiert werden.

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