Was machen die da? Performance, Baby!

Die Museumsnacht ist die perfekte Gelegenheit, sich endlich auf Performancekunst einzulassen.

Der Schweizer Performancekünstler San Keller schneidet den Besuchern der Museumsnacht die Haare.

Die Museumsnacht, das weiss jeder, ist der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, um ins Museum zu gehen. Zumindest dann, wenn man sich für Ausstellungen interessiert. Es ist ein wenig so, wie wenn man seinen Weihnachtsenthusiasmus ausgerechnet am letzten verkaufsoffenen Sonntag im Advent ausleben wollte. Viel zu viele Leute, viel zu viele Nebengeräusche.

Wenn man sich jedoch vom Gedanken verabschiedet, interessante Exponate zu betrachten, ist die Museumsnacht eine bäumige Geschichte. Die Ausstellungen links liegen gelassen, eröffnet sich dem Besucher nämlich ein üppiges Rahmenprogramm: Bars und Restaurants allenthalben, reihenweise Workshops, überall spielt die Musik – live und ab Konserve.

https://tageswoche.ch/allgemein/basel-hat-ein-neues-musikfestival-klingt-museum/

Die diesjährige Ausgabe bietet aber auch Anlass, sich auf eine Kunstform einzulassen, die oft etwas abseits spielt und manchmal sogar Berührungsängste weckt: die Performancekunst.

Mit Performance bringen Laien tendenziell solche Bilder in Verbindung:

Die Künstlerin Ernestyna Orlowska anlässlich ihrer Performance «God is a Girl» in der Stadtgalerie Bern.

Da sitzt man dann in einer kahlen Galerie unbequem am Boden. Auf Augenhöhe mit dem bemalten Hintern. Oder man versucht, sich stehend nicht an den weissen Wänden anzulehnen, weil das in diesem Kontext doch unschicklich wirkt, während vorne ein Künstler seine Kunst zeigt (aufführt? ausstellt?). Man weiss nichts so recht mit sich anzufangen.

Vielleicht wirft man irgendwann auch einen verstohlenen Blick auf die Uhr. Frühzeitig rausgehen ist wohl auch unschicklich. Obwohl, schicklich? Gehts in einer Performance nicht genau darum, Grenzen auszuloten?

Das Publikum einer Performance liefert sich aus. Keine Kunstform berührt  unmittelbarer. Dieser Kontrollverlust ist wohl schuld daran, dass Performancekunst primär in eingeweihtem Kreise genossen wird.

Doch die Performance lebt. Sie sei «angekommen», schrieb die «bz Basel» im Herbst anlässlich eines Zusammenschlusses dreier renommierter Basler Kunstinstitutionen, die sich noch bis Mitte Februar in einer Art Gesamtschau der Schweizer Performancekunst widmen.

Auch an der Museumsnacht geniesst diese unmittelbarste aller Kunstformen heuer einen grossen Auftritt. Ihr Live-Charakter macht sie zum idealen Termin im Rahmenprogramm.

Wer sich also endlich einen Ruck und der Performancekunst eine Chance geben will, muss eine Auswahl treffen. Eine Entscheidungshilfe mit (eher rätselhaften) Beschreibungen aus dem Programmheft:

20 Uhr, Digitale Sinnwelten – HEK (Haus der elektronischen Künste)

Die russische Sängerin Anastasia Tolchneva und der Medienkünstler Dmitry Morozov interagieren mit einem selbstgebauten kybernetischen Gerät.

Ab 23 Uhr spielen dann Teletext, Commodore-64 und Schreibmaschinen die Hauptrollen in der Performance von Raquel Meyers. Das sieht dann vielleicht ungefähr so aus:

18 Uhr, Ab auf die Bühne! – Kunsthalle

Hier gibt es den ganzen Abend über Live-Performances zu sehen, von jungen Schweizer KünstlerInnen wie Florence Jung, Nils Amadeus Lange, Jérome Leuba, Marta Margnetti und Yves Scherrer.

Ebenfalls empfehlenswert, wenn auch nicht direkt eine Performance: Ju Ju’s Juice Bar. Der junge Mann stellt mit Früchten Dinge an, an die ihr noch nie auch nur gedacht habt.

18 Uhr, Perform The Museum! – Museum Tinguely

Von recht hohem praktischen Wert ist San Kellers Performance «Nach der Kunst». Der Schweizer Künstler schneidet den Besuchern die Haare. Wobei, Kontrollverlust beim Friseur? Da ist echte Zuversicht gefragt.

Dazu kann man sich selber als Tinguely-Skulptur verewigen lassen oder in die Zukunft blicken, wie sich Performances an elektronische Helfer auslagern lassen. Der Roboter DAI lernt tanzen.

19.30 Uhr, Die neunte Kunst – Cartoon Museum

Fragt Comiczeichner Ralf König in einer Bühnenperformance «Wer Angst hat vor dem Klimakterium virile?», dann geht es nicht um den Klimawandel, sondern um die Andropause, besser bekannt als Wechseljahre des Mannes.

18 Uhr, Duftwelten – Spielzeug Welten Museum

Das Körpertheater «Living Frames» drückt sich als «Parfumflakons» gegen gespannte Tücher.

Was sonst noch alles läuft während der Museumsnacht:

https://tageswoche.ch/allgemein/wenn-bilder-tanzen-und-objekte-singen-auf-zur-18-basler-museumsnacht/

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