McDonald’s entdeckt Hochkultur

Der Burger-Riese macht Werbung mit Ölgemälden von Marie Antoinette. Blasphemie? Nein, nein, McDonald’s hat entdeckt, was die Königin eigentlich begehrt hätte.

Marie Antoinette kurz vor dem Höhepunkt der Lust.

Der Burger-Riese macht Werbung mit Ölgemälden von Marie Antoinette. Blasphemie? Nein, nein, McDonald’s hat entdeckt, was die Königin eigentlich begehrt hätte.

Marie Antoinette kurz vor dem Höhepunkt der Lust.

Marie Antoinette kurz vor dem Höhepunkt der Lust.

Mc Donald’s wirbt für ihre Royal-Burger mit Gemälden aus dem 18. Jahrhundert. Besonders schön anzuschauen auf den beweglichen Anzeigen im Internet. Wenn Sie Glück haben, läuft ein Clip in diesem Moment auf dieser Seite. Der Burger fährt beispielsweise zum Mund einer spätbarocken Dame (mein Favorit), und durch die schiere Nähe verdreht sie vor Lust die Augen.

Blasphemie? Provokant? Ach wo, so einfach geht das nicht mehr. Vielleicht hat McDonald’s sogar den Nagel auf den Kopf getroffen. Das Bild zeigt Marie Antoinette, die Habsburgisch-Lothringsche Edeldame, die in Paris den zukünftigen König Louis XVI geheiratet hat. Der Maler ist unbekannt, eventuell war es Jean-Baptiste Gautier Dagoty. Allein diesen Namen im Zusammenhang mit Burgern zu lesen, die zu schwer im Bauch liegen, ist ein Gedicht. Doch zurück zur Königin. Anstatt die Biographie über Marie Antoinette von Stefan Zweig zu lesen, die seit zwölf Jahren in meinem Regal steht, habe ich mich bei Wikipedia schlau gemacht, das scheinbar sehr kompetent Auskunft gibt.

Jetzt erst recht

Einmal in Paris angekommen, gab sie nicht viel auf die Pflichten bei Hof. Sie ignorierte den noch amtierenden Louis XV, die Etiquette nervte sie, sie feierte gern Partys und verspielte unheimlich viel Geld. Was sie bei der oftmals hungernden Bevölkerung nicht beliebter machte. Statt ihrem Gatten den fiebrig erwarteten Thronfolger zu gebären, sagte man ihr Affären nach und sogar Homosexualität. Ob das stimmt, weiss niemand, der Sohn kam dann im übrigen noch.

Jedenfalls war sie eine Frau der Sinnlichkeit statt der vornehmen Selbstführung. Schwer vorstellbar, dass so ein Industrieburger in seiner ganzen Schlimm-Geilheit sie kalt gelassen hätte. Manchmal muss es doch sein, ein McDonald’s-Menü. Es hat was Selbstzerstörerisches. Jetzt erst recht, denkt man, und beisst rein.

Ein anderer Clip zeigt den französischen Maler Joseph Boze, der sich selbst porträtiert hat. Boze hatte sich durch Gemälde von Edelleuten einen Namen gemacht. Als es während der Revolution zum Prozess gegen Marie Antoinette kam, sagte er zu ihren Gunsten aus. Zwar hatte er es besser als sie, die 1793 hingerichtet wurde, doch musste er nach England fliehen. Für seine Courage hat auch er einen Burger verdient (mit Chili).

Auf manchen Clips dürfen beide sogar zubeissen und richtig mampfen. Allerdings besudeln sie sich dabei mit Burgergemüse. Das ist nun wirklich schaurig und sicherlich ein historisches Missverständnis. Diese Spitze sei McDonald’s als Provokation angerechnet.

Konversation

  1. „Besonders schön anzuschauen auf den beweglichen Anzeigen im Internet. Wenn Sie Glück haben, läuft ein Clip in diesem Moment auf dieser Seite“ – nein, eben genau das will ich nicht. Keine animierte Werbung neben dem Inhalt, den ich gerade zu konsumieren beabsichtige. Genau das macht Werbung für mich im Internet zu einem Problem (für mich…) und genau deswegen tue ich alles, um das zu verhindern.

    Ich glaube, dass eine Werbeagentur, die derartige animierte Anzeigen schalten lässt genau das Gegenteil erreicht, was sie erreichen will: Sie erregt Aufmerksamkeit, aber kein Wohlwollen, eben genau wegen der Ablenkung, die sie erzeugt hat.

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  2. Der erste Beitrag der TAWO zur Saurengurkenzeit.
    Mit dem hinweis, dass immer weniger hier ihre
    kommentare wieder finden respektive schreiben
    – da ohne ersichtlichen grund gelöscht z.b.
    bei W essels.
    vielleicht reibt sich eure Mäzrmin mal die augen.
    Fazit: BAZ kontea TAWO beide im minus, weil
    es keine anständigen rechercheure sondern nur
    noch schlecht bezahlte artikelschreiberlinge…

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