Mut zum Label: Indiz an der Blickfang

Das neue Rucksacklabel Indiz von Iris Staudecker und Andri Werlen aus Basel will Gebrauchswert mit Ästhetik verbinden. Die Designmesse Blickfang wird zeigen, ob der Plan für die beiden aufgeht.

Andri Werlen schwingt einen Indizrucksack, der per Siebdruck zum Unikat gemacht wurde. Neben ihm Iris Staudecker. (Bild: Hansjörg Walter)

Das neue Rucksacklabel Indiz von Iris Staudecker und Andri Werlen aus Basel will Gebrauchswert mit Ästhetik verbinden. Die Designmesse Blickfang wird zeigen, ob der Plan für die beiden aufgeht.

Die Designmesse Blickfang steht ins Haus, und hier sind zwei Leute, die sie dringend brauchen: Sie soll der Startschuss sein für ihr neues Label Indiz. An diesem Wochenende wird sich zeigen, ob die Leute am Stand der beiden Mittdreissiger Iris Staudecker aus Oberösterreich und Andri Werlen aus Basel stehen bleiben und ihre Rucksäcke nicht nur hübsch finden, sondern sie auch wollen.

Mit dem Design von ausgefeilten Taschen und Rucksäcken ist Indiz nicht allein. Praktisch, unzerstörbar und hip, das Zürcher Label Freitag hat es vorgemacht, und viele haben es nachgetan. Trotzdem glauben Staudecker und Werlen, eine Nische gefunden zu haben. «Rucksäcke sind entweder schön und stylisch oder funktional», sagt Werlen. Man hat die Wahl zwischen Retrorucksäcken, wie sie gerade inflationär auf allen Rücken zu sehen sind, und Outdoor-Rucksäcken.

Die ersten taugen nicht, wenn man bequem mal etwas mehr tragen will, während die Sportrucksäcke tausend Taschen, Gadgets und Lüftungskanäle haben und in der Regel so schlecht designed sind, dass sie nicht mal als Stilbruch durchgehen. «Indiz» will beides sein: ein technisch guter Ruckack, der auch schön ist oder – um es mit dem Wort der Stunde zu sagen – «urban».

Aufwendiger als ein Tisch

Ein halbes Jahr haben sie jetzt Schub gegeben, um ihre Kollektion von fünf Rucksäcken präsentieren zu können. Staudecker bringt dazu das Wissen mit, denn sie hat jahrelang beim Schweizer Outdoorlabel Mammut gearbeitet. Werlen hat eine Vorform zu einem der jetzigen Modelle produziert, als er bis letztes Jahr noch mit seinem Label Merkmal unterwegs war.

Man darf sich das malerisch vorstellen: Im Hinterhof eines Hauses im St. Johann haben die beiden ihre Nähmaschinen stehen. Hier haben sie die Modelle entworfen, die Rucksäcke genäht, und einer Edition von Unikaten per Siebdruck Farbe verliehn. Vor der Tür tischlert Werlen Holzmöbel für den Messestand, an einem anderen Tisch wurden der Schriftzug des Labels gezeichnet und die Website geschrieben. Seit Dienstag ist Indiz online. Alles aus einer Hand – bis jetzt.

Denn so, wie die Ruckäcke jetzt entstanden sind, ist das Stück 1000 Franken wert. Das zahlt kein Mensch. Obwohl die Rucksäcke schlicht daherkommen, sind sie komplex und brauchen viel Näharbeit. «Viel aufwendiger als ein Tisch», sagt Werlen. Für einen Tisch aus einer lokalen Werkstatt muss man Tausende Franken hinlegen, das weiss jeder und mancher tuts. Auch für einen Pulli aus der Quartierschneiderei zahlt man mit einem guten Gefühl zwei- bis dreihundert Franken, obwohl die Näharbeit vergleichsweise ein Klacks ist. «Aber einen guten Rucksack glauben die Leute ab 150 Franken zu bekommen.»

Ein ästhetisches Gebrauchsobjekt

Rucksäcke sind garantiert nicht lukrativ, aber für Staudecker und Werlen geht Leidenschaft vor. Staudecker ist urprünglich Modedesignerin, hatte jedoch irgendwann «die Nase voll von dem Modezeugs». Werlen hat als Architekt gearbeitet, als Tischler und ausserdem das Label Merkmal betrieben. Er hat sich über Wasser halten können und die Vielfalt geschätzt – «gerade die Arbeit mit Holz und Metall ist das beste für die Seele». Dennoch will er nun fokussieren, denn Indiz soll für beide die erste eigene Marke werden, die professionell funktioniert. Kontinuität soll her, zumal beide ein kleines Kind haben.

Nun also Rucksäcke. «Es ist unser gemeinsamer Nenner», sagt Staudecker. Vielleicht kann man es so sagen: Es ist ein Designobjekt, ohne den Anstrich von Design zu haben. Ein Gebrauchsobjekt, zu dem auch eine gute Ästhetik gehört. «Und es ist befriedigend, ein gutes Produkt von Grund auf zu entwickeln, das auch anderen gefällt», sagt Staudecker.

Die Produktion müssen sie allerdings auslagern. Bislang hatten sie eine deutsche Firma auf dem Schirm, die in Tschechien produziert. Doch eine lukrative Produktion ist in Europa nicht möglich. Wahrscheinlich führt längerfristig kein Weg an Asien vorbei, da auch das ganze Rucksack-Know-how nach Vietnam abgewandert ist. «Ideal wäre es, wenn wir den gleichen Rucksack swissmade für 800, aus Osteuropa für 500, und aus Asien für 300 Franken anbieten und so den Kunden wertungsfrei mit diesem Thema konfrontieren könnten.»

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Die Designmesse Blickfang findet vom 9. bis 11. Mai in der Messehalle 3 statt.
www.blickfang.com

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