«Night of the Living Dead»: Diese Nachbarn sind zum Fürchten

Seit 46 Jahren lehrt der Low-Budget-Schocker «Night of the Living Dead» von George A. Romero sein Publikum mit ganz alltäglichen Monstern das Gruseln.

Schokoladensirup als Blutersatz – und trotzdem: Den Zuschauern, die am 1. Oktober 1968 «Night of the Living Dead» erstmals sahen, verging der Appetit auf ihr Popcorn gründlich. Für gerade einmal 114’000 Dollar klatschte Spielfilmdebütant George A. Romero einen Schwarzweiss-Schocker auf die Leinwand, der eher Kriegszustand als Gruselkabinett war.

Der Zombiefilm, in dem das Wort Zombie kein einziges Mal fällt, revolutionierte den Kinohorror. Blutrünstig, aber ohne Farbe, mit weissen Untoten und einem schwarzen Helden, verdichtete «Night of the Living Dead» den konformistischen Druck des «American Way of Life» und den medialen Horror des Vietnamkrieges zur bissigen Endzeitvision einer sich selbst kannibalisierenden Zivilgesellschaft.

Appetit auf Menschenfleisch

Alles fängt mit einem schlechten Scherz an. «Sie werden dich holen, Barbara!», macht Johnny seiner Schwester bei einem Friedhofsbesuch Angst, und dann kommen sie tatsächlich: schlurfende Gestalten mit Appetit auf Menschenfleisch.

Johnny geht als Erster hops, Barbara flüchtet in ein abgelegenes Haus, in dem sich ein kleines Grüppchen Überlebender verschanzt: Radioaktive Strahlung, eine Sonde von der Venus – irgendetwas hat die frisch Verstorbenen tollwütig werden lassen, quäkt das Radio hilflos.

Der Geniestreich Romeros lag darin, dass er den Zombie einbürgerte: Der lebende Tote war nicht länger ein B-Movie-Gastarbeiter aus der Karibik, sondern unser «Nachbar», wie der Regisseur ihn vertraulich nennt. Die marodierenden Monster dienen als Katalysator und Kontrastmittel für das wirklich Böse, das im Menschen lauert – Feigheit, Dummheit, Gier.

Die Situation im belagerten Haus eskaliert rasch: Der Schwarze Ben übernimmt die Führung, doch seine Hautfarbe macht ihn zur Zielscheibe rassistischer Ressentiments. Zuletzt stirbt auch die Hoffnung.

Zombies für alle

Obwohl die Kritik «Night of the Living Dead» anfänglich in der Luft zerriss, wurde die Independent-Produktion zum Kultfilm, der seine Kosten um das 260-Fache einspielte. Ironischerweise verlor Romero die Rechte an seinem Werk, weil der Verleiher auf den Filmstreifen einen Copyright-Hinweis vergessen hatte.

«Night of the Living Dead» unterliegt der Gemeinfreiheit: Er ist der zweitmeist heruntergeladene Film auf Internet Archive, und auf YouTube finden sich gleich mehrere Versionen, darunter nachträglich eingefärbte. Es geht eben nichts über gute Nachbarn an Schokoladensirup!


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