Philip, John, Arvo and Michael

Ende April reist das Sinfonieorchester Basel für sieben Konzerte nach London, Cambridge, Coventry und Cardiff. Im Gepäck sind Werke von Komponisten, mit denen Chefdirigent Dennis Russell Davies eng befreundet ist: Philip Glass, John Adams, Arvo Pärt und Michael Nyman.

«Philosophisch und menschlich die gleiche Grundhaltung»: Mit den vier Komponisten verbindet SOB-Chefdirigent Dennis Russell Davies eine enge Freundschaft. (Bild: Benno Hunziker)

Ende April reist das Sinfonieorchester Basel für sieben Konzerte nach London, Cambridge, Coventry und Cardiff. Im Gepäck sind Werke von Komponisten, mit denen Chefdirigent Dennis Russell Davies eng befreundet ist: Philip Glass, John Adams, Arvo Pärt und Michael Nyman.

Nach Ostern ist es soweit: Das Sinfonieorchester Basel (SOB) bricht zur grossen England-Tournee auf. Der Fokus liegt auf dem «More than Minimal – Mini(malmusic) Festival» in der Londoner Cadogan Hall, zu dem das SOB nicht zuletzt wegen seines Chefdirigenten Dennis Russell Davies eingeladen wurde. Davies gilt als Spezialist für Minimalmusic, die im englischen Sprachraum äusserst erfolgreich, hierzulande aber etwas belächelt wird. «Es ist Musik, die direkt anspricht», sagt Davies. «Aber mit ihrer repetierenden Dreiklangsharmonik ist es gleichzeitig eine Provokation gegenüber der europäischen Avantgarde.»

Dabei sind diese Komponisten auch einem Klassik-fernen Publikum bekannt: Michael Nyman und Philipp Glass schrieben zahlreiche Filmmusiken; Arvo Pärts Vokalwerke werden in vielen Kirchen aufgeführt; und John Adams hat sich in nahezu jeder Gattung musikalisch verewigt.

Mit allen vier Komponisten verbindet Davies eine enge Freundschaft, so dass er weiss: «Manche Werke haben musikalisch nicht viel miteinander zu tun – aber philosophisch und menschlich teilen diese Komponisten die gleiche Grundeinstellung», so Davies. Damit auch das Basler Publikum das Tourneeprogramm hören kann, gibt es in den kommenden Tagen mehrere Konzerte, Einführungen und Filmvorführungen.

Der grosse Schnitt

Die Tageswoche begleitet exklusiv die England-Tournee des Sinfonieorchesters Basel und berichtet ab 23.4. täglich aus London.

Zwei Konzerte mit verschiedenen Programmen am Mittwoch, 9. April, und Donnerstag, 10. April, finden jeweils um 19.30 Uhr im Musiksaal des Stadtcasinos Basel statt .

Entdeckerkonzert «Made in USA», Mittwoch, 9. April, 16.00-19.00 Uhr im Stadtcasino. Eintritt frei.

www.sinfonieorchesterbasel.ch

Solch ein reichhaltiges Angebot für eine intensive Auseinandersetzung mit einem Musikstil war in der Vergangenheit mit dem Sinfonieorchester nur wenig zu erleben. Bei der gestrigen Frühjahrsmedienkonferenz sprach Franziskus Theurillat, Geschäftsleiter des Sinfonieorchesters Basel, denn auch noch immer andächtig vom «grossen Schnitt». Zwei Jahre ist es nun her, dass sich das Orchester von der Allgemeinen Konzertgesellschaft (AMG) trennte. Der Schritt in die Selbstständigkeit war wagemutig, aber auch dringend notwendig.

Dass das Orchester damit derzeit auf einer ansteigenden Erfolgslinie unterwegs ist, bestätigen die Zahlen: Die verkauften Abonnemente liegen mit 1300 in der aktuellen Spielzeit – der zweiten in Eigenregie – schon jetzt über jenen aus AMG-Zeiten; spezielle Schülerabos und Konzerteinführungen für Schulklassen bescheren einen tieferen Altersdurchschnitt beim Publikum; und die Auslastung liegt mit 70% zwar nicht sonderlich hoch, aber doch deutlich höher als in der letzten Spielzeit (60%).

Die Anzahl der Konzertformate steigt zwar langsam ins Unübersichtliche (elf, darunter «Cocktail-» und »Entdeckerkonzerte», «Schwarz auf Weiss», «Cube Session», «Crosslinks» und «Punkt12»), doch werden in der kommenden Saison selbst Stars wie Patricia Kopatchinskaja in den kleinen Formaten auftreten.

«Spezielle Basler Situation»

Überhaupt wartet das Sinfonieorchester für 2014/15 mit einem dichten Aufgebot an bemerkenswerten Künstlern auf: Elisabeth Leonskaja, Fazil Say, Isabelle Faust und Vesselina Kasarova – um nur einige zu nennen – werden in Basel zu hören sein. Die Konzertprogramme zeigen auffallend viele Werke des 20. Jahrhunderts – dank einer neuen Kooperation mit der Paul Sacher Stiftung, die die jeweiligen Konzerte mit Einführungen und Ausstellungen begleitet.

Ob und wie das Sinfonieorchester bzw. sein Chefdirigent Dennis Russell Davies in der kommenden Saison im Theater Basel auftreten werden, steht allerdings noch in den Sternen. Man habe frühzeitig das Gespräch sowohl mit dem neuen Intendanten Andreas Beck als auch mit der neuen Opernchefin Laura Berman gesucht, um über die «spezielle Basler Situation» zu sprechen, so Theurillat. Doch selbst Davies, der Beck bereits im November in Wien persönlich gesprochen hat, wartet weiterhin auf eine Antwort.

Auch die Spielstätte für die Zeit während des Umbaus des Stadtcasinos zwischen 2016 und 2018 ist noch unbekannt. Doch zunächst steht die Tournee nach England an: «Diese Einladung ist eine grosse Auszeichnung für das Orchester», sagt Davies – und fügt nicht ohne Stolz an, dass die dort gespielten Werke ein «agiles und virtuoses Orchester verlangen, wie es nur sehr wenige gibt».

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