Raum frei für die regionale Kunst

Die Kunsthalle Basel leistet zur diesjährigen «Regionale» einen ruhigen Beitrag. Sie setzt sechs künstlerische Positionen, die sich mit Raum und Architektur auseinandersetzen, zu einer stimmigen Ausstellung zusammen.

(Bild: Alexander Preobrajenski)

Die Kunsthalle Basel leistet zur diesjährigen «Regionale» einen ruhigen Beitrag. Sie setzt sechs künstlerische Positionen, die sich mit Raum und Architektur auseinandersetzen, zu einer stimmigen Ausstellung zusammen.

Seit drei Jahren bietet das Konzept der «Regionale» den teilnehmenden Häusern die Möglichkeit, für ihre Ausstellungen nicht nur aus den eingegangenen Dossiers zu wählen, sondern auch Künstler und Künstlerinnen direkt einzuladen. Wie gut dies der einst als Sammelsurium verpönten Jahresausstellung tun kann, sieht man in der Kunsthalle Basel.

Das Kuratorenteam Adam Szymczyk, Fabian Schöneich und Mareike Spendel hat sechs Positionen ausgesucht, die sich in ihrer Arbeit auf Architektur und Raum beziehen, und schaffen damit nicht nur ein für die Ausstellung funktionierendes Konzept, sondern auch eine Schau, die sich in das reguläre Jahresprogramm der Kunsthalle selbst gut eingliedert. Immer wieder thematisiert die Kunsthalle den Raum. 2005 liess die Künstlergruppe Superflex die Räume der Kunsthalle leer – und forderte die bezahlten Besucher dazu auf, über Museumsräume an sich nachzudenken. 2008 setzte sich die Schau «Rooms look back» mit Raumkonzepten auseinander, und vor zwei Jahren etwa untersuchte «After Architects» das Verhältnis zwischen Künstler und Architektur.

Abwesende Räume

«When I look at things, I always see the space they occupy», so der Titel der diesjährigen «Regionale»-Ausstellung und gleichzeitig ein Andy-Warhol-Zitat, verfolgt nun einen Ansatz, der sich zwar auch auf Raum und Architektur, aber viel stärker noch auf die künstlerische Praxis per se bezieht. Direkt aufgegriffen hat das Zitat der deutsche Künstler Mandla Reuter: Er hat es als Titel für ein Klingelschild mit seinem Namen verwendet. Dieses Bronzeschild inklusive Klingel findet sich nun unterhalb der Kunsthalle-Klingel – wird dort geklingelt, hört man dies in den Ausstellungsräumen. Reuter suggeriert damit seine Anwesenheit, etwas, was auch in seiner zweiten, raumfüllenden Installation im Innern der Kunsthalle der Fall ist.

In L.A. hat Reuter ein kleines Grundstück gekauft. Auf einem Plan ist dieses exakt eingezeichnet, auch die Strasse, an der es liegt. Nur ist das Land ist nichts als Brache, noch nichts ist gebaut, und Briefe, die man an diese Adresse schickt, kommen ungeöffnet wieder zurück. In den weissen Teppich eingestampfte Erde und eine Kopie des Grundstückplans jedoch sollen in der Austellung den Beweis erbringen, dass das Grundstück existiert.

Reale Architekturen

Auf ganz reale Architekturen nimmt Renate Buser Bezug. Die Basler Künstlerin fotografiert Fassaden und formt sie durch Knicke zu Reliefs um, wodurch spezifische Besonderheiten der Gebäude betont oder verfremdet werden. Thomas Hauri hingegen schafft in seinen grossformatigen Aquarellen frei erfundene Formen, die scheinbar auf Architekturen verweisen.

Die Räume mit ihren Arbeiten erreicht man, wenn man den ersten Saal durchquert hat. Wobei uns Sylvain Baumann diesen Gang erschwert: Seine Arbeit «Bardage» besteht aus mehreren aufgestellten Wandelementen, die an Ruinen erinnern. Besucher müssen einem Hindernislauf gleich ihren Weg durch diese Barrieren suchen.

Baumann ist einer von zwei Künstlern in dieser Ausstellung, deren Arbeiten die Kuratoren über die Dossiers der «Regionale» aufgefallen sind. Die andere ist Capucine Vandebrouck. Ihr Interesse gilt vor allem den Eigenschaften bestimmter Materialien, die sie in meist untypischer Form präsentiert. Markus Müller wiederum imitiert natürliche wie künstliche Materialien. Was in seiner Installation «Place» aussieht wie ein Holzlaminat und Schiefer, ist in Wahrheit gemalt. Die Illusion löst sich schnell auf, wenn man die Oberflächen genau betrachtet.

Filmprojekt

Mit den Arbeiten in der Kunsthalle können sich nun die Besucher für ein paar Wochen auseinandersetzen. Eine Klasse der Sekundarschule Margelacker hat dies in einem Projekt der Kunstvermittlung der Kunsthalle bereits getan. Mit der Kamera haben die Schülerinnen und Schüler die Ausstellungsvorbereitungen und den Aufbau begleitet und die sechs beteiligten Kunstschaffenden zu ihren Werken befragt. Dabei gingen sie der Frage «Wo sind die Grenzen zwischen Kunst und Architektur nach?» nach. Eine hoch motivierende Arbeit sei es für die 14- bis 15-Jährigen gewesen, urteilt ihr Lehrer Csaba Borbély. Den Film, der so entstanden ist, können die Besucher ab dem 7. Dezember in der Kunsthalle sehen.

«When I look at things, I always see the space they occupy» ist der Beitrag der Kunsthalle Basel zur Regionale 13. Diese umfasst in diesem Jahr 16 Ausstellungshäuser in der Region, zwischen Strasbourg und Liestal. Knapp 600 Kunstschaffende haben sich dafür beworben.
Die Vernissagen der Ausstellungen finden über das ganze Wochenende statt. Detailinformationen und Zeiten finden Sie unter www.regionale.org.

Die TagesWoche stellt einzelne Ausstellungen der «Regionale 13» in einer kleinen Serie vor. Teil 2 folgt am Dienstag, 27.11., aus der Kunsthalle Palazzo in Liestal.

Konversation

  1. protzig zwar, aber durch und durch professionell.

    Wermutstropfen: Belanglosigkeit inflationär – bis auf den Raum mit dem weissen Teppichboden bleibt nichts in Erinnerung.

    Monstermässig aufgeblasene Objekte machen auch noch keine Kunst!

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