Regierung verzichtet auf Rückforderungen

Marie-Paule Jungblut kann ihre Abfindung behalten. Die Basler Regierung verzichtet trotz des finanziellen Desasters, das die ehemalige Direktorin des Historischen Museums hinterlassen hat, auf eine Rückforderung.

Marie-Paule Jungblut kann ihre Abfindung behalten.

(Bild: Basile Bornand)

Marie-Paule Jungblut kann ihre Abfindung behalten. Die Basler Regierung verzichtet trotz des finanziellen Desasters, das die ehemalige Direktorin des Historischen Museums hinterlassen hat, auf eine Rückforderung.

Die Fakten sind bekannt und ausgiebig breitgeschlagen worden: Die ehemalige Direktorin des Historischen Museums Basel, Marie-Paule Jungblut, hat bei ihrem vorzeitigen Abgang im November 2015 ein finanzielles Debakel hinterlassen. Namentlich ein Defizit von 745’000 Franken, das nur zum Teil durch die Reserven des Museums ausgeglichen werden konnte.

In diesem Defizit enthalten ist auch die Abgangsentschädigung in einem niedrigen sechsstelligen Bereich – der genaue Betrag wurde nie offiziell kommuniziert. Im Rahmen der Aufarbeitung des finanziellen Debakels war immer wieder die Rede von Rückforderungen, zuletzt im Bericht der Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates.

Die Kommission pochte darauf, dass die Frage der Haftung abzuklären sei, falls sich herausstellen sollte, dass die Museumsleitung «ihrer Aufgabe und Verantwortung nicht gerecht wurde und das Versagen teilweise fahrlässig erfolgte». 

«In Abwägung aller Risiken und Chancen»

Nun hat die Regierung aber beschlossen, «auf eine Rückforderung verschiedener Zahlungen an die ehemalige Direktorin des Historischen Museums Basel zu verzichten», wie sie in einer Kurzmitteilung schreibt. Dies sei «in Abwägung aller Risiken und Chancen» geschehen, heisst es.

Konversation

  1. Zusammenfassung einer Aussenstehenden: Nachdem 20 Mitarbeitende des Historischen Museums an den Baselstädtischen Angestellten-Verband (BAV) gelangt waren, wurden die Verhältnisse im Historischen Museum genauer betrachtet und ein Defizit von 745’000 Franken und weiteres Ungemach entdeckt. Rechnen wir mal zusammen: eine Führungsperson mit mangelhafter Führungskompetenz, offenbar null Sozialkompetenz und ohne die geringste Ahnung von verantwortlichem Umgang mit Staatsfinanzen. Dann ein Arbeitgeber, bei dem die Kontrolle der Geschäftsführung nicht zu funktionieren scheint. Und schlussendlich wird irgendjemand den Scherbenhaufen aufräumen müssen – aber ok, das kann ja mal vorkommen, dass die falsche Person an einen Posten gewählt wird. Dennoch, warum um alles in der Welt dann noch eine Abfindung? Eine einfache Steuerzahlerin wie ich kann dieses Verhalten einfach nicht nachvollziehen – wenn ich etwas verbocke, werde ich in der Regel nicht belohnt. Warum also müssen höhere Kader keine Verantwortung für so ein Debakel übernehmen und bekommen gar noch eine Abfindung (für was auch immer?)

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  2. Stadtpräsident Guy Morin wollte das unliebsame Thema vom Tisch haben und hat die Schulden von 745’000.- jetzt grosszügig selber übernommen. Damit sind die SteuerzahlerInnen nun definitiv entlastet und auch der zukünftigen Crew des Historischen Museums fallen keine Altlasten, in Form von gekappten Budgets und gestrichenen Sonderausstellungen, mehr an. Damit ist die Causa Jungblut abgeschlossen. Danke Guy Morin!

    Apropos Abfindungssumme: «niedrigen sechsstelligen Bereich» heisst 150’000.- (gemäss SRF-Regionaljournal). So wenig scheint mir dies nicht, angesichts des finanziellen Debakels. Warum Guy Morin diese Abfindungssumme gesprochen hat bleibt auch weiterhin ein Rätsel. Da er aber auch diesen Beitrag übernimmt, kann uns dies egal sein.

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    1. hou – donniwetti, extrem rückverzichtsvoll … er hat darum schinz sogar noch den halben biopool leerverkauft – kois und goldsalamander … wenn jetzt noch grosszügig auf die schliessung der fachstelle rückwirkend verzichtet wird, wäre schon beinahe so was wie eine gleichstellung erreicht …

      oder wovon hat’s die regierung da denn eigentlich?
      wenn doch bei denen nur irgendjemand so richtig echt
      reden könnte.

      (ich würd‘ diesbezüglich mal die chancen&risiken neu abwägen)

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    2. Selber übernommen klingt ja gut, aber Sie müssen auch noch sagen dass sein Kässelli von Basler Steuerzahlern gefüllt wird. Eine Abfindung von 150’000 ist ja grosszügig und tönt nach viel – nur ist es ja wohl in etwa jener Betrag den ein Hochrisiko-Fussballspiel an Sicherheitskosten oder eine Anti-Irgendwas Demo mit Sprayereien, Sachbeschädigungen und Tramunterbruch kostet.
      Aber es geht wohl nur beim Staat so – runterwirtschaften, ruinieren, dafür nicht belangt und erst noch belohnt werden … wobei wenn ich s mir recht überlege auch und er Privatwirtschaft funktioniert das teilweise so.

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