Schwarzmarkt in der Kaserne: Wie Börse, nur mit Inhalt

Die Mobile Akademie aus Berlin lädt 50 Experten in die Kaserne ein, die mit dem Thema Behinderung zu tun haben. Für einen Franken kann man sich eine halbe Stunde Gespräch mit ihnen kaufen.

Da sitzen sie, wie in einer Fabrik. Nur der Ausgang ist offen.

Die Mobile Akademie aus Berlin lädt 50 Experten in die Kaserne ein, die mit dem Thema Behinderung zu tun haben. Für einen Franken kann man sich eine halbe Stunde Gespräch mit ihnen kaufen.

«Der Dilettant steht vor dem Wissen wie der Ochs vor dem Berg», sagt Hanna Hurtzig, die Gründerin der Mobilen Akademie, in einem Beitrag von Arte. Nicht mit Fleiss, sondern rauschhaft will er es sich aneignen. Deswegen hat sie vor zehn Jahren ein Format ins Leben gerufen, bei dem man sich Wissen erhandeln kann, gegen Münze in einem Radiospiel.

Einen Franken zahlt man am Schwarzmarkt für nützliches Wissen und Unwissen, um mit einem Spezialisten ins Gespräch zu kommen. Je nach Austragungsort ist das Thema ein anderes und kommen die Experten zu grossem Teil aus der jeweiligen Region. In Bern war es Geld, woanders war es Handlungsfähigkeit und so fort.

Gespräche mit Experten

Bis zu 100 Tische können in der Halle stehen, die als Wissensbörse funktioniert. Man geht zum Infoschalter und fragt nach Gesprächsfenstern, die noch frei sind. Bekommt man eines, sitzt man an einem der Tische. Wie das Gespräch verläuft, ist offen. Es kann sich umdrehen und der Spezialist wird zum Belehrten, es kann Streit geben oder Flirt. Wem der Stutz zuviel ist oder wer die direkte Begegnung nicht will, kann gratis von einer Tribüne aus zuhören: Die Gespräche werden über Kopfhörer übertragen und man kann aus sieben Kanälen wählen.

Zum Gespräch werden unter anderen da sein: Michael Haug von der Fachstelle für Gleichstellung von Behinderten, die in diesem Frühjahr geschlossen wurde, Nadja Sieger alias Nadeschkin, die sich die Gebärdensprache für ihre Auftritte aneignet, oder Jonas Straumann, der fast gehörlos ist und sich mit seinem Magazin «hearZONE» für die Belange von Gehörlosen einsetzt.

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Schwarzmarkt, 6. Juni, ab 19 Uhr, Kaserne Basel, Eintritt frei.

Konversation

  1. Korrigenda & Ergänzung:

    Im Windschatten des Basler Sparbudgets will das Präsidialdepartement die Fachstelle Gleichstellung von Menschen mit einer Behinderung schliessen. Das hat RR Guy Morin im Frühjahr verkündet. Noch gibt es die Stelle und viele Menschen kämpfen (u.a. mit einer Petition mit über 2’500 Unterschriften) für den Fortbestand der Stelle. Martin Haug heisst übrigens der Leiter der Fachstelle.

    Während 11 Jahren war der jetzige Stelleninhaber der Fachstelle für Behinderte verantwortlich dafür, dass die rechtlich verbriefte Gleichstellung von Menschen mit einer Behinderung im Kanton Basel-Stadt auch im Alltag umgesetzt wird. Die Stelle hat den Auftrag, inner- und ausserhalb der kantonalen Verwaltung Diskriminierung in den Bereichen Schule, Ausbildung, Arbeit, Freizeit, Wohnen, öffentlicher Verkehr, Bauen und Kommunikation abzubauen. Konkret ist die Fachstelle dafür besorgt, dass die Mobilität für Menschen mit Behinderung – zum Beispiel im öffentlichen Verkehr – gewährleistet ist. Ebenfalls müssen Tagesheime, Quartierzentren, Musikschulen und Museen für behinderte Menschen frei zugänglich sein. Ausserdem muss der Kanton Ausbildungsplätze für Behinderte anbieten.

    Die Fachstelle ist für die Umsetzung der entsprechenden Gesetze verantwortlich, bietet Beratungen für die Betroffenen und ihr Umfeld an und betreibt Öffentlichkeitsarbeit, um die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren.

    Martin Haug ist in der Trägerschaft mitverantwortlich für das Festival Wildwuchs.

    http://www.tageswoche.ch/de/2015_07/basel/680291/ein-schlag-ins-gesicht-der-behinderten.htm
    http://www.tageswoche.ch/de/2015_07/basel/680315/basel-stadt-streicht-fachstelle-und-legt-sich-mit-behinderten-an.htm

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