Schwitzerdütsch als Theater-Fremdsprache

Man spricht Deutsch an den Schweizer Stadttheatern. Vornehmlich Hochdeutsch. Und neuerdings auch mal Englisch. Das Gastspiel mit Guy Krnetas «Ursle» am Samstag auf der Kleinen Bühne des Theater Basel beweist aber, dass auch das Schweizerdeutsch als Bühnensprache eine dramatische Kraft jenseits der Volkstheatergemütlichkeit entwickeln kann.

Auf Schwitzerdütsch: «Ursle» mit Franziska von Fischer und dem Ensemble Kreis 13

Guy Krnetas Theatermonolog «Ursle», der am Samstag auf der Kleinen Bühne des Theaters Basel zur Aufführung kommt, besticht durch seine konzise und kunstfertig rhythmisierte schweizerdeutsche Sprache. Damit ist das Stück aber die grosse Ausnahme am Theater Basel, das wie die anderen Schweizer Stadttheater praktisch keine Mundart-Texte im Spielplan hat.

«Won i bi uf d Wäut cho, isch dr Urs scho im Himu gsi. Dr Urs isch drü gsi, i bi sächsi. Dr Urs isch en Ängu gsi, säge myni Aut. Aber won’r usem Fänschter gflogen isch, het’r nid chönne flüge.»

Sehr direkt und unsentimental legt der Einstieg zum Theatermonolog «Ursle» von Guy Krneta gleich ganz zu Beginn fest, um was es in diesem Stück für Kinder und Erwachsene geht: Um das Mädchen Ursle, das unter der Allgegenwart ihres Bruders leidet, den sie nur als erdrückende Erinnerung ihrer Eltern und als Aufschrift auf dem Grabstein kennt. Einnehmend an diesem Stück ist die ausdrucksstarke und stark rhythmisierte Sprache: Ein Text, der kunstvoll, aber nicht gekünstelt daherkommt, der die Rotzigkeit und naive Direktheit der kindlichen Ausdrucksweise wiedergibt, ohne einer anbiedernden Nachäffung der Kindersprache zu verfallen.

«Ursle» wurde 1994 vom Berner Ensemble uraufgeführt und ist Krnetas erfolgreichstes Stück, ein eigentlicher Dauerbrenner in seinem dramatischen Werk. «Genau weiss ich nicht, wie oft das Stück bis heute nachgespielt wurde, es dürften mittlerweile um die 40 bis 50 Inszenierungen sein», sagt der Autor. Viele davon in Deutschland, in der hochdeutschen Fassung des Textes, der zudem ins Holländische und Englische übersetzt wurde. «Ursle» wurde als Monolog aufgeführt, in Dreierbesetzung mit Frauen und/oder Männern, als Puppentheater, Tanztheater und als Theater mit Musik.

Als «musikalische Geschichte» ist das Stück nun am Samstag, 21. September, auf der Kleinen Bühne des Theaters Basel zu erleben. Mit einer Schauspielerin (Franziska von Fischer) und dem 13-köpfigen Orchester «Ensemble Kreis 13» unter der Leitung von Till Löffler, der auch die atmosphärisch dichte Musik zum Text komponiert hat. Regie führt Krnetas Lebenspartnerin Ursina Greuel.

Schweizerdeutsche Ausnahmen

Dieses einmalige Gastspiel der «Matterhorn Produktionen» reicht aus, um die Mundart-Quote des Theaters Basel bereits spürbar zu heben. Denn mit zwei Ausnahmen steht sonst keine Produktion auf Schweizerdeutsch auf dem Spielplan, der übrigens mit einem Stück in englischer Sprache («Isolde») begonnen hat. Die Ausnahmen sind das traditionelle Familienstück (dieses Jahr: «Pinocchio») und das Projekt mit dem Titel «Die Klasse», eine Koproduktion mit dem Jungen Theater Basel. Bei «Die Klasse» wurde das Schweizerdeutsch durch den Koproduktionspartner bzw. durch die Jugendlichen, die mitwirken, quasi aufdoktriniert. «Als Institution, die mit Jugendlichen Theater für Jugendliche macht, ist es wichtig, dass wir die Themen in der Sprache abhandeln, welche die Beteiligten und das Publikum selber sprechen», sagt der Leiter des Jungen Theaters Basel, Uwe Heinrich, der die Produktion als Dramaturg betreut.

Das Junge Theater Basel ist trotz seiner Produktionen in schweizerdeutscher Sprache im deutschsprachigen Raum zu einer Art Referenzgrösse für ein professionelles Haus geworden, das mit jugendlichen Laien arbeitet. Das zeigt sich unter anderem in den Einladungen an wichtige Festivals, wie etwa die Wiener Festwochen und die Ruhrtriennale, oder an renommierte Bühnen in Deutschland, etwa an die Münchner Kammerspiele, ans Berliner Maxim Gorki Theater oder an das Staatsschauspiel Stuttgart. Dort werden die Produktionen der Basler Bühne mit deutschen Übertiteln gezeigt.

Viel Schweiz, aber auf Hochdeutsch

Auf die Frage, warum das Schweizerdeutsche am Theater Basel etwas stiefmütterlich behandelt werde, gibt sich Martin Wigger, Co-Leiter und Chefdramaturg des Basler Schauspiels, nachdenklich. «Das ist eine gute Frage», sagt er. Und: «Mit Frisch, Dürrenmatt und Keller haben wir eigentlich sehr viel Schweiz im Spielplan, aber alles Autoren, die auf Hochdeutsch geschrieben haben.» Wigger betont aber, dass er grundsätzlich nichts gegen schweizerdeutsche Texte einzuwenden habe. Oder hätte. Man überlege sich aktuell, ob bei der Bühnenbearbeitung von Gottfried Kellers Novelle «Das Fähnlein der sieben Aufrechten» gewisse Textpassagen ins Schweizerdeutsche übersetzt werden sollen. «Aber wo sind denn die Schweizer Autoren, die schweizerdeutsche Texte schreiben?»

In den eigenen Reihen, könnte man Wigger auf diese Frage antworten. Mit Gabriel Vetter steht ein «Veranstaltungsdramaturg» auf der Personalliste des Theaters, der als Textperformer viele wunderbare schweizerdeutsche Texte verfasst hat. In seinem Auftragswerk «Der Park», das er in der vergangenen Spielzeit als Hausautor verfasst hatte, durfte (und konnte) sich aber nur eine Figur in Mundart ausdrücken. Und nicht allzuweit vor den Pforten des Theaters Basel entfernt könnte Wigger ebenfalls fündig werden: zum Beispiel bei Guy Krneta, der seit vielen Jahren Bühnentexte auf Berndeutsch verfasst.

Vergangene Erfolge mit Mundart-Projekten

Das Theater Basel hat bereits gute Erfahrungen mit einem Text von Krneta gemacht. Aber das ist bereits einige Jahre her. 2004 kam auf der Kleinen Bühne das Auftragswerk «E Summer lang, Irina» zur vielbeachteten Uraufführung. Regie führte Rafael Sanchez, der ein Jahr zuvor am Basler Schauspielhaus die überaus erfolgreiche Berndeutsch-Fassung von Gotthelfs «Geld und Geist» inszeniert hatte. Sanchez holte Krneta in seiner heutigen Funktion als Co-Direktor des Theaters am Neumarkt Zürich ans Theater zurück. In Zürich wurde in der vergangenen Spielzeit Krnetas Beziehungs-Tragikomödie «Dr Madam ihre Mössiö» uraufgeführt (Regie: Bruno Cathomas). «Krnetas Stück entwickelt schon bei der Lektüre eine Sogwirkung, der man sich im Theater erst recht nicht entziehen kann», schwärmte die «Neue Zürcher Zeitung».

Dass eine der etablierten Bühnen ein schweizerdeutsches Stück in den Spielplan aufnimmt, ist heute aber eher eine Ausnahme. Das war vor gut zehn Jahren anders. Nicht nur in Basel hatte man Gefallen an schweizerdeutschen Texten gefunden, auch in Luzern oder Biel-Solothurn wurde mit Erfolg in Mundart gespielt. Und am Zürcher Schauspielhaus: Der damalige Direktor Christoph Marthaler hatte seine erste Spielzeit im Schiffbau mit einer schweizerdeutschen Produktion («Hotel Angst») eröffnet, womit er die damals erwartungsvoll angereiste erste Garde des deutschen Feuilletons in arge Verständnisnöte brachte.

Nur ein Zwischenhoch

«Diese Zeiten sind vorüber», bedauert Guy Krneta. Junge Schweizer Dramatiker würden von den Theatern wenig berücksichtigt und gefördert. «Wenn ich mir die Spielpläne der Stadttheater anschaue, dann finde ich kaum neue Stücke, sondern haufenweise Dramatisierungen von Romanen oder sonstigen Prosatexten», moniert er. Ein Blick auf den Basler Spielplan gibt ihm zumindest zum Teil recht. Zwei der drei von Wigger genannten Schweizer Autoren sind nicht mit Texten vertreten, die fürs Theater geschrieben wurden: Gottfried Kellers «Das Fähnlein der sieben Aufrechten» ist eine Novelle, Dürrenmatts «Der Richter und sein Henker» ein Kriminalroman.

Krneta kann vorderhand lediglich als Gast mit «Ursle» ans Theater Basel zurückkehren. Immerhin das. Es ist eine lohnenswerte Aufführung mit einem beachtenswerten Text, der beweist, dass Schweizerdeutsch eine überaus taugliche Bühnensprache ist.

«Ursle»
Eine musikalische Geschichte von Guy Krneta und Till Löffler
Regie: Ursina Greuel, Musikalische Leitung: Till Löffler, Kostüme: Bettina Ginsberg
Mit: Franziska von Fischer, Ensemble Kreis 13
Samstag, 21. September 2013, 16.00 Uhr
Theater Basel, Kleine Bühne

Konversation

  1. Nur zur Info:
    in Berlin spricht man keinen Dialekt! Dialekte werden von allen sozialen Schichten gesprochen, wie das Schwäbische, das Bayrische oder eben das Alemannische. In Berlin gibt es nur ein „Soziolekt“ wie auch in NRW, dh die „Mundart“ wird nur von bestimmten sozialen Schichten gesprochen, in Berlin und im Ruhrgebiet handelt es sich um die Umgangssprache der Arbeiterschicht, von der sich die höheren Bildungsschichten abgrenzen. Das ist bei einem echten Dialekt nicht der Fall, der wird naturgemäss von allen gesprochen. Nochmal: es geht nicht um die Abschaffung des Alemannischen Dialekts, sondern um das Verhältnis zur geschriebenen und gelesenen Hoch- oder Bildungssprache. Die Schweizer entwickeln zu dieser Hoch- und Bildungssprache eine zunehmende Feindseligkeit und ressentimentbesetzte Ablehnung, die man tagtäglich beobachten kann. Es ist für sie eine Zumutung die „Schriftsprache“ zu sprechen – selbst in gebildeten Kreisen -, das ist absurd, weil es auch ihre Sprache ist und nicht nur die der Deutschen.

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  2. Lieber Herr Martens,
    ich glaube, Sie machen einen Denkfehler: die Leute, die schlechtes Deutsch schreiben, können oft wahrscheinlich auch kein „gutes“ Schweizerdeutsch (das sind dann wohl die, die im Dialekt Genitiv und Akkusativ verwenden, was genau so falsch ist.) Ihre Meinung über die heutige Schule klingt für mich aber doch etwas gar stark nach den kulturpessimistischen Klagen eines älteren Herrn. Meinen Sie denn wirklich, an den Schulen würde kein gutes Deutsch mehr gepflegt? Sie sollten sich mal ein Vorbild an meinem 88-jährigen Grossvater nehmen, der traut auch jüngeren Leuten noch etwas zu. Und bei der Emotionalität haben Sie mich falsch verstanden: Ich meinte nicht, dass für den Einzelnen eine Sprache nicht emotionaler sein kann, sondern dass objektiv gesehen nicht eine Sprache emotionaler ist als eine andere.
    Lieber Herr Holzhuth: Ich bin ja eigentlich mit Ihnen einig. Ich bin auch nicht der Dialektfetischist, als den Sie mich implizit darstellen, sondern ich mag sowohl die Schweizerdeutsche als auch die Hochdeutsche Sprache sehr. Ich wollte eigentlich nur sagen, dass die Diglossie in der Schweiz im Allgemeinen relativ gut funktioniert, und dass wir der (wahrscheinlich gutgemeinten) Ratschläge von Herrn Ludin eigentlich nicht bedürfen. Ausserdem stört mich (dies nun aber ganz prinzipiell) seine Gleichsetzung einer bestimmten Sprache mit Provinzialität. Kommt Ihnen, beispielsweise, Mani Matter provinzieller vor als Udo Jürgens, nur weil Letzterer für mehr Leute verständlich ist. Es ist doch absurd, einer Sprache die Fähigkeit zur Verwendung in der Hochkultur abzusprechen. Ich bin ja auch nicht dafür, im Theater nur noch Dialektstücke aufzuführen, aber wenn das Stück gut ist, warum nicht? Herr Ludin muss ja nicht hingehen. (Ich habe übrigens kürzlich in Dresden eine gute Aufführung von Hauptmanns „Ratten“ gesehen, zu grossen Teilen im Berliner Dialekt. Es war nicht provinziell.)

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  3. Weder bin ich ein Deutscher noch bin ich her gekommen, um Geld zu verdienen. Ausserdem finde ich Attacken ad personam unnötig. Dass man eine Mundart spricht und auch gerne spricht ist nicht mein Problem. Wenn sich die Hoch-oder Schriftsprachen im Laufe der letzten Jahrhunderte nicht etabliert hätten, würden überall Mundarten gesprochen werden. Von Marokko bis zum Irak spricht man nur arabische Mundarten. Im Mittelalter war es in Europa auch nicht anders. Wenn man also die Hochsprache nicht pflegt, dann spricht man nicht nur in der Deutschschweiz, sondern überall Mundart. Was mich ärgert in der Schweiz ist nicht, dass Mundart gesprochen wird, sondern dass selbst soziale Eliten und Bildungseliten die eigene geschrieben und gelesene Sprache nicht sprechen wollen, allenfalls mit einem Ausländer und das auch immer weniger.
    Ausserdem fühle ich mich in der Schweiz nicht unwohl und ich finde Schweizer auch nicht unsympathisch, ganz im Gegenteil.

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  4. Sicher gibt es eine Art von kosmopolitischer Kultur, also kulturelle Begegnungen, welche die Menschen in Shanghai, New York oder Basel unmittelbar anspricht. Der Konsument dieser Kultur muss sich also nicht zuerst mit den privaten und persönlichen Gegebenheiten des Autors und seinem Lokalkolorit auseinandersetzen, bis er dann zum menschlichen Thema oder Drama vorstösst, das uns Menschen alle gleichermassen betrifft.

    Doch die Identität entsteht lokal. Das das Heimatsgefühl ist geografisch, emotional und intellektuell und sozial abgestützt. Die Sprache der Kindheit, die eigentliche Muttersprache, ist auch das primäre Vehikel, mit dem wir unsere Gefühle nach aussen ausdrücken, nicht die Hochsprache in schön gedrechselten Sätzen.
    Ich war und bin privat und beruflich von vielen Ausländern umgeben, und kenne Ihre Argumentation bestens, kann Sie auch gut verstehen. Wie oft habe ich mich in Gesprächen darüber aufgeregt, dass meine Schweizer Kollegen sich weigerten oder gar unfähig waren, eine Stunde lang die Hochsprache zu benützen. „Wir sind doch hier in der Schweiz“ hiess es dann, meist ohne jede Rücksicht auf die Effizienz der Kommunikation oder auf den Respekt gegenüber dem Ausländer: Es ist ja sein Problem, dass er nicht von hier ist. Da paaren sich Dummheit und Arroganz – oder steckt mehr dahinter?

    Mit der Provinzialität hat das wenig zu tun, denke ich. Fremde sind wohl überall auf der Welt vorerst Menschen zweiter Klasse (ausser sie profitieren gerade vom vergänglichen Glanz eines Kriegsbefreiers, des technischen Wunderknaben oder sonst wie Überlegenen). Dann erst muss er sich die Anerkennung durch aussergewöhnliche Leistungen verdienen. Und klar, es waren die Beiträge der Durchreisenden und Einwanderer, welche die Schweiz überhaupt zu einer blühenden und multikulturellen Nation gemacht haben! Aber die Schweiz hat ein grosses Identitätsproblem: Wirtschaftlich stark sind wir dank bald einem Viertel Ausländern aus allen möglichen Kulturen und Klassen. Die Traditionalisten (und Populisten) weinen einer Schweiz nach, die es so gar nie gegeben hatte, irgendwo bei Wilhelm Tell, Winkelried, Ueli dem Knecht und Heidiland angesiedelt, eben auf der Suche nach der „eigentlichen“ Ur- Schweiz. Um aber die Besten zu sein, ist es schon rein statistisch klar, dass wir die Besten international suchen müssen, welche dann viele unsere eigenen Besten uns zweite Glied verweisen können. Was Wunder, wenn dann Neid und Eifersucht aufkommen, und folglich auch der Rückzug in unsere „Heimat“ und lokale Heimatsprache: Unsere Identität, die letzte Bastion.

    Das Lokale macht die Kultur aus, was uns nicht hindert, der grossen Welt gegenüber offen zu bleiben. Provinziell ist der Reflex, die Aussenwelt zu verdrängen, die Schweiz zu einer Insel machen zu wollen.
    Die Schweiz ist halt klein: Die Welt besteht zahlenmässig aus nicht weniger als 99.9% Ausländern. Sehr bedrohlich ist das, wenn man sie sich nicht zu Partnern machen kann oder will.

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  5. Mundart ist eine Option für Provinzialität. Dass die Schweizer auch im Kulturmilieu unter sich bleiben wollen, schreckt mich als Ausländer ab. Mundart im Theater oder Kulturbetrieb bedeutet: Ausländer raus! Wieso wollen die Schweizer verleugnen, dass ihre Zivilisationssprache, sprich die Schriftsprache deutsch ist? Wenn man die Schriftsprache nicht pflegt, verlernt man sie, das wäre auch auf der Schwäbischen Alb oder in der Bretagne so. Es gibt immer mehr Schweizer, selbst Studierte, die die eigene Schriftsprache nicht mehr richtig schreiben können und sie nur holprig sprechen. Wenn man die Mundart zu einer eigenständigen Sprache erheben möchte, dann hätte man den Weg der Holländer im 17 Jhrd. gehen müssen. Entwickelt eine Schriftsprache aus Eurer Mundart und Ihr seid das schizophrene Dilemma los.Wenn nicht, müsst Ihr davon ausgehen, dass für den Kulutrmenschen in der zivilisierten Welt immer die Schriftsprache die Referenz ist, es sei denn man will einen Bauernschwank im Theater anschauen.Sorry, die Schweiz ist ein wunderbares Land, der Mundart-Nationalismus ist jedoch eine unerträgliche Provinzialität.

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  6. Aber, aber Herr Ludin. Offensichtlich fühlen Sie sich bei uns nicht wohl.

    Damit sind Sie nicht allein, denn auch ich fühle mich hier nicht wohl. Aber ich bin hier geboren.

    Trotzdem: Sich aus unzähligen Produktionen die eine in Mundart zu nehmen, um damit die Provinzialität der Einwohner anzuklagen, ist billig.

    Wenn schon hätte ich erwartet, dass Sie sich das Schweizer Fernsehen vornehmen.

    Aber das würde voraussetzen, dass man sich mit dem Land in dem man lebt, auseinandersetzt.

    Sie sind gekommen, um zu verdienen. Und das allein verdient noch keinen Respekt.

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  7. Aus Ihren Ausführungen schliesse ich, dass z.B. ein Maschinenbauer mit ETH-Diplom kein gebildeter Mensch ist, denn viele waren im meinem Arbeitsbereich nicht fähig, in Forschungsberichten mehr als 5 Zeilen ohne falschen Dativ oder Akkusativ abzufassen – von deren unsäglichen Ordogravieh gans zu schweigen… Doch, vor Jahren war die Beherrschung der Hochsprache noch ein Lernziel der Schulen, nämlich damit auch wir im deutschsprachigen Raum ernst genommen werden können. Es geht um unseren Kulturraum. Dieser ist etwa 15x so gross wie der deutschsprachige Teil der Schweiz.
    Interessant: Die Romands haben kein Problem damit, ordentlich Französisch zu lernen und zu sprechen. Ihre Kulturhauptstadt ist eher Paris statt Lausanne, obgleich sie gewiss ebenso gute Schweizer sind wie wir.
    Oder ist es für Sie in Ordnung, dass eine Kindergartentante ihre Elterninformationen in eigenem, kreativen Schweizerdeutsch (so ungefähr phonetisch) schreibt? So dass die über 20% der ausländischen Familien eine schweizerische Familie um eine Transkription bitten müssen?
    Emotionale Ausdrücke liegen uns in der Muttersprache selbstverständlich viel näher als in einer Zweitsprache. Schliesslich kommen die Gefühle in der Entwicklung lange vor der Sprache. Wenn Sie dies als Quatsch abtun, stehen sie wohl recht einsam in der Landschaft. Oder haben Sie je einen Schweizer gehört, der in der Hochsprache flucht? Wenn Junge fluchen heisst es heute zwar „Scheisse“, „shit“, „fuck“ & co. Inzwischen sind dies aber eingedeutschte Wörter, Teil der „Jugendkultur“.
    „Das natürliche Zusammenspiel von Dialekt und Hochdeutsch“ erleben unsere Ausländer meist als eine beabsichtigte Diskrimination. Doch wenn wir Ausländer überhaupt in die Schweiz lassen und holen, dann sollten wir sie zu unseren Partnern machen. Oder die Schweiz einzäunen. Die Schweiz als Insel.

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  8. Aber, aber, Herr Ludin, Komplexe scheinen hier doch eher Sie zu haben. Es tut mir ja leid, wenn Sie das Schweizerdeutsche nicht verstehen, aber jeder Deutsche, der will, hat den Dialekt nach etwa einem Jahr passiv intus. Wir Schweizer wissen eigentlich fast instinktiv, wo wir die Mundart benutzen und wo das Hochdeutsche. Ich glaube auch nicht, dass die Deutschkenntnisse der (gebildeten) Deutschschweizer schlechter werden (oder jemals schlechter waren als zum Beispiel die der Bayern). Aber unsere Muttersprache („Sprache“ kommt von „sprechen“, weisch?) ist nun einmal das Schweizerdeutsche. Und auch der Dialekt hat durchaus Anwendungsformen in der Hochkultur. Oder meinen Sie ich unterhalte mich mit Schweizer Freunden über Goethe und Schiller auf Hochdeutsch? Das hat mit Nationalismus nichts zu tun, auf jeden Fall nicht mit der aggressiv-politischen Form, sondern höchstens mit den kulturellen Bewegungen des 19. Jahrhunderts.
    Ihre Positionen kommen mir ehrlich gesagt hier ziemlich kleingeistig vor. Entweder SIE sind der Kulturchauvinist oder Sie sind noch nicht lange genug in der Schweiz, um das natürliche Zusammenspiel von Dialekt und Hochdeutsch zu verstehen.
    Und Holzhuth: Dass man Gefühle in bestimmten Sprachen besser ausdrücken kann als in anderen ist natürlich Quatsch. Aber dass man in seiner Muttersprache immer eloquenter ist als in Fremdsprachen ist ein Fakt. Auch wenn für viele Schweizer der Unterschied zwischen Dialekt und Hochdeutsch nur sehr klein ist.

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  9. Den Ausdruck Schriftsprache habe ich den Schweizern abgehört. Es gibt ja so etwas wie die sog. schriftlosen Kulturen?
    Ich glaube inzwischen, dass die Schweizer nicht so sehr die Deutschen hassen, sondern die deutsche Hochsprache, jeder Deutsche auf der Strasse erinnert sie daran, dass auch ihre Zeitungen, ihre Schriftsteller, ihre Amtssprache, ihre Verfassungssprache, ihre Kirchensprache deutsch ist, das ist ihnen irgendwie furchtbar unangenehm, dass sie zum deutschen Sprach- und Kulturraum gehören. Die Schweizer müssen auf die Couch! Mit der eigenen geschriebenen Sprache so umzugehen als wäre sie eine Fremdsprache, ist ein kulturelles Symptom.

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