«Sprungbrett» wird eingestellt

Nach 25 Jahren geht der musikalische Newcomercontest «Sprungbrett» in Pension: Schwindende Anmeldungszahlen der Bands, sinkende Besucherzahlen und zunehmende Konkurrenzveranstaltungen sind die Gründe dafür.

Der letzte «Sprungbrett»-Gewinner: Octanone. (Bild: Cedric Christopher Merkli)

Nach 25 Jahren geht der musikalische Newcomercontest «Sprungbrett» in Pension: Schwindende Anmeldungszahlen der Bands, sinkende Besucherzahlen und zunehmende Konkurrenzveranstaltungen sind die Gründe dafür.

Letztes Jahr gewann der Electro Singer-Songwriter «Octanone» den einst wichtigsten Newcomercontest der Nordwestschweiz. Er war der letzte «Sprungbrett»-Gewinner. 2012 wird es diesen Anlass nicht mehr geben. Die Organisatoren, das Sommercasino Basel und der Rockförderverein der Region Basel (RFV) überdachten das Konzept des Contests schon länger: «Wir versuchten lange, dem Sprungbrett neuen Schwung zu verleihen und kamen jetzt zum Schluss, dass dieser Wettbewerb überholt ist», sagt RFV-Geschäftsleiter Tobit Schäfer.

Die Zahlen der letzten zehn Jahre belegen: Das Interesse schwand stetig. 2001 bewarben sich noch 57 Bands für eine Teilnahme, 2011 waren es gerade mal 25. Auch die Besucherzahlen gingen in diesen zehn Jahren stark zurück: Feuerten 2001 noch 1619 Besucher die Bands an, so zählte das Sommercasino 2011 nur noch 438.

Aus «Realien» wurden Geldbeträge

Das Sommercasino führte den Newcomercontest 1987 ein, acht Jahre später stiess der RFV als Förderer hinzu. Noch vor dieser Fusion gewannen 1993 die Lovebugs den Contest und wurden damals mit «Realien» bedacht: Sie konnten im Musikstudio «Factory» eine «professionelle Mini-CD» aufnehmen. Die Zweitplatzierten gewannen eine Produktion einer «Demo-Kassette». Das ist zwanzig Jahre her. Nicht nur Aufnahmemöglichkeiten und Verbreitungskanäle von Musik haben sich für junge Bands in dieser Zeit verändert, auch die Förderbeiträge des RFV wurden angepasst: 1997 wurden erstmals Geldbeträge gesprochen – damals noch in der Höhe von 11’500 Franken, 2011 wurden bereits 19’000 Franken ausbezahlt.

Firewire und Tri-Bune profitieren

Künftig steckt der RVF die freigewordenen Förderbeiträge in drei andere, schon bestehende Nachwuchsprojekte: Vom Gesamtbetrag fliessen rund 10’000 Franken. in den erfolgreichen Bandcontest Firewire in Lausen, der Rest in den trinationalen Newcomercontest «Tri-Bune» und in das Education-Projekt. Dieses soll ab 2012 jährlich durchgeführt werden und so zum Regelangebot der Nachwuchsförderung gehören. Die DemoClinic innerhalb des BScene-Clubfestivals bleibt weiterhin bestehen, wird aber nicht zusätzlich aus den freigewordenen Geldern unterstützt.

Konversation

  1. Früher gab es das Strampolin, ein Wettbewerb konzipiert wie das Sprungbrett, einfach für die ganz Kleinen (13 – 17 Jährige). Dieser Rahmen war fantastisch, weil man als Band ganz früh 1. eine Auftriittsmöglichkeit erhalten hat 2. diese Auftritte mit dem ganzen Freundeskreis & sonstigen Interessierten immer voll waren 3. die ganz jungen Musiker ganz früh sehr, ja sehr hilfreiche Tipps von älteren Musikern/Jurymitgliedern erhalten haben und so zumindest „no-go’s“ rasch eliminiert werden konnten 4. die Bands erste Kontakte untereinander knüpfen konnten 5. der ganze Ablauf von eine ganzen Konzerttag mal durchgegangen werden konnte – Auto organisieren und laden, 27 Handshakes, „Backline“ aufstellen, Soundcheck, Essen, zurück fahren lassen, Bandraum einräumen (das scheint einem gestandenen Musiker vielleicht selbstverständlich – ist es für die Kleinen aber nicht). Zudem konnten die Älteren künftige Talente früh erkennen und fördern.

    Ein Wettbewerb für die ganz Jungen – das sollte man sich mal wieder überlegen. Ich zumindest habe das für mich ganz wichtige und wegweisende Strampolin 1996 nicht vergessen, auch 16 Jahre danach nicht.

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