Stimmen zu Adam Szymczyks Abschied

Es war eine ganz einfache Frage, die wir ausgewählten Exponenten der Basler Kunstszene stellten: «Was bleibt von der Ära Szymczyk?». Die Antworten auf den Abschied des Kunsthalle-Direktors fielen ganz unterschiedlich aus.

Zur documenta geht er hin, wir wünschen ihm viel Glück dabei: Adam Szymczyk.

Es war eine ganz einfache Frage, die wir ausgewählten Exponenten der Basler Kunstszene stellten: «Was bleibt von der Ära Szymczyk?». Die Antworten auf den Abschied des Kunsthalle-Direktors fielen ganz unterschiedlich aus.

Martin Hatebur, Präsident des Basler Kunstvereins

  • Adam Szymczyk hat es immer gewagt, noch unbekannte Künstlerpositionen in der Kunsthalle Basel zu zeigen und hat diesen KünstlernInnen damit einen Chance gegeben, sich in der internationalen Kunstszene einen Namen zu schaffen. Die Kunsthalle Basel ist zu einen Sprungbrett für viele KünstlerInnen geworden. Durch seine Nähe zu den KünstlerInnen, seiner stetigen Auseinandersetzung mit ihnen, seiner Stilsicherheit und Eleganz hat er für Basel, wenn man sich alle seine Ausstellungen nochmals durch den Kopf gehen lässt, ein Gesamtkunstwerk geschaffen. Dank Adam hat sich die Kunsthalle Basel als eine der relevantesten Institutionen der Gegenwartskunst etabliert. Er hat den Ruf von Basel als eine der wichtigsten Kulturstädte auf internationaler Ebene nicht nur erhalten sondern bedeutend gestärkt.

Philippe Bischof, Leiter Abteilung Kultur Basel-Stadt

  • Das wissen wir erst in einigen Jahren. Aber jetzt schon ist für mich klar: Herausragende Ausstellungen; wichtige Entdeckungen von Künstler/innen; ein tatsächlich international gedachtes und gemachtes Programm; eine seltene inhaltliche Konsequenz, die manchmal auch als Sturheit verstanden wurde; eine unbestechliche intellektuelle Brillanz und Faszination, wenn einem das Glück zuteil wurde, in ein entsprechendes Gespräch mit Adam Szymczyk zu kommen; eine sehr spezielle Art der Kommunikation; eine enorme Liebe zur Kunst. Und natürlich: die offene Frage, was eine Kunsthalle sein soll, mehr denn je.

Werner von Mutzenbecher, Künstler

  • Adam Szymczyk setzte in seinen Ausstellungen mit wenigen Ausnahmen nicht auf Überwältigung, er zeigte keine Grossmeister der Kunstszene. Sein Interesse galt einer jüngeren Künstlergeneration, die das Machen von Kunst nicht mehr ausschliesslich in der höchstmöglichen emotionalen Aufladung und Durchdringung eines Mediums sieht, sondern forschend bemüht ist, neue Zusammenhänge zu erkennen, Verbindungen zu schaffen, Grenzen zu durchbrechen in Richtung Politik, Literatur, Geschichte, Philosophie, Musik usw. So entstanden Ausstellungen, die nicht immer leicht und auf den ersten Blick zu erfassen waren, aber zum Nachdenken und Überprüfen anregten. Szymczyk pflasterte die Wände und Räume der Kunsthalle nie mit Bildern und Objekten zu, er bewies vielmehr einen beispielhaften Mut zur Leere, was Gedanken und Empfindungen Luft und Raum gab.

Daniel Baumann, Direktor Kunsthalle Zürich

  • Immer wieder stiess man in der Kunsthalle Basel auf Künstlerinnen und Künstlern, deren Arbeit man nicht kannte, die aus anderen Weltgegenden stammten und oftmals nicht einfach marktgängig waren. Das war für mich die grosse Qualität von Adam Szymczyks Programm und darauf freue ich mich auch für 2017, wenn in Kassel und Athen die documenta 14 eröffnet wird!

 Miriam Cahn, Künstlerin

  • ERINNERUNG!

Enrico Luisoni, 
Präsident 
visarte region basel

  • Die Ära Szymczyk illustriert das Dilemma des globalen, internationalen und lokalen Anspruchs. Ich würde die Misere der Kunstszene in Basel auch nicht nur ihm in die Schuhe schieben – er hat ja nicht Nichts gemacht. Ich habe ihn zwar immer wieder in Gesprächen daran erinnert, dass er nicht vergessen soll, dass er in Basel arbeitet und es hier auch (ältere) Künstler hat – vor allem auch einige, die mit der langen Erfolgsgeschichte «Basel als Kunst- und Kulturstadt» direkt zu tun hatten und teilweise noch haben.
    Ich finde einfach, dass die Basler Kulturverantwortlichen, mitsamt der Regierung (s. Baschi Dürr, Swisslos), vieles dem Eventgetue für das Stadtmarketing opfern – also sich dem Dienst am Schein der Aussenwirkung der Stadt Basel verpflichten und darob vergessen, den Humus zu pflegen und evtl. auch die tiefer liegenden Schichten zu bewässern. Das Schlimmste, was einer Stadt passieren kann ist, wenn sich deren Bewohner (und deren Künstler) nicht mehr mit ihr identifizieren können; das Lokale nicht mehr zählt; nur das was von aussen kommt, gut sein soll. Jeder Mensch will sich mit etwas identifizieren können, und je fremdbestimmter er wird, umso verlorener fühlt er sich und sucht sich dann manchmal in das Einfachste zu retten: gegen alles sein und nationalistisch werden – polarisieren.
    Es wäre also an der Zeit, u.a. auch die neuen Direktorinnen und Direktoren der Kunsthalle, des Museums für Gegenwartskunst und des Kunstmuseums inständig darum zu bitten, sich auch um die Künstler am Ort, an dem sie arbeiten, zu kümmern. Und sie sollen nicht nur an den nächsten Schritt auf ihrer Karriereleiter denken. Wieso konnte dies zum Beispiel Jean-Christophe Ammann? Er hat ja nicht die Schlechtesten in den Basler Künstlerateliers entdeckt und dann auch gefördert: siehe u.a. Silvia Bächli, die ja am 3. November 2014 den Basler Kulturpreis erhält!
    Wir wünschen Adam natürlich eine gute Hand und gute Zeit bei seinen neuen Herausforderungen!

Sabine Schaschl, Direktorin Haus Konstruktiv, Zürich, ehemals Kunsthaus Baselland

  • Von der Ära Szymczyk bleibt, dass er die Kunstszene in Basel neu durchmischt hat und immer wieder mit ungewöhnlichen und unbekannten Positionen neue Entdeckungen ermöglichte. Unsere gemeinsame Zeit in Basel war von gegenseitigem Respekt und Kollegialität gekennzeichnet. Ich habe das sehr geschätzt.

Peter Bläuer, Direktor Liste – Art Fair Basel

  • Erinnern wir uns zurück: die Wahl des damals noch unbekannten Adam Szymczyk war ein mutiger Entscheid des Kunstvereins – ein Entscheid, der sich gelohnt hat.
    Adam Szymczyk hat während seiner Tätigkeit an der Kunsthalle viele hochkarätige Ausstellungen mit einem hohen Anspruch und auf sehr hohem Niveau präsentiert. Für den neugierigen Besucher, der sich nicht nur an traditionellen Sehgewohnheiten orientieren wollte, war es eine grossartige Möglichkeit, sich der nicht ganz leichten, aber hoch spannenden Auseinandersetzung mit wichtigen Fragen der Kunst und mit unterschiedlichsten Positionen von Künstlerpersönlichkeiten unserer Zeit zu beschäftigen. Adam Szymczyk hat die Kunsthalle der «Kleinstadt» Basel (einmal mehr in ihrer Geschichte) zu einer international hoch beachteten und zu einem der interessantesten Ausstellungshäusern für zeitgenössische Kunst weltweit gemacht. Ich hoffe, Sie haben alle davon profitiert.

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