Strandgefühl in der IWB-Filteranlage

Zu Beginn der Art Basel-Woche präsentiert der Verein Filter4 die Ausstellung «H₂O kontemporär» – und schon ist klar, womit sich die Gemeinschaftsausstellung beschäftigt: Mit dem Thema Wasser.

Der Verein Filter4 zeigt eine Gemeinschaftsausstellung zum Thema Wasser. Unter anderem mit dem Video «Shreds of Laughter» der Künsterlin Julie Nymann.

(Bild: Daniela Gschweng)

Der Verein Filter4 geht in die fünfte Saison und zeigt eine neue Ausstellung im Filter4-Gebäude. In «H₂O kontemporär» beschäftigen sich sieben Künstler und ein Künstlerduo mit dem Thema Wasser.

Eine Ausstellung zum Thema Wasser, das ist naheliegend in der ehemaligen Langsamfilteranlage der IWB auf dem Bruderholz. Sehenswert ist schon der Ort, an dem sie stattfindet: Der ehemalige Wasserspeicher hat an sich bereits ein Ambiente zwischen Gewölbekeller, Sakralgebäude und Strand.

Verstärkt wird dieser Eindruck an Sommertagen durch den Gegensatz zwischen dem sommerlich warmen Draussen und dem kühlem Drinnen, wo sich in der Ausstellung «H₂O kontemporär» neun Künstler und Künstlerinnen mit dem Wasserelement auseinandergesetzt haben.

Anspruchsvolle Bedingungen

In dem Gewölberaum mit dem Sandboden und den hohen Deckenbögen muss man sich als Künstler schon etwas einfallen lassen. Ob man nun einen beleuchteten Teich im Sand anlegt, wie Domenico Billari das in der Installation «Shaping Thoughts» gemacht hat oder dem Wasser nachschaut wie Fredy Hadorn in dem Video «Wasserzerfall».

Auf den ersten Blick gar nicht sehr auffallend geäussert hat sich Sandra Kunz, die mit der Installation «As they come in for landing» die Pfeiler der ehemaligen Filteranlage mit einem Ring aus Fendern versehen hat wie mit Halsketten. Die fremden Anhänger aus der Schifffahrt fügen sich aber perfekt an die Stützbögen an. Wer da wohl landen mag?

Ins Gewölbe geholt hat Organisator Fredy Hadorn auch ein Display der dänisch-amerikanischen Künstlerin Julie Nymann, die darauf mit einem Hobel ihr eigenes Spiegelbild bearbeitet. Ob sie dabei lacht oder weint, ist nicht so genau festzustellen. «Shreds of Laughter» heisst ihr sehenswertes Video, daneben finden sich zwei Skulpturen des deutschen Künstlers Marco Schuler, von denen eine einen surfenden Elfenkönig Oberon zeigt.

Ein ironischer Blick auf den Elfenkönig: die Skulptur «Oberon» von Marco Schuler.

Ein ironischer Blick auf den Elfenkönig: die Skulptur «Oberon» von Marco Schuler. (Bild: Daniela Gschweng)

Die auffallendste Installation im Filter sind die farbenfrohen Planken von Phillipe Bildstein und Mattias Glatz. Bildstein|Glatz ist bekannt für grosse Installationen wie «Surfin Safari», die gerade am Bodensee zu sehen war. Im Vergleich dazu ist «Surf Shop» geradezu winzig.

Für einige Besucher der Vernissage wirken die farbenfrohen, im hinteren Teil des Kellers verteilten Planken wie Trümmerteile. In den Bruchstücken hängt hier ein T-Shirt und dort ein paar Shorts, im Sand dazwischen kann man spazieren gehen, was eher ein Feriengefühl erzeugt. Reflektieren sollen die bunten Objekte laut Begleittext die Freizeitkultur und die Vermarktung des Wassers.

Ein Trümmerfeld oder doch eher Strandambiente? Die Installation «Surf Shop» von Bildstein|Glatz.

Ein Trümmerfeld oder doch eher Strandambiente? Die Installation «Surf Shop» von Bildstein|Glatz. (Bild: Daniela Gschweng)

Fast übersehen – oder besser: überhören – konnte man im Trubel der Vernissage die Soundinstallation «Aggregat» von Ramon de Marco. Was aussieht wie an der Wand gespannte Fäden, sind Kabel, an denen 24 Miniaturlautsprecher eine Wasserklangwelt erzeugen, jeder aus seiner Perspektive. Es lohnt sich bei diesem Rauschen, Tropfen und Gurgeln eine Weile stehen zu bleiben, um zuzuhören.

Öl mit Glitter und Klang: «Emergence»

Das bestimmt anziehendste aller Exponate ist «Emergence» der Künstler Tabea Rothfuchs, David Fortmann und Fabrizio di Salvo, die bei der Vernissage auch regelrecht belagert wurde. Dafür sorgte nicht nur der interaktive Charakter. Die Installation besteht aus einem Becken mit magnetisiertem Öl, das zum Klang eines «Dirigierstabs», den der Betrachter selbst schwenken muss, unregelmässig Blasen wirft. Wegen der darin enthaltenen Eisenspäne glitzern die Blasen im Licht.

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«H₂O kontemporär», Filter4, Reservoirstrasse, 4059 Basel. 14. Juni bis 4. Oktober, Freitag und Samstag 1620 h,  Sonntag 13–18 h.

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