The Low Anthem und Trembling Bells im Wenkenpark

Das Stimmen-Festival bringt alternativen Folk in den Wenkenpark Riehen.

Tragen die Geschichte ihres Landes in Koffern um die Welt: The Low Anthem (USA). (Bild: zVg)

Das Stimmen-Festival bringt alternativen Folk in den Wenkenpark Riehen.

Die Tradition hat bei ihnen eine schwache Stimme. Sie summt und haucht höchstens, anstatt dass sie laut Geschichten erzählt, und man muss genau hinhören, um die vielen Zungen zu vernehmen, die durch ihre Lieder sprechen. The Low Anthem heisst dieses Folk-Quartett aus Rhode Island, das manchmal auch zum Quintett, zum Sextett oder zu einer noch grösseren Runde wächst, je nachdem, wer grade mitkommt.

Und die Geschichte ihrer Musik, des Blues und des Folk, die auch die Geschichte ihres Landes ist, tragen sie stets mit in ihren Koffern: Ihre Orgeln und Harmonien, Banjos und Maultrommeln, Kontrabässe und Waldhörner kaufen sie auf Flohmärkten zusammen oder aus dem Nachlass von Verstorbenen, die im ersten und zweiten grossen Krieg damit noch in einer Armeekapelle gespielt haben. Aber die Melodien, die The Low Anthem aus dem Instrumentarium der Tradition wie Staub herausklopfen, sind keine blossen Nostalgiefahrten.

Abwendung in die stilsichere Kauzigkeit

Bedächtig tröpfelt die Stimme von Sänger Ben Knox Miller mit einer leicht nasalen Note über die schummrigen Orgeln, die brummenden Hörner und die zerkratzten Gitarrenlinien, und immer da, wo die Kehre in die Standards des Genres am verlockendsten leuchtet, wenden sich The Low Anthem ab in die stilsichere Kauzigkeit. In surrealen, orgeldurchtränkten Blues, in verzerrte Mundharmonikas oder in verwunschene Chorgesänge, nur begleitet von einer zittrigen Mandoline.

The Low Anthem lassen sich einreihen in ein neu vermessenes Spielfeld des Alternative Folk, in das auch Mumford & Sons, Noah & The Whale, Bon Iver oder die älteren und diesseits des Atlantiks stets unterrepräsentierten Cowboy Junkies gehören, die mit einem Fuss noch in der Gospelkirche, mit dem anderen bereits in einer abgehalfterten Bar im Urban Village stehen.

Trembling Bells

Einen ähnlichen Spagat üben Trembling Bells. Die kommen aus Glasgow und entspringen damit einer etwas anderen Folktradition, mehr Geige statt Banjo, mehr klarer Gesang statt verbrämtes Genuschle, noch tiefer als bei The Low Anthem steckt jedoch bei ihnen der Stiefel im psychedelischen Sumpf: esoterisch vermauerte Babeltürme aus Textbausteinen, echodurchtränkte Stimmläufe, ausgehungerte Gitarren-verzerrungen, unterworfen von Streichern und Orgeln.

Während die Trembling Bells den Folk, die alte Socke, mit den Halluzinogenen der Siebziger vollstopfen, hat er bei The Low Anthem eine betont impressionistischere und in sich gekehrte Note: wenig Töne, wenig Schläge und ein geduldiges Irren im Raum. Man kann das lernen, übrigens: Am Tag nach ihrem Konzert am Stimmen-Festival laden The Low Anthem zum Workshop ein, «Songwriting – from ideas to lyrics and chords».

The Low Anthem und Trembling Bells spielen am Samstag, den 14. Juli, um 20 Uhr im Wenkenpark, Riehen.

Mehr Informationen dazu finden sie auf der Stimmen-Festival Homepage.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 13.07.12

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