Tschüss feines Clubbing, hallo dreckige Konzerte – das Atlantis belebt seine Bühne mit alten Bluesern und jungen Baslern

Rechtzeitig zum 70-Jahr-Jubiläum kommt neues Leben auf Basels geschichtsträchtigste Clubbühne. Ab September garniert das Traditionshaus «Atlantis» sein Gastroangebot mit Konzerten.

Dieser Charme soll wiederbelebt werden: Konzert der Gruppe Freeway 75 im Atlantis, im Jahre 1975 im -tis.

Rechtzeitig zum 70-Jahr-Jubiläum kommt neues Leben auf Basels geschichtsträchtigste Clubbühne. Ab September garniert das Traditionshaus «Atlantis» sein Gastroangebot mit Konzerten.

Ein Jahr nach der Übernahme 2014 sorgten die neuen Atlantis-Besitzerfamilien Andreetti und Rey mit der Ankündigung eines Konzertes für grosse Aufregung. Grund war weniger Blues-Grösse Mike Zito selbst, sondern die Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Traditionslokals am Klosterberg.

Die Besitzer wie auch Betreiberin Claudia Danuser wiegelten ab: Man will nur mal testen. Auch nach den Konzerten beim BScene-Festival diesen Frühling übten sich alle in Zurückhaltung, was die Zukunft der Bühne betrifft.

Junge Bookerin für altes Haus: «Es ist mir eine grosse Ehre»

Tatsächlich endete im Frühling die Ära als schicke Party-Lounge, nun verkündet David Andreetti offiziell die Neuausrichtung: «Wir wollen den Konzertbetrieb wiederbeleben, schliesslich gründet der gute Ruf des Hauses auf der Musik.» Premiere der hauseigenen Konzertreihe ist am 22. September. Wer dann auf der Bühne steht, will Andreetti noch nicht verraten. Den Namen der neuen -tis-Bookerin nennt er dafür. Tanja Schmid, die mit ihrer eigenen Agentur ein breites Kulturspektrum bedient und im SUD sowie der Cargo Bar tätig war.

Auch Schmid will das Herbst-Programm noch nicht verraten. So ganz genau weiss sie es auch noch nicht. «Ein paar Fixpunkte sind klar, vieles soll sich aber auch entwickeln. Das -tis steckt in den Kinderschuhen.» Letzteres klingt bei Basels traditionsreichstem Konzertschuppen, der nächstes Jahr sein 70-jähriges Jubiläum feiert, amüsant.

Der Geschichte ist sich Schmid denn auch durchaus bewusst: «Der Job ist eine grosse Ehre. Den hätten wohl viele gerne gemacht.» Die viel umschwärmten alten Zeiten hat die 27-Jährige nicht miterleben können. Doch verrät sie immerhin: «Die Nostalgiker werden bei den Konzerten auf ihre Kosten kommen.» Für Freunde neuer Klänge sollen einmal im Monat Basler Newcomer auf den Brettern stehen und bei unregelmässigen «Dinnerkonzerten» werden zwischen den kulinarischen Gängen kulturelle Häppchen serviert.

Die ersten Live-Aufnahmen sind bereits gefixt

Ab 2017 wird das Atlantis zudem neue Spielstätte für die Konzerte von Groove Now. Den Auftakt macht im Januar eine All-Star-Band um Mike Zito. Der Versuchsballon im 2015 war anscheinend für alle ein Überflieger. Patrick Kaiser, Präsident und Musikalischer Leiter von Groove Now, betonte bei der Präsentation des Programms, dass sich der Bluesrocker genauso auf eine Wiederholung freut wie das Publikum. «Hier kommt die passend dreckige Clubatmosphäre auf. Das konnte das Volkshaus nicht bieten.» 

Im Volkshaus lief die Veranstaltungsreihe die letzten Jahre – lange unter dem Namen Blues Now!. Dass im Saal viel mehr Zuschauer Platz finden als im Atlantis kompensiert Kaiser mit Doppelkonzerten – so wie früher, als die Band gleich mehrere Abende spielte. Kaiser hält sein Programm nicht bedeckt und präsentiert mit sichtlichem Stolz das ganze Jahr 2017.

«2018 und 2019 sind auch fast vollgebucht. Wir planen langfristig.» Live-Aufnahmen wird es ebenfalls wieder geben. Das Herbstkonzert des stimmgewaltigen US-Sängers Sugaray Rayford soll später als CD erscheinen. «Wir sind überzeugt, die Akustik wird weltklasse.»

 

Damit der Raum ab Ende September alle Konzertanforderungen erfüllt, wird derzeit emsig umgebaut. Der Gastrobetrieb läuft jedoch ungebremst weiter. Denn bei aller Euphorie über kommende Konzerte streicht Andreetti die Haushierarchie heraus: «Wir sind ein Restaurant mit Kulturbetrieb.»

Die Musik soll im «Mehrspartenhaus» dennoch mehr sein als Beigemüse. Was genau serviert wird, erfährt man Anfang September.

Konversation

  1. hat der kaiser eignentlich noch einen anderen an der angel ausser mike zito (der übrigens sehr überzeugt).
    und dreckige konzerte, was bitte heisst den das? mit schweizer popbands wahahah…
    trotzdem ich wünsche den beteiligten viel erfolg!!

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  2. Nun, das Musikangebot des alten Tis war bekanntlich zu grosszügig gegenüber den Gästen und hat nicht rentiert. Da konnte man ja nachts um 11 noch schnell vorbeischauen 10 Stutz Eintritt bezahlen, ein Bier bestellen und zum Nachmümpfeli ein Häppchen Musik geniessen. Heute muss Kohle rein und das geht nur mit Konsumzwang und Mainstream. Das wird in Zukunft nicht anders sein befürchte ich. Aber ich schau demnächst mal wieder rein und lasse mich gerne überraschen.

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  3. Das klingt doch vielversprechend. Livekonzerte sind wesentlich unterhaltsamer und spannender als Bumm-Bumm Konserven. Hoffen wir mal, dass es wieder so wird wie früher mit so tollen shows von Mamas Boys oder Guitar Heroes wie Vic Vergat!

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