Vom identitätsstiftenden Geschlecht

2011 war das Jahr der Gleichstellungsjubiläen. Eine Ausstellung befasst sich in fotografischen Arbeiten mit dem Thema.

«Martin, Jacky, Caro». (Bild: Lua Leirner)

2011 war das Jahr der Gleichstellungsjubiläen. Eine Ausstellung befasst sich in fotografischen Arbeiten mit dem Thema.

40 Jahre Stimm- und Wahlrecht für Frauen, 30 Jahre Gleichstellungsartikal, 20 Jahre Frauenstreik, 15 Jahre Gleichstellungsgesetz: Das Jahr 2011 ist (oder war) in der Tat ein Jahr von Gleichstellungsjubiläen. An der Schule für Gestaltung hatte Regine Flury, Fotografin und Leiterin des Fotoseminars, den Plan gefasst, ein Fotoprojekt zum Thema umzusetzen. Bei der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann Baselland suchte Leiterin Sabine Kubli nach neuen Zugängen zu ihrem Auftrag. Ein Teilnehmer des Fotoseminars brachte die beiden zusammen, und es enstand das Projekt «Zweierlei? Ansichten von Frauen und Männern».

Die Ausstellung wurde bereits im Juni im Theater Palazzo in Liestal einmal gezeigt, ein grosser Erfolg. Nun werden die Fotoarbeiten in Basel ein weiteres Mal dem Publikum zugänglich gemacht, im Bellevue, einem neuen Raum an der Breisacherstrasse. Der Gang dorthin lohnt – nicht nur für Gleichstellungsinteressierte. Die Art und Weise, wie die 18 Studierenden sich dem Thema näherten, war so unterschiedlich wie die Fragen, die am Anfang standen: Was hat uns die Gleichstellung gebracht? Welches Selbstverständnis hat sich daraus für die heute junge Generation ergeben? Wie blicken ältere Menschen darauf zurück? Ist es heute einerlei, ob man als Mann oder als Frau durchs Leben geht?

Zwischen 19 und 67 Jahre alt sind die Fotografen und Fotografinnen, die am Projekt teilgenommen haben. Das breite Altersspektrum spiegelt sich auch in ihren Arbeiten. Vor den Werken bleibt man lange und gerne stehen. Und verlässt den Raum mit vielen Bildern, Gesichtern und Ansichten.

> Ausstellung noch bis 4. Dezember, Bellevue, Breisacherstr. 50, Basel. Begleitend finden folgende Vorträge statt:
– So, 27.11., 17 Uhr: Gabriele Dietze, Professorin für Medien-, Kultur- und Genderwissenschaften, Humboldtuniversität Berlin zum Thema «Geschlechterbilder in der visuellen Kultur»
– Mo, 28.11., 20 Uhr: Pascal Trudon, Fotograf und Kulturhistoriker, Cavigliano (TI) und München zum Thema «Portraitfotografie im Lichte der Aufklärung und der Emanzipation»
– So, 4.12., 17 Uhr: Cristina Zilioli, Fotografin, Zürich zum Thema «Von der Gestalt im fotografischen Portrait»

Am Mittwoch, 30.11., wird ausserdem im Museum.bl in Liestal der Chancengleichheitspreis beider Basel verliehen.

Konversation

  1. Rap als „Kunst & Kultur“ schönreden, 25.11.2011
    Die Darstellung der Rap-Szene war zwar interessant, aber etwas einseitig.
    In unseren Breitengraden genießen wir eine gewisse Kultur, die geprägt ist von gegenseitiger Achtung, einer minimalen Rücksichtnahme und Fairness im Umgang mit Andersdenkenden. Unsere geltende Ordnung basiert auf Mehrheitsentscheiden und hat unser Land so über Generationen beeinflusst. Aus den von Marc Krebs zitierten Dialektraps und Schilderungen spricht so viel Überheblichkeit, Aggression gegen unserer Polizei als Ordnungshüter und Rücksichtslosigkeit, dass sich dazu wohl einige Bemerkungen aufdrängen.
    • „Ich bin e Sprayer und ich spray won ich will!“ Wer zwischen Mein und Dein vorsätzlich nicht unterscheidet, gilt in unserer Gesellschaft nicht als kreativ, sondern als kriminell. Es gibt kein Persönlichkeitsrecht, das solches Verhalten legitimiert.
    • „Ich verzier nur Betonwänd … due Stadt verschönere“ Eigenmächtig zu deklarieren was als schön zu gelten hat und was nicht, ist so überheblich wie anmaßend. Wer Tags und Graffitis als Kunst bezeichnet verkannt wohl die Realität, dass die überwiegende Anzahl besprayter Objekte von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung als Schmierereien empfunden werden, insbesondere auf Hauswänden Unterführungen, Verkehrsschildern oder Lampen …
    • „Hätte es genügend Graffitiwände …“ Um gewisse Bedürfnisse befriedigen zu können bedarf es oft Veränderungen. Dazu werden Projekte entwickelt, die in der Regel mehr oder weniger Aufwand erfordern. Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, Sonderwünsche einiger Weniger (Angebot und Unterhalt von Sprayerwänden) zu erfüllen. Selbstverwirklichung zu Lasten anderer ist Rücksichtslosigkeit und Merkmal von mangelndem Sozialverhalten.

    So wie Korruption in unterentwickelten Ländern ein Bestandteil der Kultur darstellt, ist illegales Sprayen leider zum Bestandteil unserer Kultur, ebenfalls im negativen Sinne geworden. Es ist ein deutliches Anzeichen der Dekadenz einer
    in weiten Teilen fehlentwickelten Gesellschaft, die sich langsam selbst zerstört. (Bonuskultur, Energieverschwendung, Umweltverschmutzung… um nur einige weiter zunehmende Tendenzen zu erwähnen.

    Jürg Widmer

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