Was Star-Architekt Peter Zumthor in Riehen plant

Die Fondation Beyeler dehnt sich aus. Der Bündner Architekt Peter Zumthor hat dafür gleich drei neue Bauten entworfen. Das beliebte Museum erweitert sich mit dem neuen Ensemble im benachbarten Iselin-Weber-Park zum Campus der Künste.

Entwurf für das Haus für die Kunst und den Pavillon (rechts im Bild).

(Bild: Courtesy Atelier Peter Zumthor & Partner )

Die Fondation Beyeler dehnt sich aus. Der Bündner Architekt Peter Zumthor hat dafür gleich drei neue Bauten entworfen. Das beliebte Museum erweitert sich mit dem neuen Ensemble im benachbarten Iselin-Weber-Park zum Campus der Künste.

Die Fondation Beyeler geht in mehrfacher Hinsicht bemerkenswerte Wege. Im Schatten des Baus der Kunstmuseum-Erweiterung plante das private Museum, das seit Jahren die Popularitäts-Hitliste der Schweizer Kunsthäuser anführt, einen eigenen Erweiterungsbau. Die Pläne wurden nun den Medien präsentiert.

Und es setzte gleich eine erste Überraschung ab: Es ist nicht ein Bau, es sind deren drei, die in den kommenden Jahren im benachbarten Iselin-Weber-Park entstehen werden. Die Idee dazu kam vom bekannten Schweizer Architekten Peter Zumthor, der sich in einem Studienwettbewerb gegen zehn weitere renommierte Architekten aus der ganzen Welt durchgesetzt hat.

Drei Erweiterungsbauten

Dass es nun drei Gebäude werden, dürfte auch der Auflage geschuldet sein, dass im Iselin-Weber-Park keine Bäume gefällt werden dürfen. Diese Bedingung hatte die ehemalige Besitzerin der beeindruckenden Anlage gestellt. «Sie ist ganz in meinem Sinne», sagte Hansjörg Wyss, Präsident der Beyeler-Stiftung und Initiator des Projekts. Auch diese Persönlichkeit ist bemerkenswert, aber dazu später mehr.

Die drei neuen Bauten separieren die drei inhaltlichen Bedürfnisse des Museums, welche die Erweiterung «notwendig machen», wie Direktor Sam Keller sagte. Und entsprechend ihrer unterschiedlichen Nutzungen präsentieren sie sich auch ganz anders.

Ein skulpturaler Monolith als Haus für die Kunst

Zwischen die alten Bäume einschmiegen wird sich ein neues Haus für die Kunst, also ein Bau, der mehr Platz für die wachsende Sammlung und für Leihgaben bieten soll. Zumthor hat hierfür einen wuchtigen, fast bunkerartigen, dreigeschossigen Bau entworfen, der sich auf einem unregelmässigen Grundriss um die mächtigen alten Bäume herum ausweitet.



Fondation-Direktor Sam Keller freut sich offensichtlich über das Projekt von Peter Zumthor.

Fondation-Direktor Sam Keller freut sich offensichtlich über das Projekt von Peter Zumthor. (Bild: Stefan Bohrer)

Im Gegensatz zum «Altbau» der Fondation Beyeler wird es im neuen Bau kein Oberlicht geben. Dennoch hat ihn Zumthor mit grossen, ebenfalls unregelmässig verteilten Fenstern als «Tageslicht-Museum» konzipiert. Der Neubau bietet 1500 Quadratmeter Ausstellungsfläche – das entspricht der Hälfte des heutigen Baus von Renzo Piano. Die Wände aus gestampftem Beton betonen die Massigkeit der Baus.

Lichter Pavillon für Veranstaltungen

Ganz anders präsentiert sich der Pavillon für Veranstaltungen. Es ist ein ebenerdiger, weitläufiger und sehr transparenter Bau mit einem Dach, das auf der Glasfassade zu schweben scheint. Bemerkenswert an diesem Pavillon, in dem Veranstaltungen für 200 bis 300 Personen stattfinden können, ist, dass er tagsüber als frei zugängliches, «öffentliches Wohnzimmer» für die Bevölkerung zur Verfügung stehen soll.

Der dritte und kleinste Bau wird für Bedürfnisse der Administration und Technik Platz bieten. Zu diesem Bau konnte Zumthor noch keine näheren Angaben machen.

«Eine Berner Bieridee»

Aussergewöhnlich ist auch die Geschichte, wie es zu diesem Erweiterungsprojekt kam. Natürlich stand am Ursprung das Bedürfnis des Museums nach mehr Raum. «Museen erweitern sich nicht aus Übermut, sondern aus Notwendigkeit», sagte Direktor Sam Keller. Die Idee, die Erweiterung im benachbarten Iselin-Weber-Park zu bauen, kam aber nicht von Keller oder einem der Museumsmitarbeitern, sondern von Hansjörg Wyss aus Bern.



Visualisierung der grosszügigen Ausstellungsräume.

Visualisierung der grosszügigen Ausstellungsräume. (Bild: Courtesy Atelier Peter Zumthor & Partner – © Successió Miró / Calder Foundation, New York )

«Wir wussten, dass wir mehr Platz brauchen, und uns war klar, dass wir im heutigen Park keinen Platz für einen Erweiterungsbau haben», sagte Wyss. Bei einem Spaziergang habe er dann aber den riesigen Park entdeckt, der heute hinter Häusern und Mauern versteckt liegt. Und weil Wyss offensichtlich ein Mann ist, der sich nicht so schnell aus dem Konzept bringen lässt, nahm die Geschichte ihren erfolgreichen Lauf. Die Besitzerin des Parks liess sich zum Verkauf überreden – eben mit der Auflage, dass die Bäume nicht angerührt werden.

Und die Gemeinde Riehen dazu, die Einfamilienhausreihe am Bachtelenweg, der zwischen dem heutigen Park des Museums und eben dem Iselin-Weber-Park liegt, für den Abbruch freizugeben.

Die Hälfte des Gelds ist da

Der Stiftungspräsident und Berner Milliardär beliess es aber nicht nur bei seinem praktischen Engagement, sondern stellte auch Geld zur Verfügung. Zusammen mit dem Zürcher Unternehmer und Kunstförderer Stephan Schmidheiny und Basler Mäzenen konnten bis jetzt knapp 50 Millionen Franken aufgebracht werden.

Nötig sind aber 100 Millionen. «Das Projekt ist teuer», sagte Wyss. Und er meinte damit nicht nur die Baukosten. Die Idee ist, jetzt bereits auch die voraussichtlichen Betriebskosten für einen Zeitraum von zwölf Jahren zu sichern. «Die heutige Information wird sicher dazu beitragen, dass weitere Gelder fliessen werden», gab sich Wyss optimistisch.



Bäume fällen verboten: Der wunderschöne Iselin-Weber-Park.

Bäume fällen verboten: Der wunderschöne Iselin-Weber-Park. (Bild: Stefan Bohrer)

In anderthalb bis zwei Jahren soll Baubeginn sein. Wer einen Augenschein nehmen will, kann das machen: Morgen, Samstag und Sonntag, wird das Projekt im Untergeschoss der Fondation Beyeler ausgestellt.

Konversation

  1. Wenn man mal im eigenen Garten gebündelt hat, weiss man, das Wurzeln noch weit entfernt von der Baumkrone sich ausbreiten können. Außerdem verdichtet jedes schwere Fahrzeug den Boden.
    Das bedeutet, dass durch die Bautätigkeit sicher auch die Bäume geschädigt werden, egal wie weit man entfernt von den Bäumen baut.

    Die entsprechende Animation ist daher nur möglich, wenn die Bäume nachträglich gepflanzt worden sind.

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  2. Wenn alte Männer immer noch konventionell bauen u.visualisierungsmässig es Modern aussehen lassen.Tja,sowas können sich nur sogenannte Stararchitekten leisten u.ihre Hofierer. Das der alte Park Baumbestand stehen bleibt, welches eine Wohltat ist, hätte man in der Widerspiegelung der angegebenen Baumaterialien sehen dürfen. Mich hätte wunder genommen ob Zumthor fähig wäre ein moderne Holzbau zu kreieren 😉 So wird halt dort wieder ein Zweischalenmauerwerk aus Beton-Foamglas-Backstein-Lehmverputz hingestellt. Modern war gestern!

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