Wer Allerheiligen feiert, feiert auch ihn: Fillan, der Mönch mit dem Superarm

In zahlreichen Heiligenlegenden stösst man auf erstaunliche Fähigkeiten frommer Männer und Frauen. Saint Fillans Besonderheit war im 8. Jahrhundert einfach praktisch, heute würde sie ihn wohl zum Superhelden machen.

Saint Fillan «schaute zu Land und Leuten. Das sollten wir auch tun», werden Wanderer in den Highlands ermahnt. (Bild: Martin Stohler)

Wer an Allerheiligen eines jeden und einer jeden Heiligen einzeln gedenken wollte, käme aus dem Gedenken gar nicht mehr heraus. Die im Jahr 2004 vom Vatikan besorgte erweiterte Neuausgabe des «Martyrologium Romanum»  – ein  Gesamtverzeichnis der Heiligen und Seligen – enthält nämlich über 6650 Namen. Der heilige Filanus beziehungsweise Saint Fillan, wie er in Schottland heisst, ist einer von ihnen.

Fillan war ein irischer Mönch, der im 8. Jahrhundert wie seine Mutter, Saint Kentigerna, und sein Onkel, Saint Comgan, nach Schottland zog. Fillans Vater Feriath, ein Edelmann, dürfte in Irland zurückgeblieben sein. Fillan wird ihm kaum eine Träne nachgeweint haben. Immerhin hatte Feriath seinen Sohn in einen See geworfen, weil das Gesicht des Neugeborenen eine monströse Entstellung zeigte. Ein anderes Kind wäre nun ertrunken, doch die Gebete der Mutter wurden erhört und Fillan wurde gerettet.

Historisch schwer zu fassen

Über Fillans Leben in Schottland wissen wir nicht allzu viel Gesichertes. In Pittenweem in der Grafschaft Fife baute er mit der Hilfe von sieben Gefährten eine Kirche. Während einiger Zeit war er Abt eines Klosters. Dann zog er sich nach Glen Dochart und in das nach ihm benannte Tal Strath Fillan bei Tyndrum in der Grafschaft Perthshire zurück.

Das Farmhaus, bei dessen Bau auch Steine der zerfallenen Priory verwendet wurden.

Fillan soll über Heilkräfte verfügt haben und viele heilige Quellen werden mit seinem Namen in Verbindung gebracht. Eine ganz besondere Kraft war seinem linken Arm eigen. Dieser leuchtete nämlich derart im Dunkeln, dass Fillan bei dessen Schein ohne Weiteres heilige Texte lesen und schreiben konnte.

Anders als manche andere Heilige erlitt Fillan nicht einen qualvollen Martertod, sondern durfte friedlich entschlafen. Weder sein Geburts- noch sein Todesjahr kennen wir.

Eine eigensinnige Reliquie

Fillans linker Arm behielt seine wundersamen Kräfte auch nach dem Ableben des heiligen Mannes. Dies sollte sich im Sommer des Jahres 1314 erweisen. Robert Bruce, 1306 zum König von Schottland gekrönt, stand damals vor einer entscheidenden Schlacht gegen König Eduard II. von England. Dabei erhoffte sich Bruce auch die Unterstützung von Saint Fillan.

Was ihn auf den Gedanken brachte, Fillan könne ihm gegen die Engländer beistehen, verraten uns die spärlichen Quellen leider nicht. Jedenfalls bat Bruce den Abt des Klosters Inchaffray, der einer seiner Anhänger war, die Armknochen-Reliquie von Saint Fillan auf den Feldzug mitzunehmen. Da der Abt befürchtete, dass die Reliquie im Kampfgetümmel verloren gehen könnte, liess er den kostbaren Armknochen vorsichtshalber im Kloster zurück und nahm lediglich den leeren silbernen Reliquienbehälter mit.

Als Robert Bruce und der Abt vor dem Kampf den Behälter öffneten, da erblickten sie darin den Armknochen, der ohne menschliches Zutun den Weg vom Kloster in das Reliquiar gefunden hatte. Nach einem solchen Wunder war es nicht mehr erstaunlich, dass Bruce anschliessend die Schlacht am Bach Bannockburn gegen ein zahlenmässig deutlich überlegenes Heer gewann.

Glocke und Stab

Als Dank an Saint Fillan liess Robert Bruce darauf 1317/1318 bei Kirkton Farm ein kleines Kloster, eine Priory, errichten. Davon ist heute nur noch wenig Mauerwerk übrig. Ein Teil der Steine wurde beim Bau eines Farmhauses in der Nähe wiederverwendet.

Die einst von Robert Bruce gestiftete Priory ist heute eine Ruine.

Saint Fillans ursprüngliche Kapelle befand sich etwas nordwestlich dieser Priory an einem Teich. Noch bis ins frühe 19. Jahrhundert tauchte man in dessen Wasser psychisch kranke Menschen und band sie über Nacht an die Kirchenruine, wie Mick Sharp in seinem «Illustrated Guide to the Saints and Holy Places of Britain» erzählt. Wenn sie sich von ihren Fesseln befreien konnten, galten sie als geheilt.

Fillans Armknochen gingen im Laufe der Zeit verloren. Doch auf der Tafel, die bei den Ruinen der Priory steht und die das (Fantasie-)Porträt von Saint Fillan zeigt, sind auch zwei Gegenstände zu sehen, die mit dem Heiligen in Verbindung gebracht werden: eine Glocke, die bei Heilzeremonien verwendet wurde, sowie der metallene Bogen eines Krummstabs. Beide sind heute im Museum of Scotland in Edinburgh ausgestellt. Ob sie tatsächlich einst Saint Fillan gehörten, ist ungewiss.

Konversation

  1. Oje, Basel wird immer katholischer ind damit, wie es sich zur katholischen „Kultur“ gehört, eben immer analphabetischer. Hat zwar mit diesem Artikel nichts zu tun, aber mit dem Thema Katholizismus und Scheinheilige… Gute Besserung!

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