«Wir füllen mit dem Unitheater eine Lücke»

Mélanie Honegger und Luca Vincenzi sind die Tätschmeister des neu gegründeten Unitheaters. Im Interview erzählen sie, wieso Basel ein Unitheater braucht, was nackte Menschen auf Bühnen zu suchen haben (oder eben nicht) und wie sie mit dem riesigen Interesse von potenziellen Mitgliedern umgehen.

Das Unitheater hat einen guten Start hingelegt. Mélanie Honegger und Luca Vincenzi freuts. (Bild: Nils Fisch)

Mélanie Honegger und Luca Vincenzi sind die Tätschmeister des neu gegründeten Unitheaters. Im Interview erzählen sie wieso Basel ein Unitheater braucht, was nackte Menschen auf Bühnen zu suchen haben (oder eben nicht) und wie sie mit dem riesigen Interesse von potenziellen Mitgliedern umgehen.

Eine Uni ohne Unitheater? Unvorstellbar, fanden fünf Studenten der Uni Basel und gründeten 2013 einen Verein, der die Studentenschaft Basels auf die Bühne holen sollte: das Unitheater Basel. Letzten Freitag feierte der Verein seine Premiere im Engelhofkeller des Deutschen Seminars, die Vorstellung war ausverkauft, die Medienstimmen gut.

Wir trafen Mitgründer Luca Vincenzi und Mélanie Honegger zur ersten Bestandesaufnahme nach der Premiere.

Sie haben ein Unitheater gegründet, obwohl es an der Uni Basel bereits einige Studententheater gibt. Wieso braucht es trotzdem eins?

Mélanie Honegger: Ich finde die Frage generell etwas schwierig. Theater braucht es ja strenggenommen nie. Es ist etwas, was Spass machen soll und sobald Leute da sind, die Spass daran haben, braucht es auch ein Theater.

Luca Vincenzi: Wir empfanden es als Mangel, dass es hier kein Unitheater gab und gründeten deshalb unser eigenes. Es gibt viele Angebote, aber ich hab trotzdem das Gefühl, dass wir eine Lücke füllen.

Wie sieht diese Lücke aus?

Honegger: Als Beispiel: Ich habe früher im Jungen Theater gespielt und wollte mal was Anderes ausprobieren, habe aber nichts Passendes gefunden. Beim Jungen Theater hast du entweder Glück und darfst in einem Stück mitspielen oder du musst einen Kurs machen, der 800 Franken kostet. Das war für mich der ausschlaggebende Punkt.

Trotzdem: Viele Fakultäten haben ihre eigenen Theatergruppen. Das französische und deutsche Seminar haben welche, bei den Anglistikern sind es seit über 60 Jahren die «Gay Beggars».

Vincenzi: Ja genau, bei denen muss man aber schon ein gewisses Niveau an Englisch haben, um mitspielen zu dürfen. Und die Theater anderer Fakultäten bestehen aus jungen Studierenden, die unter sich was machen oder jeweils spezifisch Leute für einzelne Produktionen suchen. Die sind aber nicht wie der Unichor oder das Uniorchester, wo alle kommen und mitmachen können.  

Im Moment reicht der Platz noch aus und Aufführungen können im Keller des deutschen Seminars stattfinden.

Wie hat Elin Fredriksson reagiert, als sie erfuhr, dass ihr Text ausgewählt wurde?

Honegger: Elin hatte überhaupt nicht damit gerechnet. Sie war auch gar nicht in Basel, sondern in Polen, wo sie momentan ein Austauschsemester macht. Für die Premiere war sie dann aber da. 

Vincenzi: Sie fand das Stück sehr gut, und hat sich auch gefreut, dass wir Sachen weitergedacht haben, die sie im Text angedeutet hatte.

Honegger: Ich bin ehrlich gesagt ziemlich erleichtert darüber. Elin hatte das Stück nämlich ursprünglich für vier Personen geschrieben und wir haben in der dramaturgischen Fassung vier Beamte dazugedichtet. Vier von acht Rollen waren also von uns. Aber zum Glück hat sies gut aufgenommen.

Hat sich extra fürs Stück massive Koteletten wachsen lassen: Luca Vincenzi in «Deadline».

Hat sich extra fürs Stück massive Koteletten wachsen lassen: Luca Vincenzi in «Deadline». (Bild: Seraina Oppliger)

Was macht ein gutes Theaterstück aus?

Vincenzi: Theater sollte schon etwas aussagen. Und darf die Leute auch mal vor den Kopf stossen. 

Honegger: Mein Zugang ist ein bisschen anders, ich mag wenn die Stücke nicht zu lang sind. Ich bin nicht die typische Theaterspielerin, eher die typische Theaterzuschauerin (lacht). Für mich kann Theater auch was Kunstvolles sein, was ohne krasse Aussage, auch einfach etwas, das berührt. 

Vincenzi: Theater als Unterhaltung zu machen, ist schon legitim. Ich finde aber eben schon, dass es auch mal provozieren darf. Nur ist das heute nicht mehr ganz einfach. Alles ist akzeptiert. Und dann kommt man in diese komische Sachen rein, wo irgendwelche Menschen nackt über die Bühne rennen. 

Wie sieht es mit «Deadline» aus – berühren oder provozieren Sie damit?

Honegger: Schwierig zu sagen. Es ist kein Stück, das sich einfacher Mittel bedient, um die Leute zu unterhalten. Wir haben keine Musik, keine nackten Leute auf der Bühne und auch wenig, womit man einfach provozieren kann.

Vincenzi: Es ist halt eher die Thematik, der Stoff, der zum Reflektieren einlädt. Und da, finde ich, ist das Theater schon ein wichtiges Organ: Es macht mich auf gewisse Sachen aufmerksam. Es regt mich zum Nachdenken an, über Sachen, auf die ich ohne es nicht kommen würde.

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