«Wir haben einen guten Sportarzt»

Die Berliner Rockband The Beatsteaks hat den Headliner-Reigen am Open Air Gampel eröffnet. Die TagesWoche traf den Gitarristen Bernd Kurtzke am Walliser Festival und sprach mit ihm über Tourstress, das Älterwerden und über den Druck, dem Ruf als wilde Live-Band gerecht zu werden.

Die Berliner Rockband The Beatsteaks hat den Headliner-Reigen am Open Air Gampel eröffnet. Die TagesWoche traf den Gitarristen Bernd Kurtzke am Walliser Festival und sprach mit ihm über Tourstress, das Älterwerden und über den Druck, dem Ruf als wilde Live-Band gerecht zu werden.

The Beatsteaks sind bekannt dafür, eine wilde Live-Band zu sein. Wie geht man mit diesem Druck um, immer wieder eine gute Live-Show zu bieten?

Im Grunde gar nicht, weil wir einfach so sind. Wir müssen uns da nicht verstellen. Ich bin zwar nicht gerade derjenige, der über die Bühne hechtet, aber Arnim, unser Sänger, ist ein Zirkuskind. Es ist ihm ein Herzensbedürfnis, eine Riesenparty zu machen.
Wir haben angefangen, mit zwei Schlagzeugern auf der Bühne zu spielen, weil wir mit demselben Album schon im dritten Jahr auf Tour sind. Wir fanden, wir müssen den Leuten mal was Neues bieten.

Macht sich auf Tour das Alter langsam bemerkbar?

Ja, ja, ja. Das merkt man am ehesten an der Stimme des Sängers. Wenn du zwei Stunden auf der Bühne stehst, dann kannst du nicht mehr als drei Tage hintereinander Konzerte geben. Wir sind alle nicht mehr 18 Jahre alt. Das spürt man schon in den Knochen. Aber dafür haben wir einen guten Sportarzt.

Haben Sie ein Rezept gegen den Tourstress?

Wir gehen zeitig ins Bett. Ich trinke sonst gerne mal einen über den Durst, aber im Touralltag geht das nicht.

Spielen Sie noch immer gerne an Festivals?

Definitv. Aber ich mag es nicht, erst um Mitternacht zu spielen. Dadurch kriegt man die Funktion des Rausschmeissers. Und als Musiker wartet man den ganzen Tag, bis man endlich mal spielen kann. Das ist anstrengend.

Die Beatsteaks sind auch als lustige Band bekannt. Beeinträchtigt Humor die musikalische Glaubwürdigkeit?

Überhaupt nicht. Es gibt nichts schlimmeres als eine Band mit einer absolut ernsthaften Bühnenshow. Am Ende kochen doch alle nur mit Wasser. Musik soll Spass machen. Jeder, der was anderes behauptet, lügt. Wer auf die Bühne geht, will Spass haben. Ich mag keine Konzeptbands, die beim Konzert auf ihre Schuhe gucken und alles todernst meinen, was sie da machen.

Bei den Beatsteaks spielen drei Gitarristen. Gibt es da manchmal Zank, wer welchen Part übernehmen darf?

Mittlerweile eher selten. Klar, es ist immer ein Wettstreit zwischen Peter, den anderen Gitarristen und mir, wer die besten Parts spielen darf. Aber diese Streitigkeiten sind dem Song eher zuträglich, als dass es ihn kaputt machen würde, weil dabei immer die besten Sachen rauskommen.

Ihr Sound bewegt sich seit dem neuesten Album «Boombox» weg vom Punkrock hin zur Popmusik.

Ja, das hat aber viel mit den Songs zu tun. Über den Sound des Albums bin ich extrem glücklich. Unsere Platte gefällt mir der Lesbarkeit wegen. Sie klingt überhaupt nicht matschig, sondern man hört jedes Detail.

Vertragen Sie sich eigentlich wieder mit Tocotronic?

Wir haben uns nie nicht vertragen. Wir wissen nicht, woher dieses Gerücht kommt, aber es ist totaler Quatsch. Im Gegenteil, Dirk von Lowtzow war sogar der Namensgeber für unser Album «Limbo Messiah».

Was war Ihr grösstes musikalisches Erlebnis?

Vor zwei Jahren habe ich Kraftwerk auf dem Hurricane-Festival gesehen und war sehr beeindruckt. Du hast von der Bühne dieses Lichtbrett und den Hammersound, davon können sich noch einige DJ-Acts eine Scheibe abschneiden.

Was planen Sie als nächstes?

Wir beenden im September die aktuelle Tour. Danach sichten wir unser vorhandenes Musikmaterial und fangen an, eine neue Platte zu machen.

Können Sie inzwischen gut von der Musik leben?

Von uns muss keiner mehr arbeiten gehen. Zwar sind wir nicht steinreich, das wollen wir auch gar nicht sein, weil sonst der Druck zur Produktivität fehlen würde, aber wir können unsere Renten bezahlen.

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