Zøla träumt gross

Zøla ist 19 und setzt in seinem Keller im St. Johann voll auf Musik. Basler Szenegrössen prophezeien ihm eine grosse Zukunft. Am Samstag tauft er sein Debütalbum in der Kaschemme.

Naim Zola Mbundu

Zølas Paradies ist ein Kellerloch. Kein Tageslicht, die Wände gedämmt, die Luft abgestanden. Hier sitzt er stunden- und nächtelang, hängt tief im Sessel und schaut konzentriert in seinen Bildschirm. Aus den Boxen dröhnt laut Musik, seine Musik.
Und diese Musik klingt überhaupt nicht abgestanden, kein bisschen nach Keller. Zøla klingt nach einer rauen Clubnacht in New York, nach luftigem Trip, nach jugendlichem Hedonismus und den Selbstzweifeln, die solche Exzesse mit sich bringen.

Paradies, Kellerloch. Basler Keller, Clubnacht in New York. Der Spagat ist riesig. Und er passt zu den Ambitionen, die dieser junge Musiker hat. Naim Mbundu ist 19 Jahre alt, wohnt im St. Johann und setzt alles auf die Musik. Eine Lehre als Landschaftszeichner hat er vor einem Jahr abgebrochen. Seither lebt Zøla («mit einem zarten Z») zwar noch nicht von, aber voll und ganz für die Musik. Ein Nebenjob im Service hält ihn finanziell über Wasser.

«Ich liebe diesen Raum, die Möglichkeiten, die er mir bietet.» Wir sitzen in besagtem Keller, das Studio befindet sich im selben Haus, in dem Zøla zusammen mit seiner Mutter wohnt. Die Magie des Raumes erschliesst sich erst, wenn man Zøla zuhört, wie er hier musiziert, kreiert, träumt. «Meine Mutter war zuerst etwas skeptisch, als ich meine Lehre abgebrochen habe.» Sie hätte sich Sicherheit für ihren Sohn gewünscht, klar. «Aber ich mag diese gewisse Unsicherheit in meinem Leben gerade. Sie beflügelt mich», sagt Zøla.

Seit Zøla vor einigen Monaten am M4Music den begehrten Demotape Clinic Award überreicht bekam, hat sich auch bei seiner Mutter die Zuversicht eingestellt, dass ihr Sohn auf dem richtigen Weg sei. Und es ist ja nicht so, als ob sich dieser Weg nicht abgezeichnet hätte.

Seine erste Gitarre hielt Zøla mit sechs Jahren in den Händen, ein Pfadileiter brachte ihm ein paar Griffe und Lieder bei. Später lernte er bei einem Bekannten, wie man Djembé spielt, hatte Auftritte mit einer Trommelgruppe, reiste dafür sogar in den Senegal. Diese musikalische Begegnung mit seinen afrikanischen Wurzeln blieb eine Ausnahme, obwohl Zølas angolanischer Vater ebenfalls Musiker ist. Der jedoch war ab Zølas fünften Lebensjahr nicht mehr anwesend.

Keine Grenzen mehr

Mit zwölf schrieb Zøla seinen ersten Song, nahm ihn auf und lud den Track auf Soundcloud. Der Stil war Indie, die Attitüde Do-it-yourself. Und dabei ist es geblieben. Zøla spielte zwar in einigen Bands, doch am wohlsten ist ihm, wenn er in seinem Keller vor sich hin werkeln kann. Alleine ist er frei. Unbeschwert probiert er sich durch die Genres. Heute Rock, morgen R’n’B, übermorgen Trap, Zøla kennt keine Scheu.

Er ist ein Kind des Internets, wo jeder Song, jede musikalische Spielart nur wenige Klicks entfernt ist. Das sture Festhalten an einem Stil ergibt für ihn vor diesem Hintergrund keinen Sinn. Ein Kumpel zeigte ihm, wie man mit entsprechender Software Beats produziert. Der Computer wurde von der Jukebox zum Musikinstrument. Seither kennt Zøla keine Grenzen mehr.



Naim Zola Mbundu
Zøla, ein junger Mann mit grossen Ambitionen: «Das Visuelle ist uns ebenso wichtig wie die Musik. Mein Album soll ein Gesamtkunstwerk sein.» (Bild: Donata Ettlin)

Seine Musik lässt sich stilistisch nicht festlegen. Deshalb nähern wir uns ihr am besten über die Gefühle, die sie beim Zuhören erzeugt:

Sie ist eklektisch, sprunghaft, unglücklich, verträumt, trunken von Liebe, Freundschaft und Substanzen, gross, laut, fordernd, ohne jede Furcht vor Pathos. Wie die Jugend selbst, die Zøla besingt.

Seine Debüt-EP hätte Zøla beinahe nicht herausgebracht – sie erschien ihm stilistisch zu eindimensional.

In seinem Keller verarbeitet Zøla, was er draussen mit seinen vielen Freunden erlebt. An Partys, im Club bei dröhnendem Techno, beim Rumhängen in der WG der Kollegen. «Ich bin ständig mit vielen Leuten zusammen, deshalb brauche ich diese Zeit alleine in meinem Studio.» Mit seiner Clique hat Zøla Spass, lässt er sich treiben. Alleine ist er auf sich zurückgeworfen. Deshalb ist seiner Musik eine Melancholie eigen, allem Hedonismus zum Trotz. «Wenn ich für mich bin, muss ich mich auch mit den traurigen Gedanken auseinandersetzen.» Die Musik ist sein Weg, diese Gefühle nach aussen zu tragen. Zurück zu seinen Freunden und noch weiter. Ins Internet, auf Bühnen.

Der Weg aus dem Keller fiel ihm nicht nur leicht. Seine erste EP «Boy in the North» hätte er beinahe nicht herausgebracht. Die fünf Songs – Trap wie er auch in Berlin, London oder eben New York hätte aufgenommen werden können – erschienen ihm stilistisch zu eindimensional. Im Kopf war er bereits weiter, bei seinem Debütalbum «Solar», das diese Woche erscheint.


Zur kompletten EP

Die Überzeugungsarbeit kam vom Basler Musiklabel ça claque, hinter dem etwa das DJ-Duo Goldfinger Brothers steckt. Janiv Oron, einer der beiden Brüder, war es, der Zøla beim Release begleitete: «Mir war klar, diese Musik gehört veröffentlicht.» Er habe in Basel schon ewig keinen Künstler mehr angetroffen, der so gekonnt mit den Genres spielt wie Zøla. «Er vereint Hip Hop, Trap und Pop und trifft damit genau den Zeitgeist.» Ausserdem verfüge er trotz wenig Live-Erfahrung über eine natürliche Bühnenpräsenz. «Das funktioniert auch auf ganz grossen Bühnen», ist Oron überzeugt.

Die Plattentaufe für sein neues Album «Solar» wird am 10. Juni in der Kaschemme alleine bestreiten. Die Musik vom Band, der Gesang live. Doch Zøla ist keine Ein-Mann-Show.



Naim Zola Mbundu, Roberto Ronzani
Künstler und Freund Roberto Ronzani zeichnet für den visuellen Auftritt von Zøla verantwortlich. Rechts zu sehen: Die Sonne fürs Bühnenbild. (Bild: Donata Ettlin)

Das Bühnenbild hat ein befreundeter Künstler, Roberto Ronzani, entworfen. Es ist eine grosse, selbstgebaute Laterne. Eine Sonne, die über Zøla hängen wird. Auch das Album-Artwork ist von Ronzani. «‹Solar› soll mehr Gesamtkunstwerk als Musikalbum sein, das Visuelle ist uns ebenso wichtig wie der Sound», sagt Zøla.

Eine Gruppenleistung ist auch das neueste Video zu «Caught in the middle». Dafür hat sich Zøla mit seinen Freunden zwei Wochen in Ronzanis Ausstellungsraum eingeschlossen. Zusammen haben sie aus Karton eine Szenographie gebaut, die an Science-Fiction-Filme aus den späten 80ern erinnert. Gefilmt hat ein weiterer Freund und die Computeranimationen wiederum hat ein Atelierkumpel von Ronzani beigesteuert.

Mit «Solar» würde Zøla gerne auf Tournee gehen. Er ist im Moment daran, sich eine Band zusammenzustellen, was eine Herausforderung darstellt. «Es ist recht schwierig, meine elektronischen Klänge in instrumentale Melodien zu übersetzen.» Als Bandleader müsste Zøla dann auch etwas tun, was ihm bis heute schwerfällt: üben. «Ich kann stundenlang auf einer Gitarre rumspielen, am Computer Beats basteln, doch konzentriertes Einüben ist bis jetzt noch nicht so mein Ding.»

In einem Interview mit SRF Virus wurde Zøla auf seine Träume als Musiker angesprochen. Seine Antwort:

«Ich träume jede Nacht etwas anderes. Aber ich träume gross.»

Inzwischen hat sich SRF wieder bei Zøla gemeldet, «Caught in the middle» soll in die Rotation übernommen werden.

Bald wird der Keller wohl zu klein sein.

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Zøla: «Solar» (Ça Claque) Plattentaufe: Sa, 10. Juni, im Rahmen von «3 Jahre Kaschemme», Kaschemme, Basel.

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