Zuviel Techno für Basel: Aus Schallplatz wird der Hip-Hop-Club Vice

Das Defizit im grössten Techno-Tempel der Nordwestschweiz war nach nur vier Monaten zu gross. Der neue Besitzer lässt im Vice Club schon bald Urban Bässe wummern.

Schallplatz - Mark Henning, German Brigante, Pawlikowski, Deepwave

(Bild: Eleni Kougionis)

Das Defizit im grössten Techno-Tempel der Nordwestschweiz war nach nur vier Monaten zu gross. Der neue Besitzer lässt im Vice Club schon bald Urban Bässe wummern.

Der Techno-Kuchen der Region Basel sei nicht gewachsen, erklärte Eduardo Vaccari, der Geschäftsführer des Technoclubs Schallplatz an der Heuwaage noch vor wenigen Wochen. Der daraus resultierende Verteilkampf hat nun Konsequenzen. Still und fast unbemerkt, schliesst der Laden an der Heuwaage am letzten April-Wochenende die Tore. Für eine Stellungnahme war niemand zu erreichen.

Auskunftsfreudiger ist dagegen der neue Hausherr Michael Grüninger: «Den Ravern war die Lage anscheinend zu zentral und zu wenig authentisch. Die Besucher spürten wohl auch, dass es den Machern mehr um das schnelle Geld ging.»

«Wir können die wahrscheinlich beste Anlage der Stadt übernehmen.»

Michael Grüninger, Betreiber des Vice Club

Grüninger war bis im Dezember 2015 Programmverantwortlicher im Club, der damals noch Velvet hiess. «Doch nachdem es im Sommer gebrannt hatte, wurde hinter meinem Rücken ein neues Konzept ausgeheckt.» Sein Abgang erfolgte nicht in Frieden.

Als ihn der alte Besitzer Marco Giambonini nun kontaktierte, ob er den schlingernden Club wieder in Schwung bringen könnte, sagte Grüninger gerne zu. Jedoch unter der Bedingung, dass er nicht nur das Programm bestimmen kann, sondern auch Boss über die Räumlichkeiten wird. «Die Kaufmöglichkeit hat für mich nach der unschönen Trennung etwas von Karma», erklärt Grüninger. Im gescheiterten Techno-Experiment sieht er auch Positives: «Immerhin konnten wir nun die wahrscheinlich beste Anlage der Stadt übernehmen.»

Neustart mit Gangster-Rap

Druck in tiefen Lagen braucht er für sein Musikkonzept, mit dem er genug Publikum locken will, um den grössten Club der Stadt zu füllen: «Wir setzen auf HipHop, R&B sowie Urban Music und öffnen zunächst nur den unteren Raum. Dort wird man Live Acts sehen, die sonst keiner hat.» Der Neustart in der 1000 Besucher fassenden Halle erfolgt am 7. Mai, am 13. Mai folgt ein Auftritt des Gangster-Rappers Yo Gotti, dessen neue Single «Law» gerade in die US-Charts einstieg.

Die Leidenschaft für Live-Shows entwickelte Grüninger in seinen Jahren bei Act Entertainment. Mit seiner eigenen Produktionsfirma MG Management buchte er auch schon Grössen wie Young Thug, «mangels Lokalen in Basel jedoch vor allem in Zürich.»

«Jumpoff» zieht ins Vice

Nicht nur Anhänger der derzeit angesagten Acts sollen im Lokal unter der Heuwaage einkehren, der Vice Club will auch Urban Music und Hip-Hopper der alten Schule anlocken. So findet etwa die Partyreihe «Jumpoff» nach der Schliessung der Kuppel ein neues Heim. Mit weiteren Veranstaltern und Party-Labels ist Grüninger im Gespräch.

Mit dem neuen Konzept, davon ist Grüninger überzeugt, bricht er die einzige Tradition eines der ältesten Clubs der Stadt: die dauernden Namenswechsel. Der Vice Club hat mit dem gleichnamigen Magazin übrigens keine Verbindung. «Den Namen wählten wir wegen der Ähnlichkeit zum Vorgänger Velvet und weil mir die untugendliche Bedeutung gefällt.»

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