Ärzteschaft warnt vor Zusammenbruch der Notfallabteilungen

Ärztevertreter kritisieren den geplanten Rückbau des Bruderholzspitals in drastischen Worten. Die medizinische Versorgung vor allem von Notfallpatienten könne schon sehr bald nicht mehr gewährleistet werden.

Das Bruderholzspital, wie es heute geführt wird, soll es in Zukunft so nicht mehr geben. Beide Basel planen eine gemeinsame Spital-Holding, in der das Bruderholz zur Tagesklinik werden soll.

(Bild: Georgios Kefalas)

Ärztevertreter kritisieren den geplanten Rückbau des Bruderholzspitals in drastischen Worten. Die medizinische Versorgung vor allem von Notfallpatienten könne schon sehr bald nicht mehr gewährleistet werden.

Ärztevertreter aus den beiden Basel schlagen Alarm: Der sich abzeichnende Exodus von Ärzten des Bruderholzspitals würden «unweigerlich schon sehr bald zu einem Wegfall des Spitals führen». Massive Engpässe in der Notfallmedizin in und um Basel seien nicht auszuschliessen, weil die Kapazitäten des Unispitals und des Spitals in Liestal nicht genügend schnell ausgebaut werden könnten. Das teilt die Basler Regionalstelle des Verbands Schweizerischer Assistenz- und Oberärzte (VSAO) heute mit.

Hintergrund des Warnschreibens ist die angekündigte Zusammenlegung der Basler und Baselbieter Spitäler, die vor allem auf das Bruderholzspital grosse Auswirkungen hat. Das Grossspital soll zur Tagesklinik zurückgebaut werden. 

Interner Brief

Anfang Woche landete ein interner Brief des Personals in der «Basler Zeitung». Darin übten die Mediziner heftige Kritik am Vorgehen des Baselbieter Gesundheitsdirektors Thomas Weber (SVP). Und sie drohten mit einer grossen Zahl an Kündigungen angesichts der unsicheren Zukunft. Weber heizte den Konflikt zusätzlich an, als er tags darauf verlauten liess, mit dieser Reaktion der Ärzte gerechnet zu haben.

Auch der VSAO, der grundsätzlich hinter der Fusion steht, kritisiert, dass die Belegschaft nicht in die Planungen einbezogen worden ist. Der Verband spricht von einem respektlosen Umgang mit dem Personal. 

Unklare Szenarien

Ob und wie weit das Unispital einspringen kann, falls die Notfallversorgung auf dem Bruderholz wegbricht, scheint auch bei den Verantwortlichen in Basel unklar. Das Unispital teilt auf Anfrage, ob entsprechende Szenarien bestehen würden, lediglich mit, man beobachte die Entwicklung sehr genau. 

Das Gesundheitsdepartement wiederum spricht von einer «hypothetischen Frage». Die Anfrage lautete, wie viele der derzeit rund 22’000 Notfallpatienten des Bruderholzspitals im Unispital versorgt werden könnten. 

Konversation

  1. @peter meier 2: Da könnten Sie recht haben. Da stoßen zwei ganz unterschiedliche Kulturen auf einander. Während es in den westeuropäischen Ländern mal wichtig war, alles über den Hausarzt laufen zu lassen und ihn entscheiden zu lassen, wann der Spezialist erforderlich ist, ist es in anderen Ländern – Ich denke z.B. an die Slowakei – vor lauter Mangel an Hausärzte – üblich, sofort ins Spital zu gehen. Da wäre die Politik gefragt, um vielleicht zu bestimmen, das schon billigere Hausarztmodell als obligatorisch zu erklären, mit Ausnahme vielleicht für Psychiater, denn Hausärzte geben m.E. zu rasch Psychopharmaka ab, die nicht erreichen, was erhofft wird, und zweitens sau-teuer sind..

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    1. Dafür müsste man aber genügend Hausärzte haben.

      Weil sich Ihre Zunft in der Regel bereits ab Studium an den zu erzielenden Verdienstmöglichkeiten orientiert, wird Ihr Vorschlag schwer umzusetzen sein.

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    2. Salü Piet:
      Es gibt eine nicht „kulturelle“ Erklärung, warum viele dieser Patienten auf der Notfallstation landen, nur ist die weniger nett:
      Viele Ärzte sind genauso wie auch viele Bürger strukturiert, d.h. nette „Ramseiers“ sind ihnen entschieden lieber als „Gugulicics“. Das bekommen die Patienten zu spüren, womit beide zufriedener werden, wenn sie sich voneinander trennen.
      Auch ein Psychiater nach seiner relativ teuren Psychotherapie-Ausbildung brennt eher darauf, sein neu teuer erworbenes Wissen nicht auch noch dadurch behindert zu sehen, weil es der Patient aus sprachlichen oder schichtspezifischen Gründen schlicht nicht versteht.
      Manche Rheumatologen halten sich auch für nicht mehr zuständig, wenn die Rheumafaktoren im Labor fehlen.

      Im Unispital laufen vor allem Nichteinheimische herum, die eventuell mit den Patienten etwas anders umgehen. So trifft man sich.

      Das ergäe fürs Bruderholz eine überraschende Lösung: Klar definierte multilinguale transkulturelle Medizin mit psychosomatischem Ansatz.
      Das Ambulatorium hätte in zwei Wochen schon Platzprobleme (wie die BVB mit ihrer Linie 8).

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  2. Wieviele dieser 22’000 Patienten sind echte Notfälle und wieviele haben einfach „nur“ Bauchschmerzen oder Fieber ? In vielen Kulturen ist es so, dass man bei Krankheit einfach „aux urgences“ geht. Eine 24H Klinik am Bahnhof könnte wohl einen grossen Teil der nicht ganz Notfälle abfangen.

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