Aktion gegen Kündigung der Seniorenpflegerin Bozena Domanska

Rund 40 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter protestierten heute Vormittag vor dem Sitz der privaten Spitexfirma Perspecta AG gegen die Entlassung von Bozena Domanska. Die aus Polen stammende Seniorenbetreuerin ist wegen ihres Engagements für bessere Arbeitsbedingungen in ihrer Branche für den Prix Courage nominiert.

vpod-Protestaktion vor dem Sitz der Perspecta AG. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Rund 40 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter protestierten vor dem Sitz der privaten Spitexfirma Perspecta AG gegen die Entlassung von Bozena Domanska. Die aus Polen stammende Seniorenbetreuerin ist wegen ihres Engagements für bessere Arbeitsbedingungen in ihrer Branche für den Prix Courage nominiert.

Für die Gewerkschaft vpod ist der Fall klar: Der Seniorenbetreuerin Bozena Domanska wurde gekündigt (die TagesWoche hat darüber berichtet), weil sie immer wieder öffentlich die miserablen Arbeitsbedingungen der Care-Migrantinnen anprangert. Die aus Polen stammende Frau, die selber früher jahrelang als 24-Stunden-Betreuerin für hilfebedürftige Senioren gearbeitet hat, erlangte durch die diversen Auftritte in den Medien denn auch eine gewisse Bekanntheit – und sie wurde für ihr Engagement vom Beobachter für den Prix Courage nominiert.

Klar ist, dass die Entlassung einer solch prominenten Angestellten, die inzwischen auch aktives vpod-Mitglied ist, in der Öffentlichkeit Wellen schlägt, und dass die Gewerkschaft dagegen ankämpft. Das wurde Domenskas Arbeitgeberin, die private Basler Spitexfima Perspecta AG, spätestens nach den ersten Anrufen von Journalisten bewusst. Am Montagabend stellte sich dann der CEO der Firma, Alessandro Hunziker, im 061-Live-Interview auf Telebasel den Fragen von Mirjam Jauslin.

Aussage gegen Aussage

Den Vorwurf, Bozena Domenskas Kündigung habe mit ihrem gewerkschaftlichen Engagement zu tun, wies er vehement von sich: Dieser Vorwurf sei «absolut nicht zutreffend». Ihre Leistungen seien nicht zufriedenstellend gewesen, sie habe manchmal die vereinbarten Betreuungszeiten nicht eingehalten, sei früher gegangen usw. «Wir haben deswegen auch Reklamationen von Kunden erhalten», sagte Hunziker. In einer anderntags verschickten Medienmitteilung (siehe Rückseite des Artikels) wiederholte Hunziker seine Stellungnahme zur Kündigung, die unumgänglich geworden sei, nachdem sich die Situation auch nach einer Abmahnung nicht verbessert habe.

Beim vpod sieht man die Sache ganz anders: Bozena Domanska habe die Kündigung erhalten, weil sie wegen ihres Kampfes für bessere Anstellungsverhältnisse – auch bei Perspecta AG – zu unbequem für die profitorientierte Spitexfirma geworden sei, und der Vorwurf der ungenügenden Leistung sei eine Ausrede (siehe Medienmitteilung auf der Rückseite). Das war denn auch der Tenor der rund 40 Gewerkschaftsmitglieder, die sich heute Dienstagvormittag vor dem Sitz von Perspecta AG in der Steinenvorstadt mit Fahnen und Trillerpfeifen versammelten, um gegen die «missbräuchliche Kündigung» zu protestieren.

«Wir werden diese Kündigung anfechten», rief vpod-Gewerkschaftssekretärin Marianne Meyer ihren Genossinnen und Genossen durchs Megaphon zu. An die Öffentlichkeit richtete sie den Appell, die Firma Perspecta solange zu boykottieren, bis diese die Kündigung zurückgezogen habe. «Die Firma hätte wissen müssen», so Meyer, «dass Bozena Domanska, die inzwischen in der ganzen Schweiz bekannt ist, nicht einfach entlassen werden kann.»

Konversation

  1. Das Geschehen hier könnte auch auf Mobbing hinweisen. Es ist haarsträubend, was sich Arbeitgeber alles einfallen lassen, wenn ein Mitarbeiter unbequem ist und sie diesen anschuldigen für Sachen, die gar nie geschehen sind. Oder einen einmaligen Fehler, der jedem Angestellten mal passieren kann zu einer Katastrophe aufbauschen.

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  2. Frau Meyer VPOD sagt lt. eurem Artikel: «Die Firma hätte wissen müssen dass Bozena Domanska, die inzwischen in der ganzen Schweiz bekannt ist, nicht einfach entlassen werden kann.»
    Haben wir für jetzt unterschiedliches Arbeitsrecht für Prominente und Nichtprominente?

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  3. Meine Grosseltern werden seit einigen Jahren betreut und mussten am eigenen Leib erfahren, was es heisst eine unzuverlässige Pflegerin zu haben. Ja, dies soll auch bei der öffentlichen Spitex vorkommen. Das Wohl der Patienten muss an erster Stelle stehen, deshalb finde ich es von den Unternehmen mehr als in Ordnung ihren Angestellten genau auf die Finger zu schauen, erst Recht wenn Reklamationen ins Haus flattern.

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