Am fleissigsten sind in der Schweiz die Ausländer

Sie bilden einen Viertel der Wohnbevölkerung und erledigen einen Drittel unserer Arbeit: Die Abhängigkeit der Schweiz von ausländischen Arbeitskräften hat seit 2000 massiv zugenommen.

Rund 32 Prozent aller Arbeitsstunden innerhalb der Schweiz entfallen heute auf ausländische Arbeitstätige. (Bild: LAURENT GILLIERON)

Sie bilden einen Viertel der Wohnbevölkerung und erledigen einen Drittel unserer Arbeit: Die Abhängigkeit der Schweiz von ausländischen Arbeitskräften hat seit 2000 massiv zugenommen.

Menschen in der Schweiz zählen zu den fleissigsten in ganz Europa. Und sie werden immer fleissiger. Das zeigen die neusten Daten über das Arbeitsvolumen, die das Bundesamt für Statistik (BFS) diese Woche veröffentlichte: Im Jahr 2014 leisteten Angestellte und Selbstständige in der Schweiz insgesamt 7,713 Milliarden Stunden bezahlte Arbeit. Das sind 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr und 12 Prozent mehr als im Jahr 2000.

Dieses Wachstum ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Konsumierenden mit Gratisarbeit, sei es mit Eintippen von Einkäufen im Coop, Selbstbedienung am Kebab-Stand oder Import von Lebensmitteln per Personenwagen, der produzierenden Wirtschaft immer mehr Arbeit abnehmen.  

Ausländer arbeiten immer mehr 

Ein Blick auf die Verteilung relativiert allerdings den nationalen Arbeitseifer. Denn noch arbeitsamer als die Eingeborenen und Eingebürgerten sind in der Schweiz die Ausländerinnen und Ausländer:

  • Rund 32 Prozent aller Arbeitsstunden innerhalb der Schweiz entfallen heute auf ausländische Arbeitstätige, obwohl der Anteil der Ausländerinnen und Ausländer nur 24 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz ausmacht. Der Hauptgrund: Der Anteil der Ausländer, die 20- bis 65jährig und damit arbeitsfähig sind, ist höher als jener der Schweizer, bei denen der Rentneranteil zunimmt.  
  • Der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung, die hierzulande arbeitet, ist nicht nur grösser. Im Durchschnitt arbeitet eine ausländische Arbeitskraft auch zwölf Prozent länger als eine schweizerische. Denn es gibt immer mehr Schweizerinnen und Schweizer, die ein Teilzeitpensum wählen.
  • Ins Auge sticht die mittelfristige Entwicklung: Seit dem Jahr 2000 ist die Zahl der Arbeitsstunden von Ausländerinnen und Ausländern in der Schweiz um stolze 40 Prozent gestiegen, jene der Schweizerinnen und Schweizer im gleichen Zeitraum lediglich um 3 Prozent. Folge: Der Anteil der Ausländer an der Arbeit in der Schweiz erhöhte sich von rund einem Viertel im Jahr 2000 auf annähernd einen Drittel im Jahr 2014. Das zeigt: Die Abhängigkeit der Schweiz von ausländischen Arbeitskräften hat sich massiv verstärkt.

Weitere Erkenntnisse bringt die Arbeitsstatistik, wenn man sie mit der Entwicklung von anderen Wirtschaftsdaten vergleicht. Das Arbeitsvolumen in der Schweiz wuchs von 2000 bis 2014 um 12 Prozent, das teuerungsbereinigte Bruttoinlandprodukt (BIP real) laut neusten (nach oben korrigierten) Daten um 28 Prozent. Daraus lässt sich grob schliessen: Die Hälfte des Wirtschaftswachstums in der Schweiz resultierte seit 2000 aus zusätzlicher Arbeit, die andere Hälfte aus der Steigerung der Arbeitsproduktivität.

In den Jahrzehnten zuvor hingegen, so zeigte eine Studie der ETH, nahm die Arbeitsproduktivität weit stärker zu als das Arbeitsvolumen. Die Automation in der Industrie erlaubte damals starke Produktivitätssteigerungen und eine deutliche Verkürzung der Arbeitszeit. Die Zunahme des Dienstleistungssektors bis hin zur Krankenpflege erlaubt weniger Produktivitätssteigerung.

Die Zahl der Berufstätigen in der Schweiz wuchs seit 2000 ebenfalls etwas stärker als das Arbeitsvolumen. Grund: Die durchschnittliche Arbeitszeit pro erwerbstätige Person ist seit 2000 leicht gesunken, allerdings weit weniger stark als in den vorangegangenen Jahrzehnten.

Gegentrend im Ausland

Dank Fleiss und geringer Arbeitslosigkeit sind in der Schweiz 82 Prozent aller Personen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren erwerbstätig. Das ist Europarekord. In unseren Nachbarstaaten schwankt diese Erwerbsquote zwischen 61 Prozent in Italien und 77 Prozent in Deutschland. 

Und im Unterschied zur Schweiz hat das Arbeitsvolumen, gemessen in Arbeitsstunden, in den meisten europäischen Staaten in den letzten Jahren stagniert oder sogar abgenommen. Eine Ausnahme bildet der europäische «Wachstumsmotor» Deutschland. Hier lag das Arbeitsvolumen im Jahr 2014 über dem Niveau des Jahres 2000, allerdings nur zwei Prozent höher.

Fazit: Dank Zuwanderung blieb die Schweiz das Arbeitsparadies in Europa – wenn man viel Arbeiten als paradiesisch beurteilt.

Konversation

  1. Wird in der Studie auch zwischen den Ausländergruppen unterschieden? In den letzten Jahren sind ja ziemlich viele Ex-Pats in die Schweiz gezogen, die ja von den hiesigen Firmen rekrutiert wurden. Interessant wäre zu wissen, wie hoch der Arbeitsleistungsanteil der (restlichen) Migranten ist – um dem Klischee der „faulen Ausländer“ entgegenzuwirken.

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    1. @könig

      war mal als expat in fernen landen: ein grauenhaft fauler hund, ich hab deren ganze statistiken restlos versaut.
      wenn nun ein flüchtling mit ländlichem hintergrund hier günstig im landwirtschaftsbetrieb arbeitet – ist er dann auch ein expat?
      oder ein fauler hund?

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    2. Das Wort ExPat bedeutet einer, der ausserhalb von seinem Vaterland lebt. Es ist also ein Synonym für Ausländer. Deshalb macht es wenig Sinn zwischen ExPat und anderen Migranten zu unterscheiden.

      Das was Du wahrscheinlich meinst sind reiche, gebildete Migranten. Da kann ich Dir den Unterschied nennen. Sie arbeiten weniger hart als andere Migranten, verdienen aber mehr. Mit der Integration ist es so eine Sache, manche reden ganz passabel Deutsch, andere kaum ein Wort. Also kein Unterschied zu einfachen Fremdarbeitern. Da gibt es auch gut integrierte, und solche die zurückgezogen leben.

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    3. @Stefan Heimers
      Unter Expat habe ich bisher verstanden, dass das die sind, die von ihren Unternehmen in Zweigsstellen anderer Ländern geschickt werden.
      Die Familie meiner Schwester war selbst Expats. Sie sind Schweizer und von einem Schweizer Unternehmen in Niederlassungen anderer Länder geschickt worden. Es waren bei Ihnen ausschliesslich Süd- und Mittelamerikanische Länder.
      Ihnen wurde das Zügeln des ganzen Hausrates organisiert und bezahlt. Bis die Ware mit dem Schiff am Bestimmungsort ankam wurde ihnen immer das Hotel bezahlt. Dann hatten sie zusätzlich zum grosszügigen Lohn eine Wohnung/Haus bezahlt und zwar
      grosszügig.
      Also diesen Expats wird von der Firma ein Nest bereitet. Bei den Arbeiter-Expats sieht das ganz anders aus.

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  2. Nicht nur schlecht-verdienende arbeiten hart auch viele die überdurchschnittlich verdienen arbeiten hart und viel. Zudem muss man sehen, dass es verschiedene Ausländerfruppierungen gibt.

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  3. Ein interessanter Artikel! Interessant wäre die Berechnung des Durschnitslohnes der Ausländer und der Schweizer während dieser Periode (00-14), und dessen Entwicklung! Wenn man dann die demographische Entwicklung bis 2050 schätzen würde, sowie die wirtschaftliche Entwicklung könnte man hochrechnen, welcher Anteil die Ausländer im 2050 haben werden. Mit entsprechender forcierter Einbürgerung könnte man natürlich die Quote wieder reduzieren.
    Diese Spielerei hat aber lediglich den Zweck, gewissen rechten Kreisen aufzuzeigen, wie nutzlos ihr Kampf ist!

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  4. ??? Zitat: „Das Arbeitsvolumen im Jahr 2000 lag über dem Niveau des Jahres 2000“
    -Was soll das ? Wie geht das ?? Kann man uns das mal auf Deutsch erklären ???

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