Am Samstag darf bis 20 Uhr geshoppt werden – vielleicht

Die Geschäfte in Basel dürfen neu samstags bis 20 Uhr offen haben. Der Grosse Rat hat einer Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten zugestimmt. Das letzte Wort dazu hat aber das Stimmvolk – die Unia und die Linke ergreifen das Referendum.

Der Grosse Rat hat sich für längere Öffnungszeiten am Samstag entschieden. Künftig darf bis um 20 Uhr eingekauft werden. (Bild: Keystone/Gaetan Bally )

Die Geschäfte in Basel dürfen neu samstags bis 20 Uhr offen haben. Der Grosse Rat hat einer Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten zugestimmt. Das letzte Wort dazu hat aber das Stimmvolk.

Die Ladenöffnungszeiten in Basel-Stadt werden ein bisschen liberalisiert: Künftig dürfen die Geschäfte samstags bis 20 Uhr geöffnet haben – derzeit müssen sie ihre Türen um 18 Uhr schliessen. Der Grosse Rat hat am späten Mittwochnachmittag eine entsprechende Vorlage mit 47 gegen 41 Stimmen angenommen – deutlicher als erwartet. 

SP, Grünes Bündnis und EVP waren dagegen. «Eine Ausdehnung der Öffnungszeiten am Samstag trifft die Verkäuferinnen an einem zentralen Nerv. Die Zeit für Familie und Freizeit wird dadurch massiv eingeschränkt», meinte etwa SP-Grossrätin Christine Keller. Das käme schon deshalb nicht in Frage, da im Detailhandel immer noch kein Gesamtarbeitsvertrag existiere. Die Linke wies auch darauf hin, dass die Läden bereits heute von Montag bis Freitag bis 20 Uhr offen haben dürfen – nur wenige würden aber davon Gebrauch machen (ausser am Donnerstag).

CVP, SVP, FDP, LDP, GLP waren hingegen klar für die Liberalisierung. «Basel-Stadt hat samstags immer noch einen deutlichen Standortnachteil – wir brauchen gleich lange Spiesse wie das Umland. Zwei Stunden mehr bringen spürbar grössere Umsätze», sagte CVP-Grossrat Markus Lehmann. Patrick Hafner von der SVP meinte, dass eine solche Ausdehnung die Innenstadt beleben würde, auch die Gastronomie würde davon profitieren. Und: «Basel ist eine urbane Stadt. Da ist es völlig angepasst, wenn die Läden samstags bis 20 Uhr geöffnet sind», sagte David Wüest-Rudin von der GLP.

«Verändert die Welt nicht»

Noch ist die Liberalisierung aber noch nicht in Stein gemeisselt: Die Unia und die Linke werden das Referendum gegen den Grossratsbeschluss ergreifen. Somit könnte das Stimmvolk das letzte Wort haben. Heidi Mück (Grünes Bündnis) blickt der Abstimmung gelassen entgegen: «Das Volk hat sich in der Vergangenheit immer gegen eine Liberalisierung ausgesprochen. Die Bürgerlichen haben sich mit diesem Beschluss ins eigene Fleisch geschnitten.»

Dass nun ein Referendum lanciert werden soll, kann der Geschäftsleiter der Migros Basel, Werner Krättli, nicht nachvollziehen (er verfolgte die Debatte von der Tribüne aus). «Der Grosse Rat hat sich nur für zwei Stunden mehr entscheiden – das verändert die Welt nicht. Auch bedeutet der Entscheid nicht, dass die 10’000 Angestellten im Detailhandel jeden Samstag bis 20 Uhr arbeiten müssen.» Eine Zwängerei sei dieses Referendum, sagt er.

 

 

 

 

Konversation

  1. Meine Ahnen hatten ein Spezereiwarengeschäft. Wie mir erzählt wurde, waren die Geschäfte vor ca. hundert Jahren am Samstag bis um 22:00 Uhr offen. Dann langsam kamen die sozialen Errungenschaften. Ferien, Altersvorsorge, Öffnungszeiten, Kündigungsschutz etc. wurden angepasst. Und heute werden die Errungenschaften lagnsam wieder abgebaut. Das ist nicht nur dank der Öffnungszeiten ersichtlich, sondern auch dank der modernen Technik, wo jeder zu jeder Tages- oder Ferienzeit erreichbar ist. Aber irgendwann wird auch das wieder zuviel ..

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  2. Eine Sache ist es, wenn z.B. das Stücki – wo es v.a. morgens unter der Woche menschenleer ist – beschliessen würde später zu öffnen, und sich damit die Einsatzzeiten des Personals verschieben. Tatsache ist aber, dass dies eben nicht geschieht. Gerade in Zentren werden die Ladenöffnungszeiten maximal ausgeschöpft. Selbstverständlich bei minimalen Personalaufwand, um möglichst hohe Renditen trotz fehlender Kundschaft während der Hälfte des Tages zu erzielen.
    Eine andere Sache ist spezifisch der Samstag abend: Ja, Samstag ist der umsatzstärkste Tag. Aber längere Ladenöffnungszeiten führen nicht unbedingt zu mehr Umsatz, sondern zu einer Verlagerung. Zudem frage Dich doch selbst, was Du am Samstag abend um 20:00Uhr in der Regel machst. Vielleicht schon unterwegs an einen FCB-Match, oder ein schönes Essen im Kreise der Familie oder mit Freunden? Der Einschnitt für das Verkaufspersonal ist da wirklich massiv!
    Zu Lohnzuschlägen bei Samstagsabend-Arbeit: Dies kann nur über einen GAV geregelt werden, nicht aber über das kantonale Ladenschlussgesetz. Das Arbeitsgesetz kann nur auf Bundesebene geändert werden. Und ein GAV darf rechtlich nicht mit dem Ladenschlussgesetz verknüpft werden (das Bundesgericht hat dies gerade am Fall Basel entschieden).
    Und eine GAV wollen wir nach wie vor! Wir sind da auch immer noch aktiv. Für uns ist klar: „Keine Stunde mehr, ein GAV muss her.“ Unsere Forderung ist und war immer deutlich, .v.a. gegenüber den Arbeitgebern…
    Was ich allerdings keinesfalls glaube, ist das wir die Probleme die der Detailhandel auf Grund des starken Frankens mit längeren Öffnungszeiten lösen, wie gesagt, dies führt nur zu Verlagerungen des Umsatzes (die Seco-Studie ist wirklich lesenswert). Die Gewerkschaften fordern schon lange und laut, die Kursanpassung. Es leidet ja nicht nur der Detailhandel, sondern die ganze Wirtschaft.

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  3. Es geht um eine, wenn auch sehr bescheidene, Liberalisierung. Das darf man ruhig im Wortsinn verstehen: man kann, muss aber nicht.
    Dies bedeutet, dass da, wo gerade in Grenznähe Wettbewerbsnachteile herrschen (Beispiel Stücki), länger geöffnet bleiben darf. Da wo sichs kommerziell nicht rechnet, sind die Detailisten sowieso frei in ihrer unternehmerischen Entscheidung.
    Offenbar ist der Samstag der verkaufsstärkste Wochentag; eine Variante wäre, dass diejenigen, die am Samstag länger offen bleiben, einen frei wählbaren Vormittag pro Woche schliessen müssen. So etwas im Sinne einer frei aufteilbaren „Wochenöffnungszeit“.
    Selbstverständlich kann eine Freigabe der Oeffnungszeiten auch mit gesetzlichen Lohnzuschlägen verbunden werden. So lange es alle gleichermassen betrifft, gibt es im Inland keine Wettbewerbsverzerrungen. Oder man kann die Liberalisierung von einem entsprechenden GAV abhängig machen, mit Ausnahme der Familienbetriebe.
    Ich wehre mich einfach gegen das gewerkschaftliche, reflexartige „NEIN“, trotz meiner sozialdemokratischen Grundhaltung.
    Die Detailisten im Raum Basel haben heute nebst den CH-Kartellpreisen, den hausgemachten Preisnachteilen und dem tiefen Euro schon genügend Wettbewerbsnachteile. Bei den Oeffnungszeiten könnte man währungsunabhängig Wettbewerbsnachteile abbauen – auch zum langfristigen Erhalt der Arbeitsplätze.

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  4. Solange der Eurokurs so niedrig ist und auch das Verkaufspersonal unfreundlich, die wenigen Kunden die noch in Basel am Einkaufen sind, bedienen werden die verlängerten Öffnungszeiten nicht den erhofften Mehrumsatz bringen.
    Ich habe jahrelang im Detailhandel gearbeitet und weiss noch als der Abendverkauf bis 21 Uhr ging, der Umsatz ist auch nicht gestiegen, sondern es gab eine Verlagerung der Kundenfrequenz.
    Das Problem mit den verlängerten Öffnungszeiten ist auch, dass nicht mehr Personal eingestellt wird und die Verkäufer und Verkäuferinnen dürfen, ohne Schichtzulage, Schicht arbeiten. Das kann ja nicht die Lösung sein.

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  5. Auch ich bin Gewerkschaftssekretärin – hier in Basel – und kann Pascal Pfister nur beipflichten: Die Mehrheit des Verkaufspersonals ist gegen längere Ladenöffnungszeiten! Und ja wir haben sicher mehr Grenzgängerinnen und Grenzgänger als der Kt. AG. Tatsächlich sind weniger als ein Viertel aller Beschäftigten im Detailhandel Grenzgängerinnen und Grenzgänger.
    Zu Deinem Vorschlag die Zentren später zu öffnen: Das wäre ja heute zulässig! Offensichtlich funktioniert hier also der viel genannte Wettbewerb nicht, was folglich gegen jede Form der Deregulierung spricht.
    Zudem: Wenn eine Filiale der Grossverteiler um 8:00 öffnet, beginnt die Verkäuferin der Gemüseabteilung oft meist schon um 7:00. Und das entsprechende gilt auch nach Ladenschluss.

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  6. Das Basler Stimmvolk hat bereits dreimal Liberalisierungsschritte an der Urne abgelehnt. Der Grosse Rat hat die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten erst letztes Jahr abgelehnt. Und nun standen eigentlich die Sonntagsverkäufe zur Diskussion, und schon nutzen die Liberalisierer die Gelegenheit um die Ladenöffnungszeiten auch am Samstag auszudehnen. Das ist Salamitaktik und damit ist dies die eigentliche Zwängerei!
    Nicht aber das Referendum, welches sich für die VerkäuferInnen und ihr Grundrecht auf Privatleben einsetzt. Es gibt genügend Studien (zum Beispiel vom Seco), die zeigen, dass jede Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten zu Lasten des Verkaufspersonals geht: höhere Wochenarbeitszeiten zum gleichen Lohn, zunehmende Prekarisierung und negative Flexibilisierung. Dies alles ohne Zuschläge wie sie andere Beschäftigte (Pflege, Schichtarbeit, etc.) erhalten.
    Das Referendum ist darum richtig und wichtig!

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  7. So schnell gebe ich nicht auf. Wie hoch ist denn im Aargau der Grenzgängeranteil beim Verkaufspersonal? Ist das überhaupt mit der Region Basel zu vergleichen?
    Ich kann ich mir gut vorstellen, dass der Druck durch den Einkaufstourismus im Kanton Aargau nicht so hoch ist wie in Basel, das Fricktal ausgenommen.
    Ich würde mal in anderen Dimensionen denken. Wer sagt denn zum Beispiel, dass jede Migros und jeder Coop bereits morgens um 08.00 Uhr oder sogar noch früher öffnen muss? Ich würde die grossen Zentren nicht vor 10 oder 11 Uhr morgens öffnen und dafür am Abend länger offen lassen. Die Quartierfilialen könnten durchaus an den bisherigen Oeffnungszeiten festhalten.
    Mir ist klar, dass dies wohl eher den Bedürfnissen einer Stadt entspricht. Dies ist ein zusätzliches Argument für die Liberalisierung – angepasst dem Wirtschaftsraum.

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  8. @boesiger. 1. Das Referendum kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. 2. Die Verkäuferinnen sind in der großen Mehrheit gegen die Verlängerung der Arbeitszeit. Ich bin im Aargau Gewerkschaftssekretär für’s Verkaufspersonal und spreche täglich mit Leuten. 3. Die Arbeitgeber blockieren GAV-Verhandlungen, wo Nachtzuschläge geregelt werden könnten. 4. Der orange Riese streicht zur Zeit an vielen Orten sogar die Nachtzuschläge. … Aber eines stimmt: das Verkaufspersonal muss sich noch besser organisieren.

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  9. 1. Das Referendum steht noch gar nicht.
    2. Die meisten Verkäuferinnen sind eher nicht stimmberechtigt, da aus F und D.
    3. Würde man das Verkaufspersonal wirklich fragen (ich habs gemacht im Bekanntenkreis), würde man vielleicht sogar Zustimmung zu den angepassten Oeffnungszeiten erhalten. Man könnte ja einen Zuschlag für die Arbeit am Samstag nach 17 Uhr im GAV vereinbaren…

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